In Frankreich anerkannt, im Rest der Welt eher unbekannt: Marama Vahirua ist in Tahiti ein wahrer Star. Er ist der einzige Spieler des Inselstaates, der es zum Profifussballer gebracht hat. Der in Papeete geborene Akteur ist seit seinem Debüt beim FC Nantes 1998 der ganze Stolz seines Volkes. Vahirua, der heute für den griechischen Klub Panthrakikos FC stürmt, hat sich diese Zuneigung indes redlich verdient, denn er machte seinem Geburtsland stets alle Ehre. Jedes Tor, das der kleine Angreifer (1,72 Meter) im Verlauf seiner Karriere erzielte, nutzte er stets für eine Hommage an sein Land.

Denn Vahirua vollführte 91 Mal in 14 Jahren in der Ligue 1 einen berühmten Torjubel: mit einem Knie auf dem Boden und zwei angedeuteten Paddelschlägen. Eine Geste, die für den Stürmer eine symbolträchtige Bedeutung hat. Als Kind träumte er davon, Surfer zu werden, und bis heute nimmt er gerne mit seinen alten Freunden an Einbaum-Rennen teil. "Ich habe aus dem Paddel ein Symbol für mein Land gemacht. Wenn ich diese Geste nach einem Tor mache, ist das für mich die Gelegenheit, mein Land zu grüßen, ganz einfach", erzählte der Stürmer im Gespräch mit FIFA.com. "Und es ist auch mein Markenzeichen geworden!"

Und diese Marke ist ein wahrer Exportschlager. Nach Stationen in Nantes, OGC Nizza, FC Lorient, AS Monaco und AS Nancy, nach dem Gewinn des französischen Pokals 2000 und der französischen Meisterschaft 2001 entschloss sich Vahirua letzten Sommer im Alter von 32 Jahren, sein Glück in Griechenland zu versuchen. Und er hat es nicht bereut. "Ich bin sehr glücklich, ich habe wirklich eine gute Entscheidung getroffen, hierher zu kommen", freute er sich. "Was das Klima betrifft, ähnelt Griechenland eher Tahiti, auch wenn ich in dieser Hinsicht im schlechtesten geographischen Teil lebe", sagte er scherzhaft.

Seine unermüdliche Aktivität im Angriff, die sich in fünf Toren und mehreren Vorlagen niederschlug, könnte am Ende ein wichtiger Beitrag für den Aufsteiger sein, um sich in der Elite zu halten. "Das technische und taktische Niveau ist schwächer als in Frankreich, doch hier spielt man, um zu gewinnen. Das Spiel ist viel offener", analysierte er. "Auf jeden Fall paddle ich weiter! Dank dessen kennt Griechenland mein Land nun ein bisschen besser!"

Schon bald übrigens wird kaum jemand in der Fussballwelt sagen können, den fussballerischen Reichtum Tahitis nicht zu kennen. Nach dem sensationellen Gewinn des OFC Nations Cup vor einem Jahr qualifizierten sich die Toa Aito (Feuerkrieger) für den FIFA Konföderationen-Pokal 2013, der vom 15. bis 30. Juni in Brasilien stattfindet. Und Vahirua, der bisher stets seiner Profikarriere den Vorrang gab und noch kein Länderspiel bestritten hat, rechnet dieses Mal fest damit, an dem Ereignis teilzunehmen. "Wenn alles gut läuft, sollte ich mit von der Partie sein. Auf jeden Fall hoffe ich das von ganzem Herzen", verriet er.

Die Möglichkeiten einer Insel
"Für ein Land wie unseres ist das eine riesige Chance. Es ist die einzigartige Gelegenheit, das Niveau unseres Fussballs und des Sports allgemein weiter zu verbessern. In Tahiti arbeiten Viele seit Jahren daran. Wir entwickeln uns. Dieser Wettbewerb wird es uns ermöglichen, einen weiteren Schritt zu machen. Es ist die Gelegenheit, zu zeigen, dass sich der tahitianische Fussball nicht auf seine Inseln beschränkt, sondern darüber hinaus blickt", fuhr Vahirua fort. "Mit harter Arbeit kann man es schaffen, Profi zu werden. Ich wünsche den tahitianischen Spielern alles Glück. Und der Konföderationen-Pokal ist eine offene Tür in die Profi-Welt."

Vahirua selbst erhielt die große Chance, in Frankreich entdeckt zu werden, anlässlich des französischen Pokalwettbewerbs. Er konnte in einem Pokalspiel seines damaligen Klubs AS Pirae für Aufmerksamkeit sorgen und trat in der Folge dem prestigereichen Ausbildungszentrum des FC Nantes bei, wo er schon bald den Spitznamen Tahiti Goal erhielt. Fünfzehn Jahre später ruhen bei der ersten Teilnahme Tahitis am Festival der Champions alle Hoffnungen auf ihm. Doch das empfindet er nicht als belastenden Druck. "Ganz im Gegenteil, es ist ein positiver Druck. Es ist das erste Mal in der Geschichte des tahitianischen Fussballs, dass wir uns für einen solchen Wettbewerb qualifizieren. Die Menschen erwarten natürlich eine Menge von mir. Doch der Fussball wird zu elft gespielt, und dazu kommen noch die Ergänzungsspieler! Es ist nicht so, dass ich alleine für Sieg oder Niederlage der Mannschaft sorgen werde!"

Die Tahitianer werden es in Gruppe B mit Spanien, Uruguay und Nigeria zu tun bekommen, und Vahirua und seine Mitstreiter machen sich keine falschen Hoffnungen: "Wir müssen realistisch sein. Wir sind eine Amateur-Mannschaft im wahrsten Sinne des Wortes. Wir können mit diesen Teams nicht konkurrieren. Doch es wird Teil des Lernprozesses sein. Wie soll man sich weiterentwickeln, wenn man nicht auf solche Mannschaften trifft? Es ist ein Sprungbrett für den tahitianischen Fussball, und das ist sehr gut", fasste er zusammen.

Außerdem wird Tahiti schon bald Gelegenheit haben, sich auf der internationalen Bühne zu revanchieren. Als Gastgeber der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft 2013 (18.-28. September) werden die Tiki Toa die Möglichkeit haben, im Sand ihre Brüder zu rächen. "Die Mannschaft ist eine eingeschworene Truppe! Ich habe mit vielen gespielt, als ich klein war. In Tahiti fangen wir alle damit an. Und Naea Bennett, der Kapitän, ist mein Cousin", sagte Vahirua und ergänzte: "Ich habe ihn gebeten, mir einen Platz in der Mannschaft freizuhalten. Wenn ich verfügbar sein sollte – warum nicht?"