FIFA Klub-Weltmeisterschaft VAE 2018

FIFA Klub-Weltmeisterschaft VAE 2018

12 Dezember - 22 Dezember

FIFA Klub-WM 2018

Marcelo Gallardo – Rivers Ikone unter der Lupe

Marcelo Gallardo, Manager of River Plate arrives at the stadium prior to River Plate v Kashima Antlers
© Getty Images
  • Unter Marcelo Gallardo wurde River zum gefürchteten Gegner
  • Er leitete 50 K.-o.-Rundenserien bei nationalen und kontinentalen Turnieren
  • Sein Ziel: Die ideale Kombination aus attraktivem Fussball und einem ganz eigenen Charakter zu schaffen

Der Eingang zum Museum von River Plate wird von einer enormen Statue von Ángel Labruna bewacht. Labruna ist River und River ist Labruna. Der Klub hat in seiner 117-jährigen Vereinsgeschichte viele Idole hervorgebracht, doch er war jahrzehntelang die unumstrittene Ikone. Mittlerweile ist er jedoch nicht mehr allein. Marcelo Gallardo nimmt heute nämlich eine ähnliche Stellung ein.

Mit dem Sieg in der Copa Libertadores gegen die Boca Juniors hat El Muñeco (die Puppe) sich endgültig auf ein imaginäres Podest gestellt. Die Fangemeinde von River hatte ihn schon vorher ins Herz geschlossen, aber mit dem Sieg gegen den ewigen Erzrivalen in der "Mutter aller Endspiele" hat sein Status eine neue Dimension erreicht. "Das ist ein Erfolg, der ewigen Ruhm bringt. Das ist glaube ich nicht zu toppen", so der Trainer im Interview mit argentinischen Medienvertretern. Für die Fans ist Gallardo "der Stein der Weisen", der es geschafft hat, alle in Ekstase zu versetzen. Nun möchte man bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft an diesen Erfolg anknüpfen.

FIFA.com berichtet, warum der Trainer eines Klubs, bei dem Siege traditionell eher die Regel als die Ausnahme sind, diesen Status eines "Gurus" erlangt hat.

River ist wieder River

Als Gallardo das Amt Mitte 2014 übernahm, litt die Fangemeinde noch immer darunter, dass der Klub einige Jahre zuvor abgestiegen und die Saison 2011/2012 in der zweiten Liga verbracht hatte. Das hatte tiefe Wunden hinterlassen.

Man hatte zwar gerade den Landesmeistertitel gewonnen, doch Ramón Díaz, die einzige Vereinsikone, die fast an Labruna herankam, war zurückgetreten. El Muñeco war ein Eigengewächs und als Spieler ausgesprochen beliebt gewesen, hatte als Trainer jedoch wenig Erfahrung vorzuweisen. Er hatte seit zwei Jahren keinen Trainerposten mehr gehabt und verpflichtete kaum Verstärkungen. Es herrschte absolute Unsicherheit. 

Doch dann schlug er sofort ein wie eine Bombe – mit guten Ergebnissen und einem hervorragenden Spielniveau. Es begann ein Zyklus, in dem es ihm trotz Höhen und Tiefen innerhalb von viereinhalb Jahren gelang, Díaz' Rekord als erfolgreichster Trainer aller Zeiten mit einer Ausbeute von neun Titeln einzustellen. Er gewann:

  • 2 Mal die Copa Libertadores
  • 1 Mal die Copa Sudamericana
  • 2 Mal die Recopa Sudamericana
  • 2 Mal den argentinischen Pokalwettbewerb
  • 1 Mal den argentinischen Superpokal  1 Mal die Copa Suruga

Internationaler Erfolg

River ist zwar Argentiniens Rekordmeister, doch auf internationaler Ebene blieb der große Erfolg aus. Bis 1998 hatte man nur drei kontinentale Titel gewonnen, zwei davon in der Copa Libertadores. Später folgte eine große Flaute, und man schied teilweise auf beschämende Weise aus Wettbewerben aus, während Boca seine glorreichste Zeit erlebte. Gallardo gelang es, die Schamesröte wieder in Stolz zu verwandeln. Der Klub gewann regelmäßig an schwierigen Spielorten und unter widrigen Umständen, wie beim Triumph gegen Grêmio in Porto Alegre im Halbfinale der letzten Copa Libertadores. Zehn Minuten vor Schluss brauchte das Team noch zwei Tore, um das Ausscheiden zu verhindern. Und tatsächlich gelangen die beiden Treffer. Ähnlich war es gegen Boca im Finale. Dreimal war River in Rückstand geraten und kam alle drei Male zum Ausgleich.

Charakterstärke

River war traditionell ein Synonym für guten Fussball, doch wenn Charakterstärke in einem Spiel die entscheidende Rolle spielte, schnitt der Klub nicht immer gut ab. Von 2000 bis 2014 gab es mehr Tiefen als Höhen. Unter Gallardo wurde River zum gefürchteten Gegner, und zwar wegen des Kampfgeistes und der Siegermentalität des Teams. Sein Ziel ist es, eine ideale Kombination aus attraktivem Fussball und einem ganz eigenen Charakter zu schaffen.

Er leitete 50 K.-o.-Rundenserien bei nationalen und kontinentalen Turnieren. Davon gewann er 42 – einige auf hohem, andere auf niedrigem Niveau. Auch von seinem schwärzesten Tag erholte er sich wieder: Er unterlag mit River im Halbfinale der Copa Libertadores 2017, nachdem das Team innerhalb von 45 Minuten einen Drei-Tore-Vorsprung verspielt hatte.

"In den schwierigsten Momenten ist es mentale Stärke, die dich am Leben erhält. Man kann sie fördern, indem man jedes Training angeht, als sei es das letzte", pflegt er zu sagen.

Eigengewächs mit Autorität

Als talentierter Spielmacher gewann Gallardo sechs Landesmeistertitel und zwei internationale Titel. 

"Ich bin ein Eigengewächs", bestätigt er. Er ist schon seit seinem zwölften Lebensjahr mit Rivers Philosophie vertraut und versteht es, sie weiterzugeben. Die Fans spüren, dass er einer von ihnen ist.  Gallardo ist eine starke Führungspersönlichkeit und für seine direkten Ansprachen in der Kabine und abseits davon bekannt. Dabei macht er keine Unterschiede.  Darüber hinaus ist er ein guter Taktiker. Während seiner Amtszeit wurden viele Partien gewonnen, weil er es hervorragend verstand, die Schwächen des Gegners zu erkennen oder Fehler rechtzeitig auszubügeln.

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