FIFA Konföderationen-Pokal

Pizzi meistert die Herausforderung

(FIFA.com)
Manager Juan Antonio Pizzi of Chile
© Getty Images

Juan Antonio Pizzi war sich der Größe der Herausforderung bewusst, als er die Leitung der chilenischen Nationalmannschaft übernahm. Sein Vorgänger Jorge Sampaoli hatte die Latte recht hoch gesetzt. La Roja gewann unter ihm bei der Copa América 2015 den ersten internationalen Titel und entwickelte einen unverwechselbaren Stil.

Pressing, Dynamik und vertikales Spiel waren die Markenzeichen des chilenischen Teams, aber vor allem der Glaube der Spieler an sich selbst, dass sie jedem Gegner auf Augenhöhe begegnen können. Die goldene Generation Chiles hatte gelernt, sich erfolgreich mit den Stärksten zu messen.

So ist es kein Wunder, dass Pizzi zu Beginn argwöhnisch beäugt wurde. Von seinen Schützlingen, aber auch von den zunehmend erfolgsverwöhnten Anhängern. Er hatte in ihren Augen nicht nur darauf zu achten, keine Beule in den Ferrari zu fahren, sondern auch noch dafür zu sorgen, dass er weiter Rennen gewinnt. Sieben Monate nach seinem Amtsantritt kann er dank des Triumphs bei der Copa América Centenario von sich behaupten, die Prüfung mit Auszeichnung bestanden zu haben.

"Wir wussten, dass die Erwartungen riesig waren, denn um mit dem gleichzuziehen, was erreicht worden ist, mussten wir den Titel gewinnen", sagte der Trainer nach dem Sieg im Elfmeterschießen gegen sein Geburtsland Argentinien. "Die Wahrscheinlichkeit, dieses Ziel nicht zu erreichen, war sehr hoch. Doch ich kam zu einem Team, das man nicht hoch genug schätzen und bewundern kann. Ich hoffe, dass wir gemeinsam weiterarbeiten können."

Auf den Grundlagen aufbauen
Der Weg war nicht ohne Hindernisse. Es gab Viele, denen die Titel, die Pizzi in Chile mit Universidad Católica und in Argentinien mit San Lorenzo geholt hatte, oder seine gute Arbeit in der spanischen Liga mit Valencia oder beim mexikanischen Club León gleichgültig waren.

Er tat gut daran, bei seiner Vorstellung sein eigenes Revier abzustecken: "Das jüngere Vorgehen war davon geprägt, die Initiative zu ergreifen, und wir werden versuchen, diesen Weg fortzuführen. Aber innerhalb dieser übereinstimmenden Struktur werden wir dem Spiel unseren eigenen Stempel aufdrücken und unsere Prägung geben", sagte er am 5. Februar.

Eine Prägung, die von der "Schule des FC Barcelona" beeinflusst ist. Er absolvierte seine Trainerkurse in Spanien an der Seite von Pep Guardiola und Luis Enrique, mit denen er drei Jahre lang bei Barça zusammenspielte.

"Ich freue mich sehr, dass er eine so große Herausforderung angenommen hat. Guten Leuten muss es gut ergehen", sagte Guardiola. "Er ist mehr als geeignet, um die chilenische Nationalelf zu leiten und vertritt eine Philosophie des Ballbesitzes und spielerischen Dominanz. Er ist eine gute Wahl", urteilte Luis Enrique.

Die ersten Schritte
Pizzi erwies sich als weniger radikal als Sampaoli und zeigte die Bereitschaft, das Spielsystem aufbauend auf dieser Philosophie anzupassen, wie er dies jüngst bei der Copa América getan hat. Doch zunächst war dafür keine Zeit, da der Doppelspieltag der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ seine ganze Aufmerksamkeit erforderte.

Das Debüt gegen Argentinien in Santiago ohne Charles Aránguiz, Jorge Valdivia oder Eduardo Vargas versprach eine knifflige Aufgabe zu werden. Und noch vor der 20. Minute verlor er verletzungsbedingt sein Mittelfeld-Duo Marcelo Díaz und Felipe Gutiérrez, Letztgenannter der Schütze zum 1:0. Das Team konnte das Ergebnis nicht halten. Nach diesem 1:2 kamen die ersten Kritiken.

Die Rückkehr von Arturo Vidal und die Nominierung von Mauricio Pinilla als Mittelstürmer, um Alexis Sánchez wieder auf dem Flügel einsetzen zu können, waren entscheidende Schachzüge für das folgende 4:1 gegen Venezuela. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um unser Ziel zu erreichen", stellte er an jenem Tag dennoch klar.

Die Handschrift Pizzis wurde erstmals deutlich, als er die Kaderliste für die Copa América Centenario in den USA bekanntgab. Er holte weniger bekannte Spieler ins Team, die aber bei ihren jeweiligen Klubs gute Leistungen gezeigt hatten, wie Edson Puch, Nicolás Castillo, Enzo Roco oder Erick Pulgar. Keiner von ihnen war in Chile 2015 dabei gewesen.

Er überraschte zudem mit dem Einsatz eines Spielers nach seinem Geschmack, dem vielseitigen José Pedro Fuenzalida, den er als Außenverteidiger, Mittelfeldspieler oder Flügelstürmer einsetzte. Fuenzalida hatte bei der vorherigen Copa América keine Minute gespielt, ließ die Zweifler aber schon bald verstummen.

Mit diesen Neuerungen erlitt sein Team in der Vorbereitung Niederlagen gegen Jamaika und Mexiko, wodurch sich die Kritiker bestätigt sahen. Denn bis dahin waren weder das schöne Spiel noch Tore zu sehen. Der vorläufige Tiefpunkt wurde beim Auftaktspiel in den USA erreicht, als das Team erneut 1:2 gegen Argentinien unterlag.

Die Handschrift des Trainers
Aber dies war auch der Moment, in dem der Trainer dem Geschehen seinen Stempel aufdrückte. Zunächst verteidigte er vehement seinen Torwart und Kapitän Claudio Bravo, der ein schwaches Debüt gezeigt hatte, und beseitigte jeden Zweifel an seiner Rolle als Nummer eins. Am Ende avancierte Bravo im Halbfinale gegen Kolumbien und im Endspiel gegen Argentinien zum entscheidenden Akteur.

Im taktischen Bereich bewies er Flexibilität. Er scheute sich nicht, in der zweiten Partie gegen Bolivien zum vertrauteren 4-3-3 zurückzukehren, und ließ das 4-2-3-1-System der Auftaktbegegnung in der Schublade, bis er im Finale mit dieser Taktik wieder erfolgreich die Kreise von Lionel Messi einschränkte. Er probierte sogar ein 3-4-1-2.

Außerdem vermied er jeden Starrsinn. Als sich auf dem Platz erwies, dass Sánchez auf dem Flügel mehr beitragen konnte als in der Sturmmitte, baute er die Offensive um. "Wir werden im Angriff irgendwann die Lösung finden", versprach er vor der Begegnung mit Panama.

Er hielt sein Versprechen. Mit Vargas als Mittelstürmer, flankiert von Sánchez und Fuenzalida, konnte sich auch Vidal besser entfalten. Die Einzelteile griffen besser ineinander, und es folgte ein hoher Sieg gegen Panama und die Demütigung Mexikos – mit Puch auf dem rechten Flügel. Im Halbfinale wurde Kolumbien bezwungen.

Im Finale gegen Argentinien brachte den Coach nicht einmal der frühe Feldverweis von Díaz aus der Ruhe. Pizzi sortierte seine Mannschaft neu, ohne eine Wechselmöglichkeit zu vergeuden. Sein Plan, dem Gegner mit breitem Spiel das Heft aus der Hand zu nehmen und Messi zu isolieren, ging auf. Gleichzeitig blieb sein Team in der Offensive gefährlich. Dass die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen musste, spricht eher für ein Kräftegleichgewicht als für mangelnde Initiative.

Als Sieger schließlich vermied Pizzi jede Selbstgefälligkeit. "Ich bin zufrieden. Alle Dinge, die ich als Fussballer und Trainer erreicht habe, haben mir viel Opferbereitschaft abverlangt. Ich habe, und das wird wohl so bleiben, mehr Enttäuschungen als Freuden erlebt. Deshalb versuche ich, es besonders zu genießen, wenn ich einmal der Gewinner bin. Ich verpflichte mich, weiter hart zu arbeiten."

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