FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009

FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009

14 Juni - 28 Juni

FIFA Konföderationen-Pokal 2009

Ansichten des "Kaisers"

Franz Beckenbauer talks to the media
© Getty Images

Wo immer er auch ist, Franz Beckenbauer steht überall im Fokus. Ein gefragter Mann war der liebevoll als Lichtgestalt des deutschen Fussballs bezeichnete 63-Jährige auch beim FIFA Konföderationen-Pokal 2009, wo er in seiner Position als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees mehrere Tage vor Ort war und unter anderem die beiden Halbfinalpartien sowie das Spiel um den dritten Platz und das Finale sah.

Für FIFA.com nahm sich der "Kaiser" Zeit, um in einem exklusiven Interview über seine Eindrücke in Südafrika, seinen Optimismus hinsichtlich des afrikanischen Fussballs, das mögliche Scheitern einiger Giganten in der WM-Qualifikation und die schwere Reise der Deutschen nach Russland zu sprechen. Außerdem äußerte sich der sowohl als Spieler (1974) als auch als Teamchef (1990) Weltmeister gewordene Präsident des FC Bayern München zur aktuellen Lage beim deutschen Rekordmeister.

Herr Beckenbauer, wie würden Sie Südafrika 2009 aus sportlicher und organisatorischer Sicht bewerten?
Was ich gesehen habe, war sehr gut. In der Vorrunde waren einige Überraschungen dabei, vor allem das Italien-Spiel gegen Brasilien war eine klare Angelegenheit zugunsten der Südamerikaner. Doch insgesamt war das Turnier auf einem sehr hohen Niveau. Das Wetter hat eine Rolle gespielt, denn es war sehr kühl am Abend, also eine Herausforderung für die Spieler, viel zu laufen, sonst erkälten sie sich. Die Organisation war sehr, sehr gut. Es hat keine Pannen gegeben. Es war alles so, wie man es sich vorgestellt hat, also ein wirklich gelungener Test für die Weltmeisterschaft.

Welches Team war für Sie die Überraschung des Turniers?
Natürlich die U.S.-Amerikaner! Sie hatten ja die ersten beiden Spiele verloren und waren quasi bereits auf der Heimreise. Sie hatten schon ihre Koffer gepackt, und mussten dann feststellen, dass sie doch ins Halbfinale gekommen sind, wo sie auf den übermächtigen Europameister Spanien getroffen sind. Aber so ist halt Fussball! Wie oft haben wir schon erlebt, dass ein Favorit gestürzt ist, und das war wieder so ein Augenblick. Die Spanier haben nicht schlecht gespielt, aber sie konnten sich halt nicht durchsetzen. Die U.S.-Amerikaner haben sie mit ihrer Physis aus dem Konzept gebracht.

Gibt es einen Spieler, der Sie bei diesem Turnier besonders begeistert hat?Schwierig zu sagen. Ich denke da an die beiden Überraschungsteams: Südafrika und die USA. Das waren keine Einzelaktionen, das waren geschlossene Mannschaftsleistungen. Beide Teams sind ein enorm hohes Tempo gegangen, und sie konnten das Tempo stets über 90 Minuten halten. Das war für mich eigentlich die größte Überraschung.

Weltmeister Italien ist bereits in der Vorrunde gescheitert, Europameister Spanien hat den Finaleinzug verpasst: Glauben Sie, dass das für diese beiden Hochkaräter hinsichtlich der FIFA WM 2010 vielleicht sogar ein Vorteil sein kann, weil es zur richtigen Zeit ein Schuss vor den Bug war?
Ja, das kann schon sein! Ich denke, vor allem für die Italiener, die ja sichtlich enttäuscht haben!

Stichwort Vuvuzelas: Wie haben Sie die Stimmung in den südafrikanischen Arenen erlebt?
Ich habe diese Stimmung ja schon ein paarmal erlebt. Für uns Europäer ist es halt fremd, aber es ist nicht unangenehm. Man gewöhnt sich an diesen gleichbleibenden Ton, mal ein bisschen lauter, mal ein bisschen weniger. Aber mir macht das sowieso nichts aus. Wenn ich im Stadion bin, kann eine Kapelle neben mir spielen, das höre ich gar nicht, weil ich mich auf das Spiel konzentriere.

Kann sich die Fussballwelt auf eine leidenschaftliche WM im nächsten Jahr freuen?
Das wird sie mit Sicherheit! Man sieht ja, wie begeisterungsfähig die Südafrikaner sind. Da kann man sich vorstellen, dass nächstes Jahr die Begeisterung sehr groß sein wird.

Wir kommen zur WM-Qualifikation: Mit Argentinien, Frankreich und Portugal gibt es drei Giganten, die zurzeit auf dem Weg nach Südafrika 2010 richtige Probleme haben. Wie schätzen Sie die Situation dieser drei Teams ein?
Ich denke, Argentinien wird sich letztlich durchsetzen. Portugal hat große Probleme, sich zu qualifizieren, die müssten alles gewinnen, und die anderen müssten auch dementsprechend spielen. Zu den Franzosen: Das wäre natürlich jammerschade, wenn sie nicht dabei wären. Aber die Tradition und die Vergangenheit zählen nichts, man muss sich immer wieder neu qualifizieren. Ich hoffe, dass alle drei den Weg nach Südafrika schaffen werden - die Portugiesen haben aber die schlechtesten Karten.

England präsentiert sich momentan unter Nationaltrainer Fabio Capello so stark wie schon lange nicht mehr. Sind die Three Lions ein Favorit auf den WM-Titel?
Ja, sicherlich! Die Engländer haben nach ihrer Enttäuschung, als sie sich für die Europameisterschaft 2008 mal nicht qualifizieren konnten, gelernt. Capello ist ein erfahrener Mann, der sie jetzt wieder auf Vordermann gebracht hat. Die englische Bilanz bei der aktuellen WM-Qualifikation ist makellos, und wenn sich ein englisches Team qualifiziert, gehört es immer zum Favoritenkreis.

Für die deutsche Mannschaft steht im Oktober das schwere und wohl auch alles entscheidende Spiel in Russland an. Mit welcher Gefühlslage werden die Deutschen dorthin reisen? Und was trauen Sie ihnen zu?
Ein Unentschieden würde ja genügen, denn sie haben noch einen Punkt Vorsprung. Man wird auf einem ungewohnten Kunstrasen spielen, das ist ein anderes Spiel als auf normalem Rasen, also wird man sich umzustellen haben. Wenn das einigermaßen gelingt, dann traue ich der deutschen Mannschaft ein Unentschieden zu und damit wären sie Gruppen-Erster und direkt für die WM qualifiziert.

Berti Vogts sagte vor einiger Zeit in einem Interview mit FIFA.com, dass er bei der FIFA WM 2010 einer afrikanischen Mannschaft durchaus die Runde der letzten Vier zutrauen würde. Wie sehen Sie das?
Das wäre dann das erste Mal. Ich warte schon seit zehn Jahren oder noch länger darauf, dass sich mal eine afrikanische Mannschaft durchsetzt. Ich war bei der WM 2006 in Deutschland ein wenig enttäuscht, hatte einfach mehr erwartet, vor allem von der Elfenbeinküste mit Didier Drogba. Jetzt haben sie eine Chance, sie haben den Heimvorteil, denn die WM ist in Afrika. Ich bin auch der Meinung wie mein lieber Freund Berti Vogts: Es wäre für mich keine Überraschung, wenn sich eine afrikanische Mannschaft für das Halbfinale qualifizieren sollte.

Denken Sie da an eine bestimmte Mannschaft?Nun ja, dazu müssen wir ja erstmal die afrikanische WM-Qualifikation abwarten. Es sind wie in Europa noch einige Hochkaräter da, die Probleme haben. Die Südafrikaner sind wunderbar im Spielaufbau, technisch beschlagen und auch raffiniert, aber sie können kaum Tore machen. Wenn sie da noch einen finden, der die Tore macht, dann kann man sie dazu zählen. Aber grundsätzlich denke ich, wäre es sicherlich gut für den afrikanischen Fussball, wenn der Fall eintreten sollte, ein Team im Halbfinale zu haben.

Abschließend noch zwei Fragen zum FC Bayern: Mit Louis van Gaal ein neuer Trainer, dazu zahlreiche neue Spieler - was erwarten Sie von dieser Mannschaft in der neuen Saison?
Van Gaal ist ja bekannt für seine strikte Art, sich durchzusetzen und den Fussball spielen zu lassen, den er sich vorstellt. Eine klare Handschrift wird von ihm erwartet, und das kann er. Das hat er bislang immer bewiesen. Deswegen ist er genau das, was wir im Moment brauchen. Wir brauchen einen Fussball-Lehrer, einen Trainer, der taktische Maßnahmen ergreift und vorgibt. Ich hoffe, dass wir nach der enttäuschenden letzten Saison nun eine bessere haben werden.

Wie geht es weiter mit Franck Ribéry?
Ich hoffe, dass er bleibt. Er ist für mich neben Lionel Messi und Cristiano Ronaldo einer der besten Spieler der Welt. So viele Weltklassespieler haben wir nicht in Deutschland. Diego ist von Werder Bremen zu Juventus Turin gewechselt, wenn Ribéry nun auch noch die Bundesliga verlassen würde, wäre das ein großer Rückschritt - und das wollen wir doch vermeiden!

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