FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2015

FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2015

10 Dezember - 20 Dezember

FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2015

Die letzte große Chance für "Lucho" und Saviola

Montage of Javier Saviola and Lucho Gonzalez
© FIFA.com

"Es ist sehr schön, dass uns dies in unserem Alter passiert."

Diese Worte sagte Javier Saviola mit glänzenden Augen. Luis *Lucho *González schaute ähnlich glücklich drein, wählte jedoch andere Worte: "Viele Spieler haben eine große Karriere hingelegt und hatten trotzdem nie die Chance, bei einer Klub-Weltmeisterschaft dabei zu sein. Das ist einfach fantastisch für uns, insbesondere weil wir wissen, dass wir nicht mehr besonders lange spielen werden."

Mit fast 34 bzw. fast 35 Jahren haben die beiden "Senioren" von CA River Plate, die gemeinsam 26 Spielzeiten in Europa auf dem Konto haben, eine Chance, von der sie vor zehn Monaten nicht einmal zu träumen gewagt hätten: Gegen Ende ihrer glanzvollen Karrieren können sie bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft auflaufen, und zwar für den Klub, durch den sie seinerzeit ins Blickfeld der europäischen Spitzenvereine gerückt sind.

"Ich genieße jeden Augenblick", versichert González im Gespräch mit FIFA.com wenige Tage vor dem Aufbruch nach Japan. "Ich trainiere jeden Tag, um meine Karriere zu einem glücklichen Abschluss zu bringen", fügt Saviola hinzu. Mitte 2015 saß El Conejo bei Hellas Verona mehr auf der Bank als er spielte, und Lucho schlug sich in der zweiten katarischen Liga durch, als der Anruf aus dem Estadio Monumental in Buenos Aires kam. Das verlockende Angebot war die Teilnahme am Halbfinale der Copa Libertadores, dem Turnier, in dem beiden Spielern in jüngeren Jahren der Erfolg immer verwehrt geblieben war.

"Das war ein Motiv zur Rückkehr, und glücklicherweise ist es uns gelungen, die Copa zum ersten Mal zu gewinnen. Das war uns vorher immer ein Dorn im Auge gewesen. Für mich war das eine Revanche, weil ich zuvor zwei Mal im Halbfinale ausgeschieden war und nie ein internationales Turnier gewonnen hatte. Ich glaube, mir ist das volle Ausmaß dieses Turniersieges noch immer nicht wirklich bewusst", so der Mittelfeldspieler. "Als Spieler und als Fan war es für mich immer ein Traum, eines Tages die Copa Libertadores zu gewinnen", fügt Saviola hinzu.

Barcelona im Visier
Seit dem 5. August, dem Tag, an dem die Tigres mit 3:0 besiegt wurden, River Plate sich zum Südamerikameister krönte und eine Welle der Erleichterung durch Buenos Aires schwappte, warten nicht nur die beiden "Senioren" sehnsüchtig auf die WM, sondern auch alle anderen, die etwas mit dem Verein zu tun haben. "Man spürt die Vorfreude, die Lust, dieses Turnier zu spielen. Das werden sehr emotionale Spiele werden, ein einzigartiges Erlebnis", so Saviola, der doppelt motiviert sein dürfte, falls River und der FC Barcelona sich am 20. Dezember im Finale gegenüberstehen sollten: "Ich stelle es mir schon vor, aber gleichzeitig ist es schwer, meine Gefühle zu beschreiben. River ist der Klub, bei dem ich groß geworden bin und später war Barça der europäische Klub, bei dem ich am besten behandelt worden bin und am glücklichsten war."

Obwohl beide immer wieder erklären, dass es zunächst einmal gelte, das Halbfinale am 16. Dezember zu überwinden, dreht sich das Gespräch doch um die Möglichkeit, sich mit Barcelona zu messen. "Sollte es dazu kommen, werden sie sich überlegen fühlen und für alle in der Favoritenrolle sein. Doch wir müssen uns bewusst machen, dass auch sie schon Spiele verloren haben, dass dort elf gegen elf auf dem Platz stehen und dass es keine unschlagbaren Mannschaften gibt", so Lucho. "Wenn wir denken, dass sie Fussballgenies sind, werden wir schlecht aussehen", fügt Saviola hinzu. "Wir müssen dafür sorgen, dass sie sich unwohl fühlen, damit sie nicht das nötige Selbstvertrauen bekommen. Gleichzeitig müssen wir aber auch davon überzeugt sein, dass wir unseren Teil leisten können."

Beide analysieren die Partie, von der sie träumen, aus psychologischer und spielerischer Sicht. "Ich sage das als Außenstehender, weil ich es dort, wo ich gespielt habe, nie selbst erlebt habe. Aber ich habe das Gefühl, dass die europäischen Mannschaften mit dem Bewusstsein in diese Endspiele gehen, dass sie gewinnen werden. Wenn sie die Sache so entspannt angehen, wird es für sie dann oftmals kompliziert", meint González, der jedoch auch noch ein Gegenargument bringt: "Im Gegensatz dazu sind diese Spiele für uns, als wollten wir den Himmel mit den Händen berühren." Saviola nimmt auf die jüngste Geschichte Bezug: "Gegen Santos [im Finale von 2011, Anm. d. Red.] war der Unterschied enorm, aber Estudiantes [im Finale von 2009] hat gegen Barcelona ein sehr gutes Spiel abgeliefert und es dem Gegner sehr schwer gemacht." Lucho äußert sich begeistert über eine der großen Qualitäten von River während der Copa Libertadores, nämlich Druck nach vorn zu machen und den Gegner einzuschnüren: "Sie fühlen sich nicht wohl, wenn sie unter Druck gesetzt werden, und das ist eine unserer Stärken. Das hat uns schon sehr viel Beifall eingebracht, und wir fühlen uns besser, wenn wir so spielen. Nach der Copa ist uns dieser Druck abhandengekommen, aber wir versuchen, das wieder zu ändern."

Saviola, dem bewusst ist, dass die europäischen Teams sieben der letzten 10 Endspiele gewonnen haben, gibt sich dennoch optimistisch: "Wir werden ihnen die Stirn bieten. Wir werden hoch motiviert und intelligent an die Sache herangehen. Es wäre sehr schön, einen Negativtrend für die südamerikanischen Mannschaften umdrehen zu können."

Rückkehr mit Problemen
Beide Spieler setzen darauf, ihre Erfahrung auf dem Spielfeld einbringen zu können, wissen allerdings, dass es nicht einfach werden wird. Nach ihrer Rückkehr zu River - Saviola nach 14 Jahren, González nach elf - konnte keiner von beiden sich im Team von Marcelo Gallardo einen Stammplatz sichern. "Bevor ich wegging, gab es mehr Räume, mehr Zeit zum Spielen. Heute ist es in Argentinien sehr schwer, diese Räume zu finden", meint *Lucho, *der in wichtigen Spielen häufiger zum Einsatz kam als Saviola. "Ich bin zufrieden, ich habe einige Minuten angesammelt. Man will natürlich immer spielen, aber der Trainer weiß, dass er auf mich zählen kann, ob ich nun über die gesamte Spieldauer oder nur fünf Minuten zum Einsatz komme."

Saviola, der im Laufe seiner Karriere zahllose Torerfolge verbuchen konnte, hat seit seiner Rückkehr unglaublicherweise noch keinen einzigen Treffer erzielt. "Ich bin noch immer fest davon überzeugt, dass es der richtige Augenblick für die Rückkehr war, auch wenn es gerade nicht wie erwartet läuft. Ich setze alles daran, dass der unbedingte Wille zu treffen und gute Partien abzuliefern nicht genau das Gegenteil bewirkt. Ich kämpfe darum, um sagen zu können, dass ich meine Karriere bestmöglich beendet habe."

Daher wäre es für Saviola besonders wichtig, gegen *Barça *zu spielen und die Klub-WM zu gewinnen. "Das wäre der krönende Abschluss meiner Laufbahn."

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