FIFA Klub-Weltmeisterschaft Marokko 2014

FIFA Klub-Weltmeisterschaft Marokko 2014

10 Dezember - 20 Dezember

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2014

Happy Wanderer: Covic denkt nicht ans Aufhören

Ante Covic of Western Sydney Wanderers holds the AFC Champions League trophy
© Getty Images

Ante Covic, seines Zeichens Torhüter bei den Western Sydney Wanderers, dachte schon, er hätte in seiner Karriere alles erlebt. Immerhin steht er schon im dritten Jahrzehnt zwischen den Pfosten, hat bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft gespielt und war in drei verschiedenen Ländern (Schweden, Kroatien und Australien) aktiv. Nun wollte Covic seine Karriere eigentlich ausklingen lassen - eigentlich. Denn dann kam unerwartet ein sensationeller Erfolg für den erst 2012 gegründeten Klub dazwischen.

Die Rolle, die Covic beim ersten Triumph der Western Sydney Wanderers in der AFC Champions League spielte, dürften die Fans des Vereins dabei noch ihren Enkelkindern erzählen. Während des gesamten Wettbewerbs war der Torwartroutinier in bestechender Form. Allein sechs Mal blieb er in Heimspielen ohne Gegentor. Verdientermaßen wurde er zum besten Spieler des Wettbewerbs gewählt. Und als sei all das noch nicht genug, sollte sein größter Augenblick erst noch kommen.

Eine Parade vom anderen Stern
Nach dem knappen 1:0 gegen den saudischen Renommierklub Al Hilal standen die Wanderers im Hexenkessel des King Fahd Stadium in Riyadh gehörig unter Druck. Mit einer Mischung aus Glück, konsequenter Abwehrarbeit und klasse Paraden von Covic hielten die Australier dann bis etwa Mitte des zweiten Durchgangs erfolgreich dagegen. Immerhin hätte ein einziges Tor der Heimmannschaft alles verändert.

Dann stürmte Yasir Al Shahrani über rechts in den Strafraum und legte den Ball perfekt für den legendären saudischen Stürmer Yasser Al Qahtani quer, der sich auf Höhe des Elfmeterpunkts freigestohlen hatte. Der Kapitän von Al Hilal kam an den Ball, fackelte nicht lange und zog ab. Covic stand noch am kurzen Pfosten und der Ball schien schon so gut wie im Netz. Doch dann folgte die spektakuläre Wende in dieser Geschichte. Der Ball war schon fast an Covic vorbei, doch der Schlussmann schaffte es mit einem Blitzreflex, die rechte Hand noch auszufahren. So gelang es ihm, dem Spielgerät die entscheidende Richtungsänderung zu geben und der Ball trudelte auf wundersame Weise am langen Pfosten vorbei ins Aus.

Falls es irgendwann einmal eine spielentscheidende Szene gegeben hat, die die Gegenwehr einer Mannschaft gebrochen hat - dieses war eine. Die Wanderers wurden in der Folge Sieger der asiatischen Königsklasse und Covic fand sich im zarten Alter von 39 plötzlich öfter in den Schlagzeilen wieder als in seinen gesamten 20 Profijahren zuvor. Mark Bosnich, ehemals bei Manchester United zwischen den Pfosten und vielleicht Australiens bester Torhüter aller Zeiten, adelte Covics Rettungstat danach als "großartigste Parade in der Fussballgeschichte des Landes".

Covic selbst muss darüber mit einer Mischung aus Bescheidenheit und Stolz lächeln. "Von jemandem wie Mark Bosnich solche Anerkennung zu bekommen, lässt mich demütig werden", gesteht er bei FIFA.com. "Meiner Meinung nach war es tatsächlich eine fantastische Parade, und durch die Situation wurde sie noch wichtiger. Ich würde durchaus sagen, diese Parade hat geholfen, den Titel zu holen."

Asienreise
Es wäre eine Untertreibung zu sagen, der Weg der Western Sydney Wanderers ins Endspiel sei beschwerlich gewesen. Unglaubliche 100.000 Kilometer wurden für die sieben Auswärtsspiele absolviert. Zu allem Überfluss führten diese dann auch noch oft zu den Spitzenklubs Ostasiens. In der K.o.-Runde schalteten die Wanderers den japanischen Meister Sanfrecce Hiroshima, den Champions-League-Titelverteidiger Guangzhou Evergrande und dessen Finalgegner von 2013, den FC Seoul, aus.

"Na ja, es gab eben nur einen Weg ins Finale und der war sehr schwierig", so Covic. "Entsprechend stolz sollten alle auf das sein, was wir erreicht haben. Schließlich haben wir den australischen Fussball meiner Meinung nach international bekannt gemacht. Wir sind nur noch einen Schritt davon entfernt, gegen die größten Vereinsmannschaften der Welt zu spielen. Das verschafft der A-League und dem australischen Fussball Anerkennung."

*Marokkanische Träume *Nur zwei Jahre nach ihrer Gründung treffen die Wanderers bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft nun auf Cruz Azul aus Mexiko. Dem Gewinner dieser Partie winkt das Duell gegen Real Madrid. "Total aufregend!", findet Covic. "Die besten Mannschaften aus allen Konföderationen, dazu die Möglichkeit, gegen ein Kaliber wie Real Madrid zu spielen – was will man mehr? Von der Teilnahme an einem solchen Wettbewerb träumt doch jeder Spieler!"

Wie aber werden sich die Wanderers in diesem illustren Kreis schlagen? "Keine Wanderers-Mannschaft wird sich auf ihren Lorbeeren ausruhen und mit dem Erreichten zufrieden sein!", kündigt Covic an und bringt damit genau die Haltung auf den Punkt, die für den Erfolg seines Klubs maßgeblich war. "Wir wissen, dass wir finanziell und auch in anderer Hinsicht nicht mit den Vereinen mithalten können, gegen die wir spielen, aber das darf keine Ausrede sein.

Wir glauben an uns. Ich bin überzeugt, dass wir mithalten können, wenn wir am Limit spielen. Die Art und Weise, wie wir an uns geglaubt haben, als niemand mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt hätte, habe ich noch nie zuvor erlebt. Eines Tages, wenn ich meine Karriere beendet habe, kann ich meinen Kindern erzählen, was für eine besondere Zeit ich bei den Wanderers hatte!"

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