Confed Cup 2013

Neymar: "Ein gigantischer Erfolg"

(FIFA.com)
Neymar of Brazil poses with the trophy and his adidas Golden Ball and Bronze boot awards in the dressing room
© Getty Images

Der FIFA Konföderationen-Pokal hat insgesamt gerade einmal zwei Wochen gedauert, aber für Neymar schien es ein halbes Leben gewesen zu sein. Oder besser gesagt: In dieser kurzen Zeit wurde aus einer angespannten Situation voller Unsicherheiten eine ganz neue Lage, in der er sich nun vieler Dinge absolut sicher sein kann.

Vor einigen Wochen konnte man in Brasilien den Eindruck gewinnen, dass es fast zum Volkssport geworden war, Neymar mit Buhrufen zu belegen und seine Fähigkeiten in Zweifel zu ziehen. Da war zunächst einmal die Fangemeinde seines Klubs FC Santos, für den er sein ganzes Leben lang aktiv gewesen war und mit dem er drei Mal die Meisterschaft des Bundesstaates São Paulo, ein Mal den brasilianischen Pokalwettbewerb und ein Mal die Copa Libertadores gewonnen hatte. Die Fans stellten seine Auftritte in einem Team in Frage, das sich gerade nicht in Hochform präsentierte. Selbst am Tage seines letzten Spiels für Santos im Estádio Nacional Mané Garrincha in Brasília wurde Kritik laut.

Dann kündigte der 21-Jährige seinen Wechsel zum FC Barcelona an und stieß zur brasilianischen Seleção. Selbst beim letzten Freundschaftsspiel vor dem Konföderationen-Pokal, einem 3:0-Sieg gegen Frankreich, hörte man noch Buhrufe und Kritik. Egal, wie viele gute Aktionen der Nachwuchsspieler auf dem Spielfeld auch brachte und wie viele Siege er auch holte, es schien immer zu wenig zu sein. Es hieß, er müsse noch viel beweisen, insbesondere im Nationaltrikot.

Wenn sich bei diesem Turnier eines herausgestellt hat, dann sicherlich, dass Brasilien auf Neymar zählen kann. Von dem wunderschönen Treffer in der dritten Spielminute der Auftaktpartie gegen Japan im Mané Garrincha bis zu einem weiteren Supertor mit links und einem hervorragenden Auftritt beim epischen Sieg gegen Spanien wurde die Neuverpflichtung des FC Barcelona den hohen Erwartungen mehr als gerecht und spielte eine entscheidende Rolle. Am Ende wurde Neymar als bester Spieler des Turniers mit dem Goldenen Ball von adidas ausgezeichnet. Er startete mit einem bestimmten Image ins Turnier und ging mit einem völlig anderen daraus hervor.

Das war ein Schritt, dessen Tragweite auch er selbst noch gar nicht richtig einschätzen kann. Im Exklusiv-Interview mit FIFA.com, das wir direkt nach dem 3:0-Sieg im Maracanã-Stadion führten, betont er immer wieder, dass es sich bei all dem keinesfalls um eine Einzelleistung handelt.

Neymar, haben Sie schon eine Vorstellung davon, was es für Ihre Karriere bedeutet, dass Sie mit der Seleção vor heimischem Publikum ein solches Turnier abgeliefert haben?
Soll ich ehrlich sein? Nein, keine Ahnung… Ich kann das Ausmaß des Ganzen gar nicht abschätzen. Ich weiß nur, dass es sehr wichtig war, diesen Titel zu holen. Das ist für die Mannschaft ein gigantischer Erfolg, und wir sind sehr glücklich darüber, dass wir das hier erleben dürfen. Das war ein ganz großes Fussballspiel zwischen Brasilien und Spanien, eines, bei dem die Welt innegehalten hat, um zuzuschauen. Wir wissen, dass wir ein tolles Spiel abgeliefert haben.

Hätten Sie sich vor zwei Wochen vorstellen können, dass das Team den Titel holen und dass alles so optimal laufen würde?Ehrlich gesagt nicht [lacht]. Ich habe gerade eben mit meinen Teamkameraden in der Kabine darüber gesprochen, dass einfach alles ineinandergreift, dass es in allen Aspekten super läuft. Ich bin sehr glücklich darüber, dass diese Sache einen so guten Abschluss gefunden hat, mit unserer bisher besten Leistung überhaupt.

Hat das Tor in der Anfangsphase der Partie gegen Japan den Stein ins Rollen gebracht, da Sie damit den Kritikern gleich den Wind aus den Segeln genommen haben?[Lacht] Also, ich habe mir darüber überhaupt keine Sorgen gemacht. Ich habe nicht gedacht, ich müsse gut spielen, damit man nicht mehr [negativ] über mich spricht. Nein. Ich wollte meinen Mannschaftskameraden so gut ich konnte helfen. Mit einem Foul, einem Pass, einem Tor... An diesem Tag habe ich dem Team mit meinem Treffer in der dritten Spielminute geholfen. Ich weiß, dass dieses Tor wichtig für die Mannschaft war. Letztendlich ist es das, worauf es ankommt: einen Beitrag zum Sieg zu leisten.

Im Finale haben Sie dem Team auf vielfältige Weise geholfen, unter anderem mit einem Tor, für das viel Selbstbewusstsein nötig war. Da auf der anderen Seite kein Raum war, haben Sie nicht gezögert und mit links geschossen. Das war in diesem Turnier schon der zweite Treffer mit dem vermeintlich schwächeren linken Fuß...Ich habe immer viel, wirklich sehr viel Schusstraining mit links und rechts gemacht. Schon als ich noch klein war, hat mir mein Vater immer wieder gesagt: 'Du kannst dir den Fuß nicht aussuchen. Wenn der Ball auf links kommt, schieß mit links; wenn er auf rechts kommt, schieß mit rechts." Ich glaube, diese Lektion habe ich gelernt. *[Lacht] *Dieser Ball kam auf links, und ich hatte das Glück, das der harte Schuss gepasst hat.
Haben Sie viele Glückwünsche von zukünftigen Vereinskameraden bekommen?Ja, das habe ich. Ich habe mich sehr darüber gefreut, weil das Spieler sind, die ich bewundere und respektiere. Bald werde ich die Ehre haben, an ihrer Seite zu spielen.

Und sind das Spieler, die jetzt auch mehr Respekt vor Ihnen haben?[Lacht] Ah, nein… Ich glaube, sie respektieren mich wie alle sich in großen Mannschaften gegenseitig respektieren.

Ohne die Aussage Neymars in Zweifel ziehen zu wollen, muss man nur einen Blick zurück werfen, und eines wird klar: Nach diesem FIFA Konföderationen-Pokal wird man dem Spieler mit der Rückennummer zehn mit Sicherheit viel mehr Respekt entgegenbringen als vor dem 15. Juni – ob ihm das nun wichtig ist oder nicht.

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