Confed Cup 2013

Der Eroberungsfeldzug von David Luiz

(FIFA.com)
David Luiz of Brazil is congratulated by fans
© Getty Images

David Luiz ist eine auffällige Gestalt auf dem Platz, wenn er mit dem Ball am Fuß über das Spielfeld rennt oder ihm hinterherjagt und dabei seine lange Mähne schüttelt. Beim FIFA Konföderationen-Pokal Brasilien 2013 hatte der Innenverteidiger jedoch noch wesentlich mehr zu bieten. Die Auswirkungen seines bedingungslosen Einsatzes waren deutlich zu erkennen, als er sich nach dem beeindruckenden Sieg gegen Spanien in den Katakomben des Maracanã-Stadions zum Interview einfand. 

Er humpelte leicht, hatte ein kleines Hämatom unter dem linken Auge, einen Nasenbeinbruch und Hose, Stutzen und Strümpfe waren mit Grasflecken übersäht. Er sah aus, als käme er gerade von einem Schlachtfeld. Allerdings hat er durch seinen Einsatz auch viel gewonnen, nämlich den Titel und die bedingungslose Anerkennung seiner Landsleute, die am Ende von den Tribünen unisono seinen Namen riefen. "Das war auf jeden Fall bewegend", erklärt er gegenüber FIFA.com. "Das ist so: Ich versuche auf dem Platz einfach, dass Unmögliche möglich zu machen, um diese Leute glücklich zu machen. Wir alle wussten, dass wir in diesem Turnier eine große Chance hatten."

Wieder zu Hause
Das David Luiz sich vorher in Brasilien noch keinen Namen machen konnte, hat seinen Grund. Es hat vor allem etwas mit den Umständen im Fussball zu tun und damit, dass die Spieler oftmals verschlungene Wege gehen müssen, bis der große Augenblick gekommen ist, zu Hause das Trikot der Seleção überzustreifen.

Der vielseitige Abwehrspieler, der gebürtig aus Diadema stammt, spielte zunächst in der Nachwuchsabteilung des FC São Paulo und wechselte dann zu Vitória in Salvador de Bahia. Dort gab er 2006 auch sein Debüt als Profi. In dieser Saison machte der Klub, der 1993 brasilianischer Vizemeister und 2010 Zweiter der Copa do Brasil wurde, allerdings eine Schwächephase durch und spielte in der Série C. Als er dann 2007 zu Benfica wechselte, hatte er noch nicht ein Mal gegen die brasilianische Elite gespielt. "Ich bin sehr früh weggegangen, aber ich habe nie aufgehört, Brasilianer und Patriot zu sein, und immer versucht, Brasilien im Ausland einen guten Namen zu machen", meint er.

David Luiz wechselte im Alter von 19 Jahren nach Lissabon. Allerdings dauerte es etwas, bis er sich durchsetzen konnte. 2010 war er dann bereits ein absolutes Aushängeschild von Benfica und wurde zum besten Spieler der portugiesischen Liga gewählt. Nach einer weiteren Saison wechselte er zum FC Chelsea, wo er sofort erfolgreich war. Damals wurde er bereits regelmäßig in die Seleção berufen. Das Team nahm zu der Zeit jedoch an keinem offiziellen Wettbewerb teil, so dass das Publikum ihn erst beim FIFA Konföderationen-Pokal richtig willkommen heißen konnte.

Egal wieDavid Luiz war bereit, es allen zu zeigen, komme, was da wolle. Gegen Mexiko bekam er bei einem Zusammenstoß mit seinem Teamkameraden Thiago Silva einen Schlag ins Gesicht und musste für einige Minuten den Platz verlassen. Die Blutung musste erst zum Stillstand gebracht werden. Im dritten Spiel gegen Italien hatte er Pech: Nach einem Schlag ans Bein musste er ausgewechselt werden und machte für Dante Platz. Im Halbfinale gegen Uruguay kehrte er dann allerdings ins Team zurück, nur um sich besagtes Hämatom unter dem Auge zu holen. All dies zeugt von seinem bedingungslosen Einsatz auf dem Spielfeld.

Besonders schön zu sehen war dies bei dem Spielzug, der bereits in die Geschichte des "Festivals der Meister" eingegangen ist, als er nach einem spanischen Konter ein sicheres Tor von Pedro verhinderte. Der Ball war bereits an Julio Cesar vorbei, aber der Verteidiger sprintete los, um ihn noch zu erwischen und schlug ihn dann auch noch mit Präzision weg. Dabei nahm er das Risiko in Kauf, ihn ins eigene Netz zu befördern. Das war die Aktion, nach der die Fans seinen Namen riefen, und mit der er gleichzeitig eine Schuld beglich. Im Duell gegen Uruguay hatte er nämlich mit einem Foul an Diego Lugano einen Elfmeter verursacht. Diego Forlán trat an, aber der brasilianische Torwart hielt.

"Ich konnte mich bei Julio Cesar für das revanchieren, was er für mich getan hatte. Ich konnte dem Team mit einer großen Abwehraktion helfen, und zwar in einem Augenblick, indem es für uns sehr schwer geworden wäre, wenn wir den Treffer kassiert hätten. Dann hätten sie [die Spanier] das Spiel an sich gerissen", meint der Innenverteidiger. Er gehört zu den großen, schnellen und athletischen Spielern, bei denen man manchmal übersieht, dass sie auch am Ball ausgesprochen versiert sind.

Um ein Beispiel zu nennen: Beim ersten Treffer Brasiliens gegen Spanien konzentriert man sich automatisch zunächst auf Fred, wenn man sich die Wiederholung anschaut. Schließlich lag dieser schon am Boden und fand doch noch einen Weg, den Ball ins Tor zu befördern. Aber einige Sekunden vorher kann man sehen, dass der Spielzug mit David Luiz begann, der den Ball aus der Abwehr heraus mit seinem schwächeren linken Fuß zu Hulk beförderte, der anschließend die Hereingabe in den Strafraum besorgte. Der Pass war so präzise, dass man den Abwehrspieler durchaus für beidfüßig halten könnte.

Einmal abgesehen von seinem Geschick und seinem Einsatz bei der Balleroberung sind es solche Spielzüge sowie seine sympathische Haltung den Fans gegenüber und seine große Aktivität in sozialen Netzwerken, die ihm so viel Charisma verleihen. In sozialen Netzwerken veröffentlichte er nach seinem Naseneingriff täglich Fotos und Fortschrittsmeldungen, und den Fans gibt er immer wieder bereitwillig Autogramme oder lässt sich mit ihnen fotografieren. Dank dieser Eigenschaften ist es ihm leicht gefallen, eine Fangemeinde für sich einzunehmen, die sich erst noch an seinen Stil und seine Spielweise gewöhnen musste. Letztendlich war es aber auch genau umgekehrt, und die Fans haben ihn für sich eingenommen: "Das Privileg zu genießen, dass ein ganzes Stadion meinen Namen ruft, und dass es dann auch noch die eigenen Leute sind, das ist ohne Zweifel fantastisch", meint er. "Das ist unvergesslich."

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