FIFA Klub-Weltmeisterschaft Marokko 2014

FIFA Klub-Weltmeisterschaft Marokko 2014

10 Dezember - 20 Dezember

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2014

San Lorenzo: Mercier träumt vom Titel

FabrizioTavano of Auckland City FC tries to tackle Juan Mercier of San Lorenzo
© Getty Images

Als die reguläre Spielzeit der Halbfinalpartie zwischen CA San Lorenzo und Auckland City FC abgelaufen war, stand einigen Akteuren der Argentinier, die ob der nicht erwarteten Verlängerung sichtlich geschockt waren, große Enttäuschung oder gar das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Dass der Gewinner der Copa Libertadores gegen eine semiprofessionelle Mannschaft nicht gewinnen konnte, war allein schon grenzwertig. Doch inmitten dieses Wirrwarrs ragte aus dem Lager des Teams aus Boedo, einem Stadtteil von Buenos Aires, der Kahlkopf eines Spielers hervor, dessen Miene Ruhe und Entschlossenheit ausstrahlte. Die Rede ist von Juan Mercier alias Pichi, dem mentalen Führungsspieler einer Mannschaft, die aktuell vor der größten Chance ihrer Geschichte steht, nämlich Real Madrid zu besiegen und damit die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Marokko 2014 zu gewinnen.

"Wir wissen, dass Real Madrid Spieler in seinen Reihen hat, die scheinbar von einem anderen Planeten kommen. Aber wir haben auch unsere Stärken und brauchen uns vor niemandem zu verstecken. Genau deshalb haben wir den südamerikanischen Klubwettbewerb gewonnen und uns für dieses Turnier qualifiziert. Und wir sind uns durchaus darüber im Klaren, was das bedeutet", so der zentrale Mittelfeldspieler im Vorfeld des großen Finales in Marrakesch gegenüber FIFA.com. Der inzwischen fast 35-jährige Mercier gilt innerhalb seiner Mannschaft uneingeschränkt als mentale Führungspersönlichkeit. Davon zeugt nicht zuletzt die Tatsache, dass er immer dann, wenn Teamkollege und Klublegende Leandro Romagnoli einmal nicht auf dem Platz steht, die Kapitänsbinde trägt.

Laufstarker Mittelfeldakteur
Während des Spiels selbst ist seine Funktion sogar noch wichtiger für die Mannschaft, in der er zusammen mit Néstor Ortigoza die zentrale Mittelfeldachse und damit den Kern im Spiel von San Lorenzo bildet. "Wir kennen uns schon sehr lange, und wir wissen schon im Voraus, was der andere als nächstes tun wird. Wir beide ergänzen uns hervorragend", so Mercier über seinen Mitspieler, mit dem ihn bereits 20 gemeinsame Jahre verbinden. Beide hatten schon bei den Argentinos Juniors in einer Mannschaft gespielt und dort entscheidend zum Titelgewinn im Torneo Clausura 2010 beigetragen. Bei San Lorenzo agiert Mercier eher als zurückgezogene Spitze innerhalb des von Trainer Edgardo Bauza praktizierten 4-1-4-1-Systems. Zu seinen Zuständigkeiten gehören neben der Balleroberung und dem Spielaufbau vor allem Führungsaufgaben sowie die Verzögerung oder Beschleunigung des Spiels. Dabei geht er lange Wege und besticht durch eine nahezu perfekte Nutzung der Räume.

2012 wurde er auf Empfehlung von Diego Maradona von San Lorenzo unter Vertrag genommen. Damals hatte er gerade ein Engagement im Nahen Osten hinter sich, das allerdings kaum seinen Vorstellungen entsprach. Er konnte sich einfach nicht an die andere Lebensweise gewöhnen. An seiner kämpferischen Einstellung lag es indes nicht. Im Gegenteil, denn Mercier zählt zu jenen Spielern von San Lorenzo, die ihre Ausbildung in unterklassigen Klubs des argentinischen Fussballs erhielten und erst im reiferen Alter in die Eliteklasse ihres Landes aufrückten. Dies ist derzeit bei den großen argentinischen Erstligisten immer häufiger der Fall. Daher ist die Teilnahme an der FIFA Klub-WM in Marokko und das bevorstehende Duell mit der "besten Klubmannschaft der Welt" etwas Einzigartiges.

"Für mein Alter fühlt sich das so an, als ob man mit den Händen den Himmel berührt. Was haben wir schon alles erlebt? Wir sind abgestiegen und haben danach den Wiederaufstieg geschafft. Das war schon etwas Großartiges. Aber dass wir uns für dieses Turnier qualifizieren und es hier so weit bringen und das Finale gegen Real Madrid bestreiten würden, hätten wir nie gedacht… Ich kann nur dankbar sein", freut sich Mercier.

Steiniger Weg nach Marokko
Überdies dürften ihm in diesen Tagen zahlreiche Augenblicke seines Lebens durch den Kopf gegangen sein. Angefangen von seiner schweren Knieverletzung, die er als 15-Jähriger erlitt und die ihn daran hinderte, weiter als Sturmspitze mit der Rückennummer neun zu spielen. Als er 17 Jahre alt war, zog er sich aus dem Fussball zurück. Mit 19 Jahren entschloss er sich, künftig als Maurer zu arbeiten, weil er sich zu Hause "wie angewurzelt" fühlte. Danach kehrte er zum Fussball zurück und schloss sich in Puerto Nuevo einem Verein der fünften argentinischen Liga an. Mit Sicherheit nie vergessen wird er jene schwere Zeit, als er für Flandria spielte und dorthin jeden Tag 45 Kilometer zum Training trampen musste. Oder als er für Platense aktiv war und sich mit sieben weiteren Spielern einen Schlafraum teilte. All das sind Erinnerungen, die Mercier vor ein paar Monaten dem argentinischen Magazin El Gráfico *offenbarte*.

Wie schon gesagt ist er nicht der Einzige mit einer solchen Vergangenheit. "Wir haben eine Menge Spieler, die durch eine ähnliche Schule des Fussballs gegangen sind. Egal ob nach einem Abstieg oder in der ersten Liga. Unter dem Strich hat uns das sehr geholfen, sowohl auf dem Platz als auch abseits davon. Wir sind eine Mannschaft, die eng zusammenhält und stets geschlossen agiert. Genau das ist es, was uns schließlich stärker macht", ist sich Mercier sicher, bevor er mit Blick auf das Finale am Samstag noch eine Botschaft loswerden möchte. "Immer dann, wenn wir es mit einem sehr schweren Gegner zu tun haben, setzen wir alle erdenklich möglichen Kräfte frei und holen alles aus uns heraus."

Abgesehen von dieser Aussage hat die Mannschaft von San Lorenzo in schwierigen Situationen bereits ihre Stärken bewiesen. In diesem Zusammenhang sei nur an die Duelle mit Grêmio Porto Alegre und Cruzeiro Belo Horizonte in der Copa Libertadores erinnert, die beide in Brasilien entschieden wurden. Gegen Real Madrid wird es sicher noch größerer Anstrengungen bedürfen, um sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Dennoch versprüht der Gesichtsausruck von Mercier auch in diesem Punkt Ruhe und Entschlossenheit. "Sobald der Anpfiff ertönt, werden wir zeigen, warum wir hier sind", verspricht er.

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