Ein Jahr nach dem vierten Platz bei der jüngsten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ präsentierte sich Uruguay erneut in blendender Verfassung und gewann zum 15. Mal die Copa América. Damit sind die Charrúas das Team mit den meisten Titelgewinnen bei der Südamerikameisterschaft für Nationalmannschaften. Außerdem ist Uruguay für den FIFA Konföderationen-Pokal 2013 in Brasilien qualifiziert.

Die Copa América 2011 fand unmittelbar vor der im Oktober dieses Jahres beginnenden WM-Qualifikation für Brasilien 2014 statt. Letztere scheint angesichts der Fortschritte der Mannschaften, die ihre Ziele in der Qualifikation für Südafrika 2010 nicht erreicht hatten, spannender denn je zu werden. FIFA.com blickt vor diesem Hintergrund auf das kürzlich in Buenos Aires zu Ende gegangene Turnier zurück.

Der Sieger
Disziplin, mannschaftliche Geschlossenheit und herausragende Einzelleistungen prägten den Auftritt des Copa-América-Siegers 2011. Es sind die gleichen Tugenden, die das von Trainer Oscar Tabárez betreute Team bereits vor einem Jahr in Südafrika auszeichneten. Damit konnte Uruguay seinen vor zwölf Monaten erworbenen Status als beste Mannschaft Südamerikas eindrucksvoll bestätigen.

Angeführt von den beiden Topstürmern Luis Suárez, dem erfolgreichsten Torschützen seines Teams und besten Spieler des Turniers, und von Diego Forlán steigerten sich die Charrúas bei dieser Copa América von Spiel zu Spiel. Nachdem sie die Vorrunde als Gruppenzweiter abgeschlossen hatten, warfen die Uruguayer im Viertelfinale Gastgeber Argentinien nach Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb. Die Tatsache, dass man sowohl im Halbfinale gegen Peru (2:0) wie auch im Finale gegen Paraguay (3:0) ohne Gegentor blieb, zeugt zum einen von einer soliden Abwehrleistung, zum anderen von der Fähigkeit, die geringste Nachlässigkeit des Gegners sofort zu bestrafen. Aufgrund dieser Qualitäten zählt Uruguay in der bevorstehenden WM-Qualifikation sicher zu den ersten Anwärtern auf ein direktes Ticket für Brasilien 2014.

Die anderen Teams
Ähnlich stark in der Abwehr erwies sich Paraguay mit seinem Trainer Gerardo Martino, wenngleich es seiner Mannschaft in der Offensive an Ideen mangelte, was zum Teil auf den verletzungsbedingten Ausfall einiger Stammkräfte zurückzuführen war. Paraguay hatte sich ohne einen einzigen Sieg und ohne Niederlage bis ins Finale gekämpft, in dem es dann unterlag.

Die kompakte Spielweise der Albirroja stand im deutlichen Gegensatz zur Vorstellung Brasiliens und Argentiniens, die beide die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen konnten und im Viertelfinale jeweils im Elfmeterschießen an den späteren Finalisten scheiterten. Die Ausgangslage vor dem Turnier war allerdings für beide Teams höchst unterschiedlich: Während es für Brasiliens Trainer Mano Menezes um einen Test im Hinblick auf 2014 ging, war das Turnier für Sergio Batista bereits die letzte Möglichkeit, der Mannschaft den erforderlichen Feinschliff für die kommende WM-Qualifikation zu geben. Inzwischen steht fest, dass die Albiceleste mit einem anderen Trainer in die Südamerika-Qualifikation starten wird, da Batista von seinem Amt zurückgetreten ist.

Unterdessen demonstrierten sowohl Chile als auch Kolumbien, dass sie ihr Spielniveau deutlich verbessert haben, so dass sich beide Teams ebenfalls als ernst zu nehmende Kandidaten für einen Startplatz bei der nächsten FIFA WM ins Gespräch bringen konnten. Sicher, unter dem Strich konnten die beiden Trainer Claudio Borghi und Hernán Gómez mit dem Abschneiden ihrer Mannschaften in Argentinien nicht ganz zufrieden sein. Dennoch konnten beide ein insgesamt positives Fazit ziehen und mit der Gewissheit die Heimreise antreten, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden, auch wenn noch einige Korrekturen notwendig sind.

Die Überraschungen
Kaum jemand hatte daran gezweifelt, dass der Uruguayer Sergio Markarian der richtige Mann sei, um Peru als Nationaltrainer wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Dass seine Arbeit jedoch so schnell Früchte tragen würde, hätte indes wohl niemand gedacht. Denn der dritte Rang bei diesem Turnier ist für die Peruaner, die seit 1983 keinen Podiumsplatz mehr erobert hatten, schon fast eine Art Ritterschlag, der sie zugleich von einer weiteren WM-Teilnahme, die ihnen seit Spanien 1982 versagt blieb, träumen lässt.

Venezuela bestätigte mit dem vierten Platz ebenfalls seinen seit einigen Jahren anhaltenden Aufwärtstrend. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass die Vinotinto gegen drei der fünf WM-Teilnehmer von Südafrika 2010 (Brasilien, Chile und zwei Mal gegen Paraguay), ebenso viele Siege (zwei) landen konnte wie in der gesamten bisherigen Turniergeschichte. Für Venezuela also Grund genug, sich berechtigte Hoffnungen auf die erste WM-Teilnahme überhaupt zu machen.

Eher durchwachsen präsentierten sich Ecuador und Bolivien, denen mit Blick auf die kommenden Herausforderungen noch einiges zu tun bleibt. Wenig überzeugend war auch der Auftritt von Mexiko, das – wenngleich man mit einer U-22-Auswahl angereist war – keinen einzigen Punktgewinn verbuchen konnte und bei diesem Turnier zum ersten Mal nicht über die Gruppenphase hinauskam. Dagegen machte Costa Rica deutlich, dass künftig wieder verstärkt mit der Mannschaft aus Mittelamerika zu rechnen sein wird.

Die herausragenden Akteure
Bei Uruguay taten sich neben den bereits erwähnten Suárez und Forlán noch Fernando Muslera, Diego Lugano und Egidio Arévalos Ríos als wichtigste Stützen der äußerst sattelfesten Abwehrreihe im Team von Tabárez hervor.

Bei Paraguay wusste vor allem Kapitän Justo Villar als bester Torhüter des Turniers zu überzeugen, der gemeinsam mit seinen Vorderleuten Paulo Da Silva und Néstor Ortigoza ein wahres Abwehrbollwerk bildete. Aus der peruanischen Offensive ragte besonders José Guerrero heraus, der mit fünf Treffern bester Torschütze des Turniers wurde und damit erst der zweite Peruaner ist, dem dies bei der Copa América gelang. Gleichfalls eine gute Vorstellung bot Perus offensiver Mittelfeldspieler Willian Chiroque. Die auffälligsten Akteure im Team der Vinotinto waren die Abwehrspieler Oswaldo Vizcarrondo und Gabriel Cichero sowie Tomás Rincón im zentralen Mittelfeld.

Was die Topstars dieser Copa América anbelangt, so gaben die Argentinier Lionel Messi und Sergio Agüero, die Brasilianer Neymar und Pato, der Chilene Alexis Sánchez und der Kolumbianer Radamel Falcao lediglich einige Kostproben ihres Könnens.

Hätten Sie’s gewusst?
Diego Forlán avancierte im Verlauf des Turniers nicht nur zum uruguayischen Rekordnationalspieler (82 Länderspiele), sondern stellte mit insgesamt 31 Treffern bei der Copa América zugleich die bisherige Rekordmarke von Héctor Scarone ein.

Statistik
54
– So viele Treffer fielen insgesamt bei diesem Turnier. Es ist die niedrigste Torausbeute seit Einführung des aktuellen Formats im Jahr 1991. Im Vergleich zur Auflage 2007 in Venezuela, bei der die bislang meisten Tore unter Beteiligung von zwölf Mannschaften verzeichnet wurden, bedeutet dies einen Rückgang um 32 Treffer.

Zitat
"Für uns ist es eine Freude, dass wir hier Dritter geworden sind. Andererseits sollten wir nicht in Euphorie verfallen, denn gewonnen haben wir damit gar nichts. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in Südamerika auch weiterhin an letzter Stelle stehen. Deshalb gilt es, jetzt bescheiden zu bleiben und zu versuchen, uns auch in der WM-Qualifikation zu behaupten."
Sergio Markaria (Trainer, Peru)

Endstand
1. Uruguay*
2. Paraguay
3. Peru
4. Venezuela
5. Chile
6. Kolumbien
7. Argentinien
8. Brasilien
9. Costa Rica
10. Ecuador
11. Bolivien
12. Mexiko

Erfolgreichste Torschützen
José Guerrero (PER), 5 Tore
Luis Suárez (URU), 4 Tore
Sergio Agüero (ARG), 3 Tore

Individuelle Auszeichnungen
Bester Spieler: Luis Suárez (URU)
Bester Torhüter: Justo Villar (PAR)
Bester Junger Spieler: Sebastián Coates (URU)

Fair Play-Preis: Uruguay

*Qualifiziert für den FIFA Konföderationen-Pokal Brasilien 2013