Zwei brasilianische Spieler liegen am Boden und geben immer noch alles – auf zwei verschieden Seiten des Spielfeldes. Der erste ist Fred. In Bauchlage versucht er, einen Ball zu erreichen, der schon verloren zu sein schien – und erzielt ein weiteres Blitztor für die Seleção. Auf der anderen Seite liegt einige Minuten später David Luiz ebenfalls lang auf dem Boden, allerdings auf dem Rücken, ganz nah am Pfosten des brasilianischen Tors, wo er soeben mit einer Glanztat den Ausgleichstreffer verhindert hat.

Das waren zwei ganz entscheidende Szenen beim klaren Sieg Brasiliens gegen Spanien an diesem Sonntag im Maracanã-Stadion. Sie brachten dem Team den Sieg im FIFA Konföderationen-Pokal 2013. Diese beiden Szenen sind ein Paradebeispiel für das, was jeder Trainer gern von seiner Mannschaft sehen würde: Keinen Ball verloren zu geben. Das ist eigentlich eine der grundlegenden Lektionen im Fussball, aber es ist nicht immer leicht oder möglich, sie umzusetzen. Und doch ist sie so viel wert.

Das gilt einerseits, wenn der Verteidiger alles daran setzt, die Gefahr abzuwenden. "Es geht einfach darum, irgendwie zu verhindern, dass der Ball ins Tor geht. Das habe ich versucht", erklärt David Luiz im Gespräch mit FIFA.com, die Hose und die Stutzen voller Grasflecken. Das gilt aber ebenso, wenn der Stürmer genau das gegenteilige Ziel verfolgt, nämlich den Ball im Tor unterzubringen. "Man muss daran glauben", meint Fred, ebenfalls im Exklusiv-Interview mit FIFA.com. Solche Szenen sind wunderbar, sie zeigen, wie wir über uns hinausgewachsen sind."

In Bauchlage
Die Schützlinge von Luiz Felipe Scolari haben definitiv an sich geglaubt, als sie im Maracanã aufgelaufen sind. Und an Einsatz und dem Willen, um jeden Ball zu kämpfen, hat es ihnen auch nicht gemangelt. Nur so konnte es auch gelingen, den amtierenden Weltmeister und zweimaligen Europameister vom Thron zu stoßen. Am Ende hatten die Spanier, die daran gewöhnt sind, die absolute Kontrolle über ihre Spiele zu haben, nur vier Prozent mehr Ballbesitz zu verzeichnen (52 zu 48 Prozent, sehr selten in Begegnungen mit spanischer Beteiligung).

Dies war nur möglich, weil Fred die Seleção bereits nach weniger als zwei Minuten mit einer entscheidenden Aktion in Führung brachte. Hulk lieferte die Hereingabe von rechts, und der Mittelstürmer lauerte an der Seite von Neymar vor dem Tor. Auch Gerard Piqué und Alvaro Arbeloa hatten sich am langen Pfosten postiert. Und von hier an lassen wir am besten den Torschützen selbst berichten. Obwohl ein ziemliches Chaos herrschte und er keine Gelegenheit hatte, sich das Ganze in der Kabine des Maracanã noch einmal auf Video anzuschauen, kann der Torjäger den Ablauf genau beschreiben.

"Das ging alles ganz schnell. Ich war mit dem Kopf am Ball, aber ich habe ihn nicht richtig erwischt. Ich bin mit Piqué zusammengeprallt. Im Fallen habe ich dem Ball nachgeschaut, und auf einen Abpraller gelauert. Der Ball traf Neymar, die Hand von Álvaro Arbeloa und dann kam ich dran. Ich habe am Boden gelegen und ihn ins Tor befördert", berichtet er. "Selbst im Fallen, wenn man nicht mehr viel Kraft hat, muss man aufmerksam bleiben. Glücklicherweise kam ich dran und konnte ihn über Casillas lupfen. Das war wirklich schwierig. Ich musste den Fuß unter den Ball bekommen, damit er rein ging."

David Luiz berichtet aus der Perspektive des Abwehrspielers. "Ich habe daran geglaubt [dass er das Tor noch machen könnte], weil ich ihn kenne und weiß, wie kämpferisch er ist und dass er nie aufgibt. Das ist ein echter Torjäger. Selbst auf dem Bauch liegend bringt er den Ball noch im Tor unter", meint er lachend.

Auf dem Rücken
Zwischenzeitlich hatte Brasilien einige Chancen vergeben, und Spanien war auf dem Vormarsch und übernahm im Offensivbereich langsam die Kontrolle über die Partie. Dann kam es 39 Minuten nach Freds Aktion zu folgender Szene. Die Spanier konterten und kamen dem Ausgleichstreffer immer näher. Juan Mata kam über die linke Seite, schaltete die gegnerische Abwehr aus und gab auf den von rechts hereinlaufenden Pedro ab. Der Angreifer von Barça brachte den Ball unter Kontrolle und schoss aufs Tor, Julio Cesar war bereits geschlagen. Das 1:1 schien unvermeidlich zu sein, als David Luiz im letzten Moment mit einer Grätsche an den Ball kam und klären konnte.

Dabei war nicht nur seine Schnelligkeit beeindruckend, die ihn den Ball noch erreichen ließ, sondern auch die Geschicklichkeit, mit der er ihn noch über das Tor lenkte. In dieser Szene war der bedingungslose Einsatz von größter Bedeutung, aber David Luiz hebt noch einen weiteren Aspekt hervor. Es galt vor allem, schnell zu begreifen, was in diesem Moment vor sich ging. "Es hatte eher etwas mit dem 'Lesen' des Spiels zu tun", meint er. "Als ich sah, wie Pedro den Ball von Mata bekam, wusste ich, dass er versuchen würde, am Torwart vorbei zu schießen und dass Julio Cesar versuchen würde, den Winkel zu seiner rechten zu schließen. Ich kenne ihn sehr gut und habe schon bei vielen Gelegenheiten gesehen, dass er ein hervorragender Spieler ist. Daher wusste ich, dass er den Ball so spielen könnte. Ich habe das Spiel in diesem Moment richtig gelesen und konnte deshalb klären."

Als die beiden in der Pause in Richtung Kabine gingen, wechselten sie einige Worte miteinander. Der brasilianische Verteidiger offenbart uns, dass er genau das seinem Gegenspieler erzählt hat, der ihm gegenüber seine Bewunderung für die Aktion zum Ausdruck brachte. Nun ist es an Fred, aus der Perspektive des Beobachters zu berichten. "Für uns war das ein Tor. Alle drehten sich schon um und wollten feiern, beglückwünschten ihn", meint er. "Da sieht man einmal, wie das ist. Alle müssen immer hochkonzentriert bleiben. Der Stürmer, weil immer mal ein loser Ball auftauchen kann, und der Abwehrspieler, weil er bis zum Ende immer noch die Möglichkeit hat, ein Gegentor zu verhindern."