Statistik
Im Jahre 1978 waren 0,8% der Schiedsrichter Frauen (440 von 53.473). Die letzten Zahlen zeigen einen Anstieg dieses Anteils auf 2,0%. Von den insgesamt 77.276 Schiedsrichtern sind 1.530 Frauen, eine beträchtliche Zunahme also.
Bis zum Beginn der 90er Jahre gab es kaum eine Frau, die Spiele oberhalb der lokalen Ebene leitete. Ähnlich verhielt es sich beim Einsatz als Assistentin.
Frauenfussball auf nationaler und internationaler Ebene
Die deutsche Meisterschaft wird seit 1974 ausgetragen, zunächst geschah dies in einem europapokalähnlichen Wettbewerb zwischen regionalen Meistern. Kurze Zeit später dachte man beim Deutschen Fussballbund (DFB) jedoch bereits über die Einführung einer nationalen Frauenfussball-Liga nach. Diese Idee wurde in der Saison 1990/91 umgesetzt.
Ende 1982 gab es in Koblenz das erste offizielle Länderspiel gegen die Schweiz, es war das erste in einer langen Reihe regulärer Spiele die seit 1983 ausgetragen werden. 1989 nahm Deutschland zum ersten Mal an der Endrunde der Frauenfussball-Europameisterschaft teil und war gleichzeitig Gastgeberland.
Der erste Lehrgang für Schiedsrichterinnen auf nationaler Ebene
Die Schiedsrichterkommission des DFB wollte diese Situation nutzen, um einen Lehrgang zu starten und die Öffentlichkeit verstärkt darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen nicht nur Fussball spielen, sondern auch als Schiedsrichterinnen aktiv sind (damals gab es in ganz Deutschland nur 675 Schiedsrichterinnen). Die Landesverbände wurden aufgefordert, ihre besten weiblichen Schiedsrichter zum ersten DFB-Lehrgang zu entsenden.
Unter der fachkundigen Leitung des DFB-Instruktors Hans Ebersberger und mit Unterstützung von Volker Roth, dem Schiedsrichterobmann des DFB und der UEFA, der auch selbst immer noch als Schiedsrichter aktiv ist, trafen vom 30. Juni bis zum 2. Juli 1989 in der Nähe des Endspielortes in Osnabrück 25 Schiedsrichterinnen aus 15 der damals 16 zugehörigen Verbände zusammen. Außer den sportlichen und theoretischen Prüfungen standen auch ein Besuch im Trainingslager der vier teilnehmenden Mannschaften sowie ein Treffen mit einem Repräsentanten der UEFA-Schiedsrichterkommission auf dem Programm. Das Highlight war das Endspiel in Osnabrück, aus dem die deutsche Mannschaft im ausverkauften Stadion vor 23.000 Zuschauern als Sieger hervorging.
Die Geschichte geht weiter
In den folgenden drei Jahren bestanden mehr und mehr talentierte Frauen die Prüfungen des DFB, und schließlich leiteten Schiedsrichterinnen auch regelmäßig Männerfussball-Spiele oberhalb der lokalen Ebene.
Im Finale der zweigleisigen Frauen-Bundesliga wurde Bundesliga-Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers von zwei Assistentinnen unterstützt. Ein Jahr nach der Einführung der Frauen-Bundesliga sorgte die DFB-Schiedsrichterkommission dafür, dass so viele Spiele wie möglich von Schiedsrichterinnen geleitet wurden. Die erste Liste von Schiedsrichterinnen wurde zusammengestellt. Sie enthielt 20 weibliche Unparteiische im Alter von 20 bis 40 Jahren, die etwa ein Drittel aller Spiele leiteten. Vier davon arbeiten auch heute noch für den DFB. Von da an bis zur Einführung der eingleisigen Frauen-Bundesliga im Jahre 1998 wurde jedes Endspiel der deutschen Meisterschaft von weiblichen Schiedsrichtergespannen geleitet. Jeder Schiedsrichterin wurde diese Ehre einmal zuteil. Dasselbe gilt auch für das DFB-Pokal-Endspiel, das seit 1992 als Eröffnungsspiel vor dem Finale der Männer im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird.
Der DFB-Lehrgang bietet Prüfungen und Qualifikationen während des Sommers. Außerdem gibt es andere Möglichkeiten, talentierte Schiedsrichterinnen zu prüfen. Ihr Engagement für die Frauenliga hat vielen Schiedsrichterinnen Anerkennung und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der einzelnen Landesverbände eingebracht.
Die ersten Einsätze von Frauen auf internationaler Ebene
Bereits 1991 wurde das erste Frauen-Länderspiel von einer Schiedsrichterin geleitet. Diese Frau war Gertrud Regus aus dem nordbayerischen Hallstadt. Seitdem ist es allgemein üblich, dass internationale Freundschaftsspiele, die auf heimischem Boden ausgetragen werden, unter der Leitung einer Frau stattfinden. Noch im gleichen Jahr nahm Regus als Schiedsrichterassistentin an der Weltmeisterschaft in China teil.
In der Damen-Bundesliga (später Frauen-Bundesliga) sind die Frauen 'an der Macht'
Nach einer kurzen Einführungsperiode entschied die Schiedsrichterkommission des DFB, dass nur Frauen, die mindestes Spiele auf Landesebene geleitet hatten (fünfte oder sechste Liga) sich in die Liste der DFB-Schiedsrichterinnen eintragen lassen konnten. Dank dieser Regelung wurden maximal 12% der Ligaspiele von Männern geleitet, eine Entscheidung, die sicherlich auch finanzielle Hintergründe hatte. In den Spielzeiten 1998/99 und 1999/2000 gab es jeweils nur einen Fall, in dem ein Mann kurzfristig für eine Schiedsrichterin einspringen musste, weil diese krankheitsbedingt absagen musste.
Bei vielen Spielen wurden die Leistungen der weiblichen Unparteiischen von Schiedsrichterinspektoren bewertet, die auch in den DFB-Lizenzligen tätig sind.
Im Laufe der Zeit stiegen Qualität und Anforderungen der Lehrgänge und prominente Gastredner wurden eingeladen. Videoanalysen, Trainingstipps und Diskussionen in Englisch standen auf dem Programm. Die praktischen und theoretischen Tests stellten kein größeres Problem mehr dar, und viele Frauen werden inzwischen den gleichen Kriterien gerecht, die für ihre männlichen Kollegen gelten. Während die Schiedsrichtertätigkeit von Frauen früher als bloßes Hobby angesehen wurde, wird dem Ganzen heute wesentlich mehr Bedeutung beigemessen.
Seit 1998 ist ein kompletter Gesundheits-Check in der Hellersen-Klinik für Sportverletzungen in Lüdenscheid obligatorisch. Die Untersuchungen werden von Dr. Ernst Jakob durchgeführt, der durch seine Arbeit mit dem deutschen Skispringer-Team berühmt geworden ist, sowie von Dr. Bernd Lasarzewski, dem Mannschaftsarzt der deutschen Frauenfussball-Nationalelf.
Talentsuche
Bereits seit einigen Jahren veranstaltet der DFB in der Sportschule in Duisburg-Wedau Talentwettbewerbe für die Verbandsauswahlmannschaften der Frauen in einer Vielzahl von Altersgruppen. Die Schiedsrichterinnen der Bundesliga müssen ein Mal pro Jahr an einem solchen Turnier teilnehmen. Alle anderen Plätze werden von weiteren talentierten Schiedsrichterinnen in Anspruch genommen, die von den Mitgliedsverbänden nominiert werden. Vertreter des DFB-Schiedsrichterausschusses und –Kontrollausschusses sind immer vor Ort, um die Schiedsrichterinnen anzuleiten, aber auch um sich einen Eindruck von ihrer Leistung zu verschaffen, um sie später eventuell in die Liste der DFB-Schiedsrichterinnen aufzunehmen.
Schiedsrichterinnen im Männerfussball
Seit der Saison 1995/96 wurden zwei Frauen regelmäßig mit der Leitung von Regionalligaspielen im Männerfussball betraut: Gertrud Regus und Christine Frai. Gertrud Regus schaffte sogar für eine Saison den Sprung in die DFB-Schiedsrichterliste der Männer und arbeitete regelmäßig als Assistentin des Zweitliga-Schiedsrichters Dr. Helmut Fleischer. So kam sie als einzige Frau in Bundesligaspielen zum Einsatz, wobei Fleischer sicherlich ein besonders guter Lehrmeister war. Leider hing sie die Pfeife kurze Zeit später aus persönlichen Gründen an den Nagel.
Nachdem vor einiger Zeit die Regionalliga in zwei Staffeln zusammengefasst wurde (vorher waren es vier), sind Christine Frai sowie einige wenige andere Frauen nun in der vierthöchsten Fussballklasse der Männer (Amateur-Oberliga) aktiv. In der Saison 2001/02 sorgte die 22-jährige Bibiana Steinhaus dafür, dass die Frauen auch in den Regionalligapartien wieder präsent sind. Aufgrund ihres Alters ist Steinhaus noch weit davon entfernt, in die Schiedsrichterliste der FIFA aufgenommen zu werden, aber sie trainiert geduldig in ihrem Regionalverband und arbeitet auf das Ziel hin, Schiedsrichterassistentin in der Ersten oder Zweiten Bundesliga zu werden.
Ein wichtiger Faktor ist hierbei, dass es in den Prüfungen keinerlei Bonuspunkte für Schiedsrichterinnen gibt, die bereits ein Männerspiel geleitet haben.