FIFA Klub-Weltmeisterschaft Marokko 2013

11 Dezember - 21 Dezember

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2013

Raja glaubt an die Überraschung

© Getty Images

Die Feststellung, dass Raja Casablanca die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Marokko 2013 nicht gerade in Bestform angegangen war, ist sicher noch untertrieben. Das Team war im Vorfeld des Turniers in zahlreichen Spielen ohne Sieg geblieben und hatte zudem einen neuen Trainer bekommen. Hinzu kam eine Pechsträhne von Stürmer Mouhssine Iajour, der einfach nicht mehr traf. Genügend Gründe also, um der Mannschaft keinen guten Turnierverlauf vorauszusagen.

Doch es kam anders. Zehn Tage nach Beginn der FIFA Klub-WM steht Raja Casablanca im Finale, nachdem man sich nacheinander gegen Auckland City FC, CF Monterrey und Atlético Mineiro durchsetzen konnte. Es waren drei Erfolge, die ihrerseits durch einen Sieg über einen vierten und zugleich unerbittlichen Gegner komplettiert wurden.

Die Rede ist von der Logik. "Überraschungen sind im Fussball immer möglich. Und sobald man das Spielfeld betritt, gibt es keine starke und keine schwache Mannschaft mehr", so Iajour nach dem Sieg über den Südamerika-Champion im Gespräch mit FIFA.com. "Das haben wir gegen das Team von CF Monterrey, das bereits mehrmals die CONCACAF Champions League gewann, ebenso unter Beweis gestellt wie danach gegen die Brasilianer, die als klare Favoriten in dieses Spiel gegangen waren! Trotzdem steht jetzt Raja Casablanca im Finale. Die pure Logik zählt nicht mehr. Wer als Favorit gelten will, muss dies auch auf dem Platz beweisen."

Und genau dort hat Iajour nun gezeigt, dass ihm seine Torjägerqualitäten, die er sowohl bei seinen bisherigen Klubs als auch in der marokkanischen Nationalmannschaft zeigte, seit dem Gewinn des nationalen Meistertitels 2013 doch nicht von einem Tag auf den anderen abhanden gekommen waren. Dank eines Treffers, eines herausgeholten Elfmeters und seiner zahlreichen Sturmläufe, mit denen er die brasilianische Abwehr ein um das andere Mal schwindelig spielte, wurde Iajour zum besten Spieler der Partie gewählt.

Offensive freigesetzt
Überdies zog der Stürmer in der Torschützenliste mit dem Argentinier César Delgado gleich. "Jetzt hoffe ich darauf, diese individuelle Auszeichnung am Ende auch tatsächlich entgegennehmen zu können", so Iajour ohne den geringsten Anflug von falscher Bescheidenheit. "Mit zwei Toren und einem noch ausstehendem Spiel ist dies durchaus möglich. Und nach all unseren Kraftanstrengungen bei diesem Turnier wäre es die Erfüllung schlechthin. Meine ganze Hoffnung zielt darauf, dass ich im Finale ein Tor schieße."

Wenn man bedenkt, dass der Finalgegner FC Bayern München heißt, erscheint dieses Unterfangen recht schwierig. In den Augen von Iajour allerdings nicht schwieriger als gegen Ronaldinho und Co., zumal diese im Halbfinale ebenfalls deutlich favorisiert waren. Vor allem seinem neuen Coach Faouzi Benzarti, der unmittelbar vor der FIFA Klub-WM die Nachfolge von Mhamed Fakhir antrat, verdankt es der 28-jährige Angreifer, dass er seine magere Ausbeute von zuletzt nur zwei Treffern in elf Ligaspielen vergessen machen konnte.

"Er hat etwas Neues in die Mannschaft eingebracht. Und er versteht es, das Beste aus uns herauszuholen, indem er uns das Selbstvertrauen zurückgab", ist sich der frühere Profi von Sporting Charleroi sicher. "Die Taktik unseres Ex-Trainers war eher defensiv angelegt. Das ist heute anders. Wir vernachlässigen nie die Offensive, und zwar unabhängig vom Spielverlauf. Demnach haben wir die Offensive wieder freigesetzt."

Im Übrigen ist die Wandlung von Raja Casablanca binnen weniger Tage vor allem auf die veränderte Taktik zurückzuführen. "Auch wenn wir nicht unendlich viele Partien verloren haben, zuletzt ist es uns einfach nicht mehr gelungen, unser Spiel aufzuziehen, weil wir schon mit den Gedanken bei der FIFA Klub-WM waren", so Iajour mit Blick auf drei Niederlagen und ein Remis unmittelbar vor Marokko 2013. "Wir waren bereits auf dieses Turnier und einzig darauf fokussiert. Das war sicher etwas übertrieben. Denn dadurch fehlte es uns in der Meisterschaft an der erforderlichen Energie und Motivation."

Wiedererstarkt zurückkommen
Die Folge war, dass Raja Casablanca mit acht Zählern Rückstand auf den Tabellenführer und zwei Spielen weniger auf Rang neun der Tabelle abrutschte, dafür aber bei der Klub-WM wieder in die Erfolgsspur zurückfand. "Das sind eine schlechte und eine gute Nachricht", meint der einzige Stürmer seines Teams, der bislang von Trainer Benzarti in allen drei Spielen für die Startformation berücksichtigt wurde.

"Das hat uns in der Meisterschaft ganz schön zu schaffen gemacht. Andererseits hat die starke Konzentration auf das Turnier es uns erst ermöglicht, bei dieser Klub-WM mit solch guten Leistungen aufzuwarten. Vor diesem Hintergrund sind wir uns jetzt sicher, dass wir in der heimischen Liga wiedererstarkt zurückkommen werden."

Um ein Vielfaches stärker wäre die Moral mit Sicherheit dann, wenn es der Heimmannschaft tatsächlich gelingen würde, Bayern München im Finale zu bezwingen – zweifellos eine schwere Aufgabe. Aber in dem Land mit 32 Millionen Einwohnern glauben inzwischen bestimmt ebenso viele Menschen daran, dass dies möglich sein könnte.

"Wir alle wissen um die Hoffnungen und Erwartungen, die Raja Casablanca derzeit bei dieser Klub-WM weckt. Das sieht man schon daran, wie die Leute auf den Straßen feiern", freut sich Iajour, der ebenfalls hofft, derartige Freudenszenen noch einmal erleben zu dürfen. "Unser Traum begann, als wir uns für dieses Turnier qualifiziert haben. Und jetzt haben wir es hier bis ins Finale geschafft. Es wäre doch schade, wenn wir da nicht weiter träumen würden…"

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