Einen größeren Gegensatz als den zwischen den Befindlichkeiten der Furia Roja und der Bafana Bafana könnte es vor dieser Begegnung wohl kaum geben. Während die Niederlage im Halbfinale gegen Brasilien aufgrund der Tatsache, dass diese erst zwei Minuten vor Schluss durch einen Freistoßtreffer besiegelt wurde, bei den Südafrikanern Stolz und Freude auslöste, bedeutete die Niederlage Spaniens in der ersten Halbfinalpartie gegen die USA das abrupte Ende einer atemberaubenden Erfolgsserie, die im Titelgewinn bei der UEFA EURO 2008 ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hatte. Gleichzeitig war damit der Traum vom heiß ersehnten Finale gegen Brasilien geplatzt. Zweifellos ein ebenso unerwarteter wie schmerzlicher Rückschlag für die erfolgsverwöhnten Spanier.

Vor allem deshalb spielte es in den Augen der Akteure wohl nur noch eine untergeordnete Rolle, dass man zuvor in 35 Länderspielen ohne Niederlage geblieben war und 15 Mal in Folge gewonnen hatte.

Die Partie
Spanien - Südafrika
28. Juni 2009, 15:00 Uhr (Ortszeit), Royal Bafokeng Stadium, Rustenburg

Vor acht Tagen hatte Spaniens Coach Vicente del Bosque für das Gruppenspiel gegen die Gastgeber etliche Ersatzspieler aufgeboten, da man bereits für das Halbfinale des FIFA Konföderationen-Pokals 2009 qualifiziert war. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Trainer der Furia Roja dieses Mal ähnlich verfahren, allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen. Es gibt gewiss keinen Anlass, die Akteure, die zuletzt auf dem Platz standen, abzustrafen. Spanien brachte es im Halbfinale auf 56 % Ballbesitz und insgesamt 17 Eckstöße, 19 Schussversuche sowie elf Torschüsse, mehr als beim 5:0-Kantersieg über Neuseeland. Demnach hätte eigentlich etwas mehr dabei herausspringen müssen. Dass dies dennoch nicht gelang, war letztlich dem taktisch hervorragenden Spiel der U.S.-Amerikaner geschuldet.

Was die Gastgeber anbelangt, so haben diese bereits mit dem erstmaligen Einzug ins Halbfinale eines bedeutenden Turniers Fussballgeschichte geschrieben. Gegen den fünffachen Weltmeister lieferten die Südafrikaner ein grandioses Spiel ab, so dass sie die bevorstehende Partie um Platz drei mit gestärktem Selbstvertrauen angehen können. Ein Jahr vor Beginn der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ würde ein dritter Platz Südafrikas bei diesem Turnier einer idealen Empfehlung für das große Fest im kommenden Jahr gleichkommen. Trainer Joel Santana, der nach der Partie gegen Brasilien voller Stolz über seine Mannschaft sprach, wird gegen den amtierenden Europameister erneut auf seine bewährte Stammformation setzen. Lediglich im Angriff könnte es den einen oder anderen Wechsel geben. Seine Schützlinge sind jedenfalls fest entschlossen, mit dem gleichen Teamgeist in das Spiel um den dritten Platz zu gehen wie gegen Brasilien.

Das Duell

Llorente - Booth

Auch wenn noch nicht klar ist, ob der Stürmer von Athletic Bilbao in der Startelf stehen wird, so ist dennoch zu erwarten, dass Fernando Llorente erneut zum Einsatz kommt. Denn damit bekäme er die Chance, seine gute Vorstellung vom ersten Aufeinandertreffen mit dem gastgebenden Team, bei dem er unmittelbar nach seiner Einwechslung einen Treffer erzielte, zumindest zu wiederholen. Ein Vorhaben, das bei dem hoch gewachsenen Innenverteidiger Südafrikas, der zweifellos zu den angenehmen Überraschungen dieses Turniers zählt, auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte.

Der direkte Vergleich
Spanien - Südafrika 2:0, 20. Juni 2009, Gruppenspiel des FIFA Konföderationen-Pokals 2009, Mangaung/Bloemfontein

Das letzte Aufeinandertreffen zwischen beiden Mannschaften ist gerade einmal acht Tage her. Nachdem man sich zuvor nur ein einziges Mal, nämlich in der Vorrunde des FIFA WM-Turniers in Korea/Japan 2002 - damals setzte sich Spanien mit 3:2 durch - gegenüber gestanden hatte, kommen jetzt binnen einer Woche gleich zwei weitere Begegnungen hinzu. David Villa und Fernando Llorente steuerten vor acht Tagen die Tore zum 2:0-Sieg ihrer Mannschaft bei.

Der Fakt
3 - So viele Tore haben Fernando Torres und David Villa, die beide als aussichtsreiche Anwärter auf den Goldenen Schuh von adidas gelten, im bisherigen Turnierverlauf erzielt. Beide haben ihren Trainer gebeten, im Spiel um Platz drei auflaufen zu dürfen, um den Schlussspurt im Rennen um die begehrte Auszeichnung nicht zu verpassen.

Wussten Sie schon...?
Spanien hat in diesem 21. Jahrhundert fünf Länderspiele gegen afrikanische Teams bestritten. Die Bilanz spricht eindeutig für die Spanier, da sie alle fünf Partien für sich entscheiden konnten, einschließlich der beiden jüngsten Duelle gegen ihren morgigen Gegner.

Das Zitat
"Ich will spielen und dieses Turnier mit einem Sieg beenden."
Fernando Torres (Spieler, Spanien)

"Natürlich sind wir verärgert und ziemlich enttäuscht, aber so ist das halt im Sport. Da muss man auch mal einen Rückschlag verkraften können." Vicente del Bosque (Trainer, Spanien)

"Spanien ist eine Mannschaft, gegen die jeder Gegner gewinnen will." Lucas Radebe (Ex-Nationalspieler, Südafrika)

Ihre Meinung zählt
Wird die spanische Mannschaft nach dem Ende ihrer langen Erfolgsserie ohne Niederlage erneut auf die Siegerstraße zurückfinden?