FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2016

8 Dezember - 18 Dezember

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2016

Irving: Wir dachten, wir könnten es mit jedem aufnehmen

© Getty Images

Der kleine walisische Ort Bala mit seinen gerade mal 2.000 Einwohnern ist malerisch gelegen an der Ostgrenze des Snowdonia-Nationalparks. Inmitten sanfter grüner Hügel und weitläufigen lichten Wäldern liegt Maes Tegid, das kleine und doch stimmungsvolle Stadion des walisischen Erstligisten Bala Town.

Hier würden wohl nur die Wenigsten einen Drittplatzierten der FIFA Klub-Weltmeisterschaft auf der linken Außenbahn vermuten. Doch wer sich einmal aufmacht nach Maes Tegid, um die atemberaubende Landschaft hautnah zu erleben, trifft dort mit einiger Wahrscheinlichkeit auch den Verteidiger John Irving an, der 2014 maßgeblichen Anteil daran hatte, dass Außenseiter Auckland City entgegen aller Erwartungen bei der Klub-WM in Marokko den dritten Platz belegte.

"Es war ein unglaubliches Erlebnis, bei der Klub-Weltmeisterschaft zu spielen", sagt Irving, der 2013 von Bala zu Auckland wechselte und 2015 zurückkehrte. "Allein die Partie gegen die Gastgeber mit ihren 40.000 lautstarken Fans im Rücken war ganz anders als alles, was ich bis dahin erlebt hatte."

Mit der richtigen Einstellung
In diesem Jahr ist Auckland City zum achten Mal bei der Klub-Weltmeisterschaft vertreten und damit Stammgast bei diesem Turnier. Über das erste Spiel hinaus gekommen ist die Mannschaft allerdings nur selten. 2014 war sie jedoch Hauptdarsteller in einer der größten Geschichten, die dieser Wettbewerb je geschrieben hat. Einzig die Verlängerung stand zwischen dem Außenseiter aus Neuseeland und einem Finale gegen den Riesen Real Madrid.

Nach Siegen gegen Lokalmatador Moghreb Tetouan und ES Setif, den Gewinner der CAF Champions League, zwang Auckland im Halbfinale San Lorenzo in die Verlängerung. Dort setzte sich zwar der Gewinner der Copa Libertadores 2014 letztlich durch und der Traum vom Finale gegen Cristiano Ronaldo und Real Madrid platzte, aber die Navy Blues aus Neuseeland kämpften umso härter um den dritten Platz. Im Elfmeterschießen setzten sie sich gegen den mexikanischen Klub Cruz Azul, den Gewinner der CONCACAF Champions League, durch.

"Wir dachten damals, wir könnten es mit jedem aufnehmen", erinnert sich der aus Liverpool stammende Irving. "Wir waren unseren Gegnern ebenbürtig und haben ihnen alles abverlangt."

"Wir waren hocherfreut, dass wir so weit kommen konnten und Dritter geworden sind, zumal niemand uns auf der Rechnung hatte. Aber zugleich waren wir auch enttäuscht, weil wir das Finale verpasst haben", so Irving weiter. "Das Endspiel zwischen San Lorenzo und Real Madrid haben wir uns im Stadion angesehen und wir alle hatten den gleichen Gedanken: dass da auch wir auf dem Platz stehen könnten und das Finale bestreiten. Aber es war eine großartige Leistung von uns, überhaupt Dritter zu werden, und als wir nach Neuseeland zurückkamen, gab es sogar eine große Parade für den Klub und alle haben uns über den grünen Klee gelobt."

Irving selbst spielte eine tragende Rolle in Aucklands märchenhaftem Vorstoß 2014. Im Anschluss an eine Ecke schoss er gegen ES Setif, den Gewinner der afrikanischen Königsklasse, das einzige Tor und löste damit das Ticket fürs Halbfinale.

"Im Abschlusstraining vor dem Spiel haben wir Flanken und Torschüsse geübt. Dabei ist mir so mancher Treffer gelungen", erzählt der Engländer. "Also meinte der Assistenztrainer: 'Lasst John bei einer Ecke mal mit nach vorn und seht, was draus wird.' Wir hatten unseren ersten Eckball [gegen ES Setif] in der zweiten Halbzeit und ich traf prompt! Danach bin ich bei jeder Ecke in den Strafraum aufgerückt."

Der Torschütze selbst führt immer wieder an, mannschaftliche Geschlossenheit habe zu Synergien geführt und sei für Aucklands Erfolg 2014 verantwortlich. Das ändert aber nichts daran, dass Irving ein entscheidender Mosaikstein in der akribischen Vorbereitung des spanischen Trainers Ramon Tribulietx und seines Stabs war. Nichts wurde dem Zufall überlassen.

"Wir sind bestens vorbereitet in das Turnier gegangen", verrät Irving. "Der Trainer hatte für jedes Spiel eine Taktik, die wir intensiv einstudiert haben. Ramon hat jedes Spiel bis ins kleinste Detail analysiert, sodass wir in jeder Partie genau wussten, was uns erwartete und was wir zu tun hatten. Er hat auch viele Einzelgespräche geführt und darauf geachtet, dass es uns Spielern auch privat gut geht."

Kurs Japan
Zwar liegen über 18.000 Kilometer zwischen Bala und Auckland, aber Irving hält über E-Mail und soziale Medien nach wie vor Kontakt zu seinen ehemaligen Mitspielern. Schon allein deshalb wird er sich am 8. Dezember das Eröffnungsspiel seiner früheren Mannschaft – in der sein Ex-Zimmergenosse Angel Berlanga Kapitän ist – gegen den japanischen Meister ansehen.

"Schon im vergangenen Jahr habe ich mir das Auftaktspiel angesehen, als Auckland unglücklich gegen Sanfrecce Hiroshima verloren hat. Aber ich weiß, das sie bereit sein werden für einen neuen Anlauf", so Irving. "Immerhin hat Auckland erneut die OFC Champions League gewonnen und ich bin mir sicher, Ramon und die Mannschaft haben die richtigen Lehren gezogen.

Der Klub ist in Familienhand. Jeder zieht den Vergleich zu einer Familie, alle stehen sich nahe und kommen gut miteinander aus. Bei Auckland City kann man sehr glücklich werden."

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