FIFA Konföderationen-Pokal

Berthold: "Wir gehören immer zu den Großen"

(FIFA.com)
Thomas Berthold on the ball
© Getty Images
  • Weltmeister 1990 spricht mit FIFA.com
  • Als FIFA-Legend zum Halbfinale gegen Mexiko eingeladen
  • "Deutschland ist immer WM-Kandidat"

Thomas Berthold, Weltmeister 1990 unter Franz Beckenbauer, wurde als eine der FIFA Legends zum Halbfinale des FIFA Konföderationen-Pokals 2017 zwischen Deutschland und Mexiko eingeladen. Im Vorfeld der Partie war er gerne zu einem kurzen Interview mit FIFA.com bereit.

Wenn Sie den deutschen Kader anschauen – hätten Sie vor dem Turnier einen Endspieleinzug erwartet?
Nein, ganz ehrlich nicht. Ich hatte keine große Erwartungshaltung, da ja viele Stammspieler nicht dabei waren. Ich freue mich aber für die Spieler, die hier sind.

Welchen Spielern trauen Sie zu, auch nächstes Jahr noch dabei zu sein?
Einige Kandidaten gehören ja sowieso schon zum Stamm und waren bei der EM dabei. Vielleicht kann sich der eine oder andere jetzt noch mal in den Vordergrund spielen. Das gibt es ja oft, dass Spieler auf den letzten Drücker noch reintruschten, etwa nach einer Bombensaison. Das spielt eine große Rolle.

Joachim Löw ist jetzt elf Jahre im Amt – wie ist Ihr Eindruck?
Er hat die Mannschaft weiterentwickelt, obwohl wir etwa bei den Außenverteidigern oder im Bereich zentraler Mittelstürmer ein paar Problemzonen haben. Früher hatten wir da viel mehr Optionen, wenn man überlegt, wie viele große Stürmer Deutschland hatte. Die letzten Jahre haben wir aber immer einen guten Nachwuchs gehabt.
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Warum ist es schwierig, Spieler für alle benötigten Positionen auszubilden?
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Früher wollte jeder im Sturm spielen… aber ich habe auch keine direkte Erklärung, warum so ein Fußballland wie Deutschland sich da schwer tut. Ich könnte mir vorstellen, dass in Zukunft auch wieder mit zwei Spitzen gespielt wird. Die taktische Entwicklung ist so, dass in den letzten Turnieren mit einer echten Spitze und einer halben Neun dahinter gespielt wurde. Wenn man gegen einen starken Gegner spielt, der auch gut verteidigt, dann brauche ich Spieler, die auch andere Optionen anbieten.

So etwas, was Lars Stindl hier gespielt hat?
Das ist für mich kein halber Neuner, ich habe da schon eine etwas andere Vorstellung. Ich meine Spieler, die viel weiter vorne spielen und dann entweder durch eine Einzelaktion oder im Zusammenspiel mit dem zentralen Spieler ein Tor machen können. Marco Reus hat Anlagen in diese Richtung, leider ist er sehr verletzungsanfällig.

Was sagen Sie als ehemaliger Verteidiger zu der Dreierkette/Fünferkette, die die deutsche Mannschaft spielt?
Der Erfolg liegt auch an der Qualität der Abwehrspieler. Habe ich drei Top-Abwehrspieler, die auch das Tempo mitbringen, kann ich auch mal auf eine Dreierkette umstellen. Ich persönlich glaube aber, dass eine Viererkette nicht so anfällig ist wie eine Dreierkette, da die vier Leute den Raum anders besetzen können.

Es hat aber auch damit zu tun, wie flexibel man spielen kann. Man kann zwar einen Plan aufstellen, aber kein Spiel komplett durchplanen. Man liegt mal zurück, dann kann man auf Dreierkette umstellen, um vorne oder im Mittelfeld mehr Druck auszuüben.

Trauen Sie Deutschland nächstes Jahr die Titelverteidigung zu?
Wir gehören immer zu den Großen. Wenn sich die WM-Historie anschaut: Mit Brasilien, Italien und uns haben drei Nationen 13 Titel geholt. Es gibt, glaube ich, keine Mannschaft, die so oft wie Deutschland im WM-Halbfinale war. Und wenn man mal im Halbfinale ist, gibt es viele Faktoren, die man nicht kalkulieren kann, insbesondere wenn es gegen Mannschaften auf Augenhöhe geht.

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