Der Stürmer der Stunde

Miguel Borja hält seine Versprechen

(FIFA.com)
Colombia's Atletico Nacional player Miguel Borja celebrates
© AFP

Anfangs war es nur ein Traum. Miguel Ángel Borja kümmerte sich um die Ausrüstung seines Bruders Walter, sah den anderen von der Bande aus beim Training zu und träumte davon, eines Tages Fussballprofi zu werden. Später setzte er dann alles daran, diesen Traum zu verwirklichen. Er ließ sogar Mahlzeiten aus, um gegen den Ball zu treten, und dank seines bedingungslosen Einsatzes wurden seine Träume schließlich wahr.

Heute ist Miguel Ángel Borja im kolumbianischen Fussball der Stürmer der Stunde.

"In der Schule zog ich mir jeden Tag die Sportuniform an, weil das ein Trainingsanzug war, und ich damit spielen konnte. Die andere Uniform gefiel mir nicht, weil man mit den Schuhen nicht Fussball spielen konnte. Meine Mutter hat mir diese Uniform jeden Tag gewaschen", erklärt der Torjäger von Atlético Nacional, dem aktuellen Titelträger der Copa Libertadores, im Gespräch mit FIFA.com.

In der Gemeinde Tierralta, 454 Kilometer von Medellín entfernt, setzte Doña Nicolasa alles daran, dass die Kleidung für ihren unruhigen, vom Ball besessenen Sohn immer vorbereitet war, damit er seinem Traum nachjagen konnte. "Oftmals ließ ich sogar zu Hause das Essen aus, um spielen zu können", meint der 23-Jährige rückblickend.

"Ich habe von klein auf gern Fussball gespielt, stellte mir vor, wie ich den Ball in den großen Stadien im Tor versenkte und habe meinen Eltern immer gesagt, dass ich eines Tages für sie sorgen und das Haus in Ordnung bringen würde, damit es ihnen gut geht. Für sie kämpfe ich Tag für Tag", meint der 1,83 m große Torjäger mit der stattlichen Statur. Er hat sein Versprechen gehalten.

Der kleine Miguel Ángel erhielt ein Stipendium der Ponygol-Schule, wo er mit seinem Talent erste Aufmerksamkeit erregte. Im Alter von 17 Jahren startete er dann seine Profikarriere bei América de Cali. Anschließend folgte eine anstrengende Odyssee durch diverse kolumbianische und ausländische Vereine (in Italien und Argentinien), bis er 2015 schließlich bei Independiente Santa Fe landete, wo seine Karriere den entscheidenden Impuls bekam.

"Ich war gar nicht so lange dort, aber ich habe mit dem Klub die Copa Sudamericana gewonnen. Anschließend bin ich zu Cortuluá gewechselt, wo ich im Apertura-Turnier 2016 Rekordtorschütze geworden bin [19 Treffer]", erinnert er sich. Mit diesem Rekord hat er die Bestmarke von Jackson Martínez überboten, einem weiteren illustren kolumbianischen Stürmer.

Auch Reinaldo Rueda entging das Talent des aus der Provinz Córdoba stammenden Akteurs nicht, und er holte ihn Mitte 2016 zu Atlético Nacional. Der Trainer versprach sich von ihm viele Tore, und die sollte er auch bekommen. Gleich bei seinem Debüt im Halbfinale der Copa Libertadores erzielte er zwei Treffer. Am Ende holte er als bester Torschütze des Klubs den Titel in diesem prestigeträchtigen Wettbewerb. Er erzielte fünf Tore in vier Partien.

"Man wird mit dem Talent geboren und arbeitet jeden Tag hart daran, sich zu verbessern. Doch wenn man sich an Gott hält, läuft alles gut. Jeden Tag, an dem ich auf dem Spielfeld auflaufe, tue ich das mit festem Glauben", erklärt der Spieler, der viel Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt.

Er ist der einzige kolumbianische Spieler, dem es gelungen ist, die beiden wichtigsten Turniere der südamerikanischen Fussballkonföderation CONMEBOL zu gewinnen. Jetzt kämpft er mit Atlético Nacional um einen weiteren Titel in der Copa Sudamericana, doch es winkt noch eine weitere Herausforderung: die FIFA Klub-Weltmeisterschaft, die vom 8. bis zum 18. Dezember in Japan stattfindet. Wenn er schon einmal in Schwung ist, lässt er sich nicht gern aufhalten. Und wir wissen ja alle, dass Miguel Ángel Borja einer ist, der seine Versprechen hält.