FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2008

11 Dezember - 21 Dezember

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2008

Freud und Leid bei Adelaide und Al Ahly

© Foto-net

Der Gegensatz ist auffallend. Adelaide United, Sieger im Spiel um Platz fünf und zufrieden mit dem Turnierverlauf, und der ägyptische Klub Al Ahly, nach zwei Niederlagen in zwei Spielen am Ende Sechster, haben eine ganz unterschiedliche Sicht auf ihre Erlebnisse. Die Ägypter, die sich vorgenommen hatten, in diesem Jahr mindestens den dritten Rang wie bei ihrer Teilnahme im Jahr 2006 zu erreichen, haben ein albtraumhaftes Turnier hinter sich, bei dem nichts wirklich funktionierte. Adelaide United, erstmalig in Japan dabei, hatte kein anderes Ziel, als Erfahrungen zu sammeln. Die Australier haben mehr erreicht als das. Ein Überblick über die unterschiedlichen Reaktionen.

Manuel José, dem Trainer der Ägypter, steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Immer wieder hat er gemahnt, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben, was die internationale Konkurrenzfähigkeit seines Klubs betrifft: "In Ägypten denken die Menschen, Al Ahly wäre das beste Team der Welt. Man muss etwas mehr Bescheidenheit zeigen. Die Erwartungen waren viel zu hoch, man muss realistisch bleiben."

Für Aurelio Vidmar, Trainer von Adelaide United, fällt das Fazit dagegen weitaus positiver aus. "Für uns ist das ein großartiger Erfolg, das Turnier als fünftbestes Team der Welt zu beenden. Aber vor allem haben wir durch die drei Spiele auf diesem hohen Niveau eine Menge gelernt."

Bei ihrem direkten Aufeinandertreffen hielten sich die Ägypter für die bessere Mannschaft, die aber ihre Chancen nicht nutzen konnte. "Wir waren besser als der Gegner. Adelaide hatte nur eine Chance, und die führte gleich zum Tor", meinte ein niedergeschlagener Wael Gomaa. "Meine Jungs haben alles gegeben und eigentlich gut gespielt, das Resultat ist etwas unverdient. Wir hätten sicher noch besser spielen können, aber der Druck war einfach zu groß, damit sind meine Spieler nicht fertig geworden", ergänzt José.

Für Vidmar steht fest: "In der ersten halben Stunde haben wir unseren besten Fussball bei diesem Turnier gespielt. Cristiano hat ein fantastisches Tor geschossen. Wir haben auch in der Defensive stark gespielt und die Führung gut verteidigt." Der Mann des Abends, Cristiano, der mit einem sehenswerten Treffer für Adelaide die Weichen auf Sieg stellte, schwebt im siebten Himmel. Als Brasilianer freut er sich nicht nur über sein Tor selbst, er denkt auch an die Geschichte des Orts, an dem ihm sein Coup gelang. "Ich wusste, dass Ronaldo hier an gleicher Stelle im Finale der Weltmeisterschaft 2002 zwei Treffer erzielt hat. Ich hatte davon geträumt, dass mir dasselbe gelingt. Ich habe nur die Hälfte geschafft, aber es war dennoch ein Höhepunkt für mich!"

Enttäuschung bei Al Ahly
Die ägyptischen Vertreter, weniger redselig und mit gesenkten Köpfen, fanden kaum Worte, um ihre Enttäuschung auszudrücken. Nur der große Star der Mannschaft, Mohamed Aboutrika, stellte sich wie immer tapfer den drängenden Fragen der ägyptischen Journalisten. Doch auch er hatte keine Erklärung und konnte nur wiederholen, was alle dachten: "Wir haben unser Bestes gegeben, aber uns hat ein wenig das Glück gefehlt, um dieses Spiel zu gewinnen."

Die Australier hingegen, noch lockerer als man es von ihnen ohnehin gewöhnt ist, erzählten jedem, der davon hören wollte, das ganze Turnier in allen Details. Es schien, als ob sie die Erlebnisse dadurch noch einige Minuten länger genießen konnten. "Wir fahren mit einer Bilanz von zwei Siegen und einer Niederlage wieder nach Hause, das ist ein mehr als respektables Ergebnis. Wir haben zwar das eigentlich wichtigste Spiel gegen Gamba Osaka verloren, doch paradoxerweise war dies auch die Begegnung, in der wir unsere beste Leistung gebracht haben. Es ist eine großartige Erfahrung, hier dabei sein zu dürfen und gegen Mannschaften aus Neuseeland, Japan und Ägypten zu spielen", fasste Scott Jamieson die Eindrücke seines Teams zusammen.

"Nach der knappen Niederlage gegen Gamba Osaka waren wir sehr enttäuscht. Aber wir haben es geschafft, uns erneut zu motivieren, denn wir wollten einen guten Abschluss bei diesem Turnier. Fünftbestes Team bei einer Weltmeisterschaft, das hört sich doch gut an, nicht wahr?", sagte Kristian Sarkies scherzend.

Trotz der Stimmungslage, die kaum gegensätzlicher sein könnte, haben die beiden Klubs eines gemeinsam: es ist an der Zeit, an den Rest der Saison zu denken. "Wir müssen uns auf die Meisterschaft konzentrieren und wollen den fünften Titel in Folge gewinnen. Ich bin sehr stolz darauf, Trainer bei Al Ahly zu sein, einem Klub, der im ägyptischen Fussball Geschichte geschrieben und so viele Titel wie kein anderer gewonnen hat. Unser Ziel ist nun der Gewinn des Supercups, der Meisterschaft und des Pokals. Doch zunächst müssen wir uns psychologisch von dieser Enttäuschung erholen", betonte José. "In der A-League stehen noch sieben Spieltage aus, wir liegen an der Spitze und rechnen uns gute Chancen aus, dass das so bleibt. Wir müssen uns also noch ordentlich ranhalten", erklärte seinerseits Vidmar.

Doch in einer Sache sind sich die Vertreter beider Klubs einig: sie möchten wiederkommen. Allerdings aus unterschiedlichen Beweggründen: "Die Teilnahme an diesem Turnier ist etwas Besonderes, und ich hoffe, erneut daran teilnehmen zu dürfen, vielleicht mit einer anderen Mannschaft, wer weiß? Wir werden sehen, was die Zukunft für mich bringt", sagte Jamieson geheimnisvoll. "Vor allem für unsere Fans war das Abschneiden sehr enttäuschend. Ihretwegen hoffe ich, dass wir wiederkommen und unsere Sache das nächste Mal etwas besser machen können", erklärte hingegen Gomaa die Motivation auf Seiten der Ägypter.

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