FIFA Klub-Weltmeisterschaft Marokko 2014

10 Dezember - 20 Dezember

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2014

Vicelich: "Bronze ist wie Gold für uns"

© Getty Images

Auckland City FC ist als absoluter Außenseiter und ohne große Hoffnungen zur elften Auflage der FIFA Klub-Weltmeisterschaft angetreten. Jetzt wird das Turnier in Marokko wohl für immer in die Vereinsgeschichte der Neuseeländer eingehen. Für Teamkapitän Ivan Vicelich stellt die Bronzemedaille den Höhepunkt einer langen Karriere dar. 

Auch nach mehreren erfolglosen Teilnahmen an der Klub-Weltmeisterschaft dachte der mittlerweile 38-jährige Routinier nicht ans Aufgeben. Ganz im Gegenteil. Er zeigte Jahr für Jahr bedingungslosen Einsatz, als wüsste er, dass dieses Team von Auckland unter der Führung von Trainer Ramon Tribulietx in der Lage sein würde, mehr zu zeigen als in den vergangenen Jahren. Allerdings war ihm im Vorfeld sicher nicht bewusst, dass diese Verbesserung seines Teams nicht nur ein historischer Erfolg sein würde, sondern eine wahre Revolution im neuseeländischen Fussball auslösen könnte.

Das berichtet Vicelich jedenfalls im Gespräch mit FIFA.com. Wir sprachen direkt nach dem Sieg im Elfmeterschießen gegen Cruz Azul im Spiel um Platz drei mit dem Routinier.

Ivan, dieser dritte Platz war vor dem Turnier praktisch unvorstellbar. War dies der perfekte Ausgang des großen Abenteuers in Marokko?Ja. Wir freuen uns sehr über diesen dritten Platz bei einer FIFA Klub-Weltmeisterschaft. Das ist ein ganz besonderer Augenblick für ein neuseeländisches Team. Wir haben uns gut von dem 120-minütigen Halbfinale erholt, hart trainiert und ein weiteres großes Spiel abgeliefert. Aber wir sind nicht nur auf unseren heutigen Auftritt stolz, sondern auf alles, was wir bei diesem Turnier geleistet haben. Wir können sagen, dass wir Geschichte geschrieben haben.

Von diesem Team wurde im Vorfeld nichts erwartet, und nun wäre es um ein Haar ins Finale eingezogen. Nach der Partie gegen San Lorenzo waren Sie alle wirklich traurig. Eigentlich eine etwas paradoxe Reaktion für einen Klub wie Auckland, oder?
Das stimmt, wir waren traurig, weil wir gut gespielt haben und mit dem Eindruck vom Platz gegangen sind, dass wir durchaus hätten gewinnen können. Und das war natürlich unglaublich, wenn man bedenkt, dass der Gegner kein Geringerer als San Lorenzo war – der Südamerikameister. Wir waren enttäuscht, aber, wie ich schon sagte, haben wir ganz schnell den Fokus gewechselt und beschlossen, dass Bronze unser Gold sein würde. Wir sind heute mit dem Bestreben auf den Platz gegangen, bei einer WM eine Medaille zu gewinnen und diesen Moment zu einem ganz besonderen zu machen. Wir sind auf jeden Fall stolz auf das Erreichte.

Sie haben hier zahlreiche schöne Situationen erlebt. Welche würden Sie besonders hervorheben.
Ich würde sagen, die Art, wie wir in allen vier Spielen aufgetreten sind. Wir wollten der Welt zeigen, dass wir mithalten können, und das ist uns gelungen. Wir haben in allen Partien Qualitäten gezeigt, und das ist wichtig für ein Team aus Neuseeland. Alle Mitglieder des Teams und unser Trainerstab können sich beglückwünschen. Niemand auf der Welt hätte gedacht, dass wir so weit kommen würden.

Könnte die Spielweise, die Sie derzeit auf dem Platz zeigen, ein Meilenstein für die zukünftige Entwicklung des neuseeländischen Fussballs sein?
Es ist schwierig, das so zu sehen, weil wir an dieser Spielweise schon seit fünf oder sechs Jahren arbeiten. Sie unterscheidet sich ziemlich von der Spielweise im Rest des Landes, aber wir haben bewiesen, dass wir etwas Neues schaffen können. Das hat uns nicht nur dabei geholfen, Spiele und Trophäen zu gewinnen. Wir sind dadurch auch für neue Spieler interessant geworden und haben den Klub im ganzen Land zu einem Vorbild gemacht. Wir sind klein, aber fussballbegeistert, genauso wie unsere Fans. Ich hoffe, dass unser Beispiel sich positiv auf die Art und Weise auswirkt, wie in unserem Land Fussball gespielt wird – in der A-Nationalmannschaft und auch an der Basis. Wir haben für die Zukunft eine optimale, junge Generation.

Sie haben auf der ganzen Welt Schlagzeilen gemacht. Haben Sie schon eine Vorstellung davon, wie Sie bei der Rückkehr empfangen werden?
Es wird einfach unglaublich werden. Wir haben in unserem Land große Unterstützung erfahren, von der Presse ebenso wie von den Fans und unseren Familien. Der Fussball ist dort nicht die populärste Sportart, aber wir konnten uns auszeichnen. Und genau deshalb müssen wir diesen Erfolg feiern: Schließlich gewinnen wir nicht alle Tage eine Medaille bei einem Turnier dieser Größenordnung.

Und denken Sie darüber nach, auf die Weltbühne zurückzukehren und es noch besser zu machen?
Na ja, das ist schon eine andere Geschichte. Allerdings hätten wir auch niemals gedacht, dass wir besser sein könnten als 2009, als wir den fünften Platz belegten. Hier Dritter zu sein ist wirklich unglaublich. Es wäre ein Traum, das jedes Jahr zu schaffen, aber wir wissen, wie hart das alles ist.

Sie sind mittlerweile 38 Jahre alt. Wie stellen Sie sich Ihre Karriere in den nächsten Jahren vor?
Um ehrlich zu sein, ist der Groschen noch nicht wirklich gefallen. Ich glaube, ich werde einige Zeit brauchen, um über die Zukunft nachzudenken. Ich spiele schon sehr lange, war lange Zeit in der Nationalmannschaft aktiv, und Tatsache ist, dass ich im Augenblick nur noch Spaß haben will. Ich weiß auch, dass es sicherlich hilfreich sein kann, wenn ich meine Erfahrung weitergebe, zur Entwicklung der Sportart in meinem Land und zur Förderung vieler Nachwuchsspieler in diesem Team beitrage.

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