FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2015

FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2015

10 Dezember - 20 Dezember

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2015

Japan: Große Vorfreude auf die FIFA Klub-WM 2016

Barcelona are crowned Champions
© Getty Images

Die FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2015 endete mit dem dritten Titelgewinn des FC Barcelona. Japan wird die FIFA Klub-Weltmeisterschaft auch 2016 wieder ausrichten. Daher sprach FIFA.com mit drei führenden Persönlichkeiten aus der japanischen Fussballwelt, um ihre Ansichten zum Turnier 2015 und ihre Erwartungen für das kommende Jahr zu erfahren.

*Rückkehr zu den Wurzeln
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Kohzo Tashima, der Vizepräsident des japanischen Fussballverbandes (JFA), freute sich über die Rückkehr der FIFA Klub-Weltmeisterschaft nach Japan, nachdem das Turnier in den zwei Jahren zuvor in Marokko ausgetragen worden war.

"Ich hatte dieses Turnier schon sehr ungeduldig erwartet", so Tashima. "Die Geschichte der FIFA Klub-Weltmeisterschaft begann ursprünglich 1981 als Duell zwischen den Vereinsmeistern aus Südamerika und Europa. Seitdem hat sich das Turnier schrittweise bis zu seinem heutigen Format entwickelt, einem Turnier mit den Klub-Champions von allen Kontinenten. Die Menschen in Japan empfinden eine außerordentliche emotionale Bindung zu diesem Turnier."

Für Tashima zeigt das Spiel um Platz drei, in dem mit Sanfrecce Hiroshima aus Japan und Guangzhou Evergrande aus der VR China zwei asiatische Teams aufeinander trafen, dass der größte Kontinent der Erde fussballerisch immer stärker wird.

"Guangzhou hat einige fantastische Spieler und die meisten einheimischen Akteure haben schon für die chinesische Nationalmannschaft gespielt. Das Team ist ein würdiger Asien-Champion", so Tashima, der auch Mitglied des FIFA Exekutivkomitees und Vizepräsident des Ostasiatischen Fussballverbandes (EAFF) ist. "Sanfrecce wurde in dieser Saison Meister der J.League und hat nach starken Leistungen den dritten Platz bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft belegt."

Angesichts des dicht gedrängten Terminkalenders der Schützlinge von Hajime Moriyasu in den letzten Wochen war der 2:1-Sieg gegen Guangzhou Evergrande im Spiel um Platz drei nach zwischenzeitlichem Rückstand absolut erstaunlich.

"Wenige Tage nach dem Gesamtsieg gegen Gamba Osaka in den beiden Finalspielen um den Titel in der J.League siegte Hiroshima gegen den FC Auckland City und dann auch gegen TP Mazembe", fasst Tashima den Turnierstart des frisch gebackenen japanischen Meisters zusammen. Im Halbfinale musste sich Hiroshima dann River Plate geschlagen geben. Doch das Team riss sich noch einmal zusammen und beendete die FIFA Klub-Weltmeisterschaft und damit auch das Fussballjahr mit einem Erfolg. "Das Team war sehr gut vorbereitet. Ich freue mich, dass der Vertreter des Gastgeberlandes den dritten Platz erreicht hat. Und als Vizepräsident der EAFF bin ich natürlich hochzufrieden, dass zwei Teams aus Ostasien das Spiel um Platz drei erreicht haben. Die FIFA Klub-Weltmeisterschaft hat gezeigt, dass der asiatische Fussball von Erfolg zu Erfolg eilt. Ich bin sicher, dass dies auch anderen Teams aus der Region einen Schub verleiht."

Nach dem Erfolg der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2015 und angesichts der Errichtung mehrerer neuer Stadien ist Tashima optimistisch und findet, dass Japan sich auch 2016 und darüber hinaus um die Ausrichtung großer Fussballturniere bewerben sollte.

"In diesem Jahr fanden erstmals Spiele der FIFA Klub-Weltmeisterschaft in Osaka statt. In der Stadt entsteht gerade ein neues Fussballstadion, das ab 2016 genutzt werden kann", so Tashima. "In den kommenden Jahren wird auch in Tokio ein neues Nationalstadion errichtet. Ich hoffe sehr, dass Japan auch weiterhin die FIFA Klub-Weltmeisterschaft ausrichtet. Und natürlich haben wir ja auch noch das Stadion in Yokohama, in dem das diesjährige Finale stattfand. Auf das, was wir hier bieten, können sich alle freuen."

Erfolgswelle auch für J.League und F.League
Die starken Leistungen von Sanfrecce Hiroshima bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft inspirieren profilierte Akteure in mehreren japanischen Ligen und sorgen für einen optimistische Einschätzung der Entwicklung des japanischen Fussballs.

Miki Sato, die 2015 als eine Art neuer "Managerin" der J.League ernannt wurde und mit zahlreichen PR-Maßnahmen das Profil der Liga schärft, hat in dieser Saison rund 40 Klubs aus der ersten und zweiten Liga beobachtet und zeigte sich "begeistert" von den selbstbewussten Auftritten von Sanfrecce Hiroshima als stolzer J.League-Meister. Insbesondere war Sato von der Entschlossenheit des Teams beeindruckt.

"Ich war besorgt, dass der vollgepackte Terminkalender die Spieler physisch und mental beeinträchtigen könnte", so Sato. "Doch das Team hat bis zum Schluss hart gekämpft und alles gegeben, das war sehr beeindruckend. Jeder Spieler hat sich am Angriff und der Verteidigung beteiligt. Selbst die Abwehrspieler haben für Druck nach vorn gesorgt und versucht, Torchancen herauszuspielen."

Besonders beeindruckt zeigte sich Sato auch von den zahlreichen Anhängern von River Plate, die bei den Spielen in Japan ihre ganze Leidenschaft zeigten.

"Die Gesänge der Fans von Klubs aus aller Welt waren absolut großartig. Sie haben für eine ganz andere Atmosphäre gesorgt, als wir sie normalerweise bei J.League-Spielen haben", so die 22-Jährige. "Viele Fans sind extra für dieses Turnier nach Japan gekommen. Bei sich hatten sie mehr Fahnen, als ich je bei einem J.League-Spiel gesehen habe. Diese Fans haben für eine Atmosphäre wie in ihren Heimstadien gesorgt. Die Leidenschaft für ihr Team war regelrecht spürbar. Die Unterstützung für ein Team gehört zu ihrem Leben dazu. Sie stehen überall und immer hinter ihrer Mannschaft."

Für Sato gehörte auch der Einsatz eines japanischen Spielers, der nicht für Hiroshima startete, zu den Höhepunkten des Turniers. Linksverteidiger Takuya Iwata von Auckland City lieferte bei der 0:2-Niederlage des neuseeländischen Teams gegen Sanfrecce Hiroshima eine starke Leistung ab und beendete die Partie mit einem Kopfverband. Nach einem Zusammenprall mit einem anderen Akteur hatte er das Spielfeld für mehrere Minuten verlassen müssen.

"Schön, dass ein japanischer Spieler bei einem ausländischen Klub eine so wichtige Rolle spielt. Von allen Gegenspielern habe ich ihn natürlich am intensivsten beobachtet. Trotz seiner Kopfverletzung hat Iwata weitergemacht und tapfer bis zum Ende gekämpft. Was für ein engagierter Spieler! Es hat mich außerdem überrascht, wie viele Fans von Auckland City Japaner sind."

Zu Satos Funktionen gehört es, das Interesse an der J.League in Japan weiter zu steigern. Und so hofft sie schon jetzt auf die nächste Auflage der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Ende 2016.

"Ich hoffe sehr, dass sich ein japanischer Klub als Asien-Champion für diesen Wettbewerb qualifiziert.  Wenn wir zeigen können, dass japanische Teams stark genug sind, um auf der globalen Bühne mitzuhalten, dann bekommen wir auch in der J.League noch mehr Zuschauer. Das wirkt sich positiv auf die Spiele aus. Ich würde gern erleben, dass es im kommenden Jahr ein Klub aus der J.League ins Finale schafft."

Der Erfolg des Turniers dürfte sich auch in der japanischen F.League auswirken, der Meisterschaft im Futsal, der Hallenfussballvariante mit je fünf Spielern pro Team. Für Jose Fernandez Cortina, den Trainer des Profi-Futsalklubs Voscuore Sendai, war insbesondere die Teilnahme Barcelonas ein Grund zur Freude, schließlich ist er selbst in Barcelona geboren und betreute bis zur letzten Saison das U-19-Team des spanischen Spitzenklubs. Fussball und Futsal sind bei Barça eng miteinander verbunden, so Jose Fernandez.

"Es sind zwar verschiedene Abteilungen des Klubs, doch es gab einen intensiven Austausch und viele Gemeinsamkeiten zwischen den Spielern. Viele Youngster von Barcelona kamen regelmäßig als Zuschauer zu unseren Futsal-Spielen, beispielsweise Sandro Ramirez und Munir El Haddadi. Und auch aus der A-Mannschaft waren immer wieder Spieler bei uns, beispielsweise Andres Iniesta und die brasilianischen Spieler.  Manchmal haben sie sogar Spiele der Futsal-B-Mannschaft verfolgt."

Der 33-Jährige Trainer ist sicher, dass Klubs wie Barcelona mit ihrer Teilnahme in Japan den Fussballsport langfristig weiter bringen werden.

"Barcelonas Besuch war fantastisch für Japan", so der Coach. "Mir hat es großen Spaß gemacht, dem Team zuzusehen. Wir haben das flüssige Passspiel genossen und beobachtet, dass die Spieler bei der Ballannahme immer mit dem Gesicht zum Tor stehen. Diese Fähigkeiten sind im Fussball ebenso effektiv wie im Futsal. Insbesondere junge Fans waren bestimmt begeistert, die Weltklasseleistungen von Iniesta und Neymar aus nächster Nähe zu sehen – und beide haben als Futsal-Spieler begonnen. Ich bin sicher, dass alle Kinder, die die FIFA Klub-Weltmeisterschaft gesehen haben, versuchen werden, all das selbst nachzuahmen, was sie beobachtet haben."

Die Teilnahme Barcelonas an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft hat ganz sicher positive Auswirkungen auf die junge Fussballergeneration im Land der aufgehenden Sonne. Und zahllose japanische Fans zählen schon jetzt die Tage bis zum Beginn der Turnierauflage 2016 und genießen die Vorfreude auf den nächsten Auftritt der besten Fussballer der Welt in ihrem Land.

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