FIFA Konföderationen-Pokal

Javier Hernández – der Allrounder

(FIFA.com)
Javier Hernandez of Mexico in action
© Getty Images
  • Erst nur Torjäger, jetzt Fussballspieler
  • Wiedersehen mit Klubkollegen
  • "Wir sind hoch motiviert"

Von Martin Langer (Team-Reporter Mexiko) aus Sotschi

Als Javier Hernández nach Europa kam, beeindruckte er vor allem mit seiner Abschlussstärke. Irgendwie gelang es ihm immer, den Ball im Netz unterzubringen, auch wenn man manchmal gar nicht richtig verstand, wie er das gemacht hatte. Wenn man damals einen Fan gebeten hätte, ihn mit einem Begriff zu definieren, dann wäre das sicher "Torjäger" gewesen.

Was würde dieser Fan wohl sagen, wenn er ihn jetzt beim FIFA Konföderationen-Pokal 2017 in Russland sähe? Er ist nämlich mittlerweile zu einer Art Allrounder avanciert, der sich am Spielaufbau seiner Mannschaft beteiligt und sogar bei der Balleroberung mitwirkt. Trotzdem verfügt er noch immer über einen ausgezeichneten Torriecher und hat gegen Portugal mit einem gut getimten Kopfball einen der Treffer erzielt.

Wie kam es zu diesem Wandel bei Chicharito? Vor der mit Spannung erwarteten Halbfinalbegegnung mit Deutschland erklärt er selbst es uns: "Das war fast schon eine Frage des Überlebens."

Maximale Anpassung
Sollten Sie 90 Minuten Zeit haben, so laden wir Sie herzlich ein, sich die Partie Mexiko gegen Portugal noch einmal anzuschauen und sich auf den mexikanischen Linksaußen zu konzentrieren, ohne auf seine Rückennummer, seinen Namen und Vornamen zu achten. Sie werden einen kompletten Spieler vorfinden, der 75 Prozent seiner Pässe erfolgreich abschließt, wenige Minuten vor dem Abpfiff noch 80 Meter zurückläuft, um den Ball zu erobern, und genau im richtigen Moment auf der Mittelstürmerposition im Strafraum auftaucht, um einen Treffer zu erzielen.

Das ist der neue Chicharito** Hernández. "Kein Torjäger, sondern ein Fussballspieler", so seine eigenen Worte. Nach dieser Beschreibung erklärt uns die Nummer 14 des mexikanischen Teams, dass dieser Wandel einige Jahre gedauert und sich fast automatisch ergeben hat. "Ich habe von den besten Trainern der Welt gelernt, dass ein Spieler sich an unterschiedliche Umstände anpassen und davon profitieren muss."

Das kann doch aber nicht alles sein. Wir bitten den Stürmer, diesen Punkt etwas näher auszuführen, und nach seiner Erklärung sind alle Zweifel beseitigt. "Bei all meinen Klubs habe ich mich bemüht, mich an die Bedürfnisse des Teams anzupassen. Es war keine wirklich geplante Veränderung, sondern ich wollte mich dort, wo ich gerade war, profilieren. Ich bin nicht der Größte, nicht der Stärkste und vielleicht auch nicht der Schnellste. Also muss ich andere Wege finden, um mich von anderen abzuheben. Das ist fast schon eine Frage des Überlebens."

Der richtige Zeitpunkt
Der Wandel Chicharitos kommt gerade zur rechten Zeit. Am Donnerstag tritt Mexiko im Halbfinale des Turniers der Champions gegen Deutschland an, ein Land, das der Stürmer nur zu gut kennt, da er in den letzten beiden Spielzeiten bei Bayer Leverkusen aktiv war. Daher gibt es kaum jemanden, der besser geeignet wäre als er, die bevorstehende Partie zu analysieren.

"Natürlich ist es sehr schön und etwas ganz Besonderes, gegen das Land anzutreten, das jetzt mein Zuhause ist. Das gilt allerdings nicht nur für mich, sondern für die gesamte mexikanische Auswahl. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag die Chance, gegen den Weltmeister anzutreten, noch dazu mit der Möglichkeit auf einen Finaleinzug. Wir sind hoch motiviert", meint Hernández.

Wenn man nach der Vergangenheit geht, dürfte die Partie für Mexiko allerdings ausgesprochen knifflig werden. Von den zehn Partien, die Mexiko gegen Deutschland bestritten hat, konnte El Tri nämlich nur eine einzige gewinnen. Diese Tatsache beschert Chicharito jedoch keinesfalls schlaflose Nächte. Stattdessen erklärt er uns, dass sein Team ganz ohne Angst an die Sache herangeht. "Der Fussball ist schön, weil vergangene Ereignisse ins Gegenteil verkehrt werden können. Wir werden den Takt angeben und unsere Spielweise nicht ändern. Natürlich wollen wir unsere Fehler abstellen, doch mit unserem Offensivspiel haben wir bisher gute Ergebnisse erzielt. Warum sollten wir daran also etwas ändern?"

Mutig und angriffsorientiert. So will El Tri gegen den Weltmeister auftreten. Wir wollten wissen, welche Rolle Chicharito dabei spielen wird. Stürmer, Linksaußen, Allrounder? "Ich möchte Fussball spielen, so lange wie möglich und von Beginn an", erklärt er gut gelaunt. "Auf welcher Position? Das ist mir völlig egal! Außerdem erklärt uns der Trainer seine Vorstellung und macht sie uns verständlich. Alles wird einfacher, wenn man seiner Argumentation folgt. Daher werde ich zufrieden sein, wo auch immer er mich einsetzt."

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