FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Paraguay 2019

FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Paraguay 2019

21 November - 1 Dezember

FIFA Beach-Soccer-WM 2019

Ozu: "Ich bin Japan verfallen"

Japan's Ozu Moreira
© Getty Images
  • Ozu Moreira beschreibt, wie er der japanischen Kultur und Küche verfiel
  • Der Verteidiger spricht über seine 100 Länderspieltore für Japan
  • Ozu will in Paraguay eine Medaille holen

"Ich habe angefangen, Beach Soccer zu spielen, als ich sechs Jahre alt war, an der Copacabana", erzählt Ozu Moreira im Gespräch mit FIFA.com. "Ich habe gegen Jungs wie Rafinha, Boquinha und Mauricinho gespielt. Und natürlich habe ich davon geträumt, Beach-Fussballer zu werden."

Jedes Kind, das dem Ball an den paradiesischen Stränden von Rio de Janeiro nachjagt, träumt wohl davon, eines Tages für Brasilien zu spielen. Die eben genannten Rafinha, Boquinha und Mauricinho tun heute genau das.

Doch Ozu hatte einen etwas anderen Traum: "Mein Traum war es nie, für die Seleção zu spielen", erklärt er. "Ich wollte im Ausland spielen, eine neue Kultur kennen lernen und dort vom Beach Soccer leben können.

Eine kurze Zeit habe ich in Deutschland gespielt, und dann bekam ich ein Angebot, in Japan zu spielen. Als ich 2007 in Japan ankam, verliebte ich mich sofort in die Kultur, die Warmherzigkeit der Japaner Ausländern gegenüber, den Respekt.

Ich hatte noch nie Sushi und solche Sachen gegessen, aber es fiel mir nicht schwer, es zu mögen. Das japanische Essen ist wirklich gut. Wenn ich heute ins Ausland fahre, freue ich mich immer auf die Rückkehr nach Japan, weil ich mich so sehr an das Leben dort gewöhnt habe."

Eine Reise von Rio de Janeiro nach Tokio dauert mehr als 30 Stunden, und Ozu hatte keine Gelegenheit, international zu spielen, doch sein Talent war so außerordentlich, dass sich Brasilien schon recht bald wieder bei ihm meldete.

"Bevor ich die japanische Staatsangehörigkeit annahm, kam eine Nominierung für die brasilianische Nationalmannschaft", erzählt er. "Ich fühlte mich durch die Anerkennung sehr geehrt, aber ich war Japan schon zu sehr verfallen. Im Herzen war ich bereits Japaner.

Alle sagten mir: 'Wenn du für Brasilien spielst, wirst du mehrere Weltmeisterschaften gewinnen', und natürlich würde ich fürchterlich gern die Beach-Soccer-WM gewinnen. Aber ich habe mich trotzdem entschieden, Japaner zu werden und für Japan anzutreten.

Um Japaner zu werden, musste ich fließend Japanisch sprechen können und fünf Jahre dort gelebt haben. Hätte ich für Brasilien gespielt, hätte ich wohl bei mehr WM-Turnieren gespielt. So habe ich erstmal zwei verpasst."

Aus dem Brasilianer Osmar, so sein Geburtsname, wurde 2012 der Japaner Ozu. Und sein langes Warten auf die Teilnahme an der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft hat sich gelohnt.

Bei der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Tahiti 2013 trug der1,90 Meter große Verteidiger mit zwei Toren aus der Distanz zum dramatischen 4:3-Sieg gegen die Elfenbeinküste bei, der seinem Team den Einzug ins Viertelfinale bescherte. In dieser überaus spannenden Partie gegen Brasilien spielte er herausragend und verlor mit Japan nur denkbar knapp mit 3:4. Nach dem Turnier wurde Ozu mit dem Silbernen Ball von adidas ausgezeichnet.

Ozu erzielte kürzlich in seinem 93. Länderspiel sein 100. Tor für Japan. Und natürlich war es ein Freistoß aus der Distanz, seine absolute Spezialität.

"Ich hatte selbst gar nicht mitgezählt. Aber vor einer Weile ließ mich der japanische Verband wissen, dass ich bereits 90 Länderspieltore erzielt hatte", verrät er. 'Wow!, dachte ich.

Brasilien erzielt ja immer viele Tore. Aber Japan eigentlich nicht, wir spielen viel defensiver. Dass also ein Verteidiger 100 Tore schießt, und dafür nicht einmal 100 Spiele braucht, ist schon etwas sehr Besonderes. Nie zuvor hatte ein Spieler 100 Tore für Japan erzielt. Das war für mich persönlich ein wichtiger Meilenstein.

Ganz besonders glücklich war ich bei meinem 100. Tor allerdings, weil alle Spieler und der Trainer zu mir gerannt kamen und mich umarmten und beglückwünschten. Es war nicht nur ein Meilenstein für mich, sondern ein Meilenstein für alle. Es ist ein sehr schönes Gefühl, von allen hier in Japan so geliebt zu werden.

Ich denke, ich werde bei der WM mein 100. Länderspiel für Japan spielen. Das wäre dann ein weiterer toller Meilenstein."

Bei der Auslosung für Paraguay 2019 landete Japan in Gruppe A mit den Gastgebern, der Schweiz und den USA.

"Paraguay hat ein sehr starkes Team mit sehr guten Spielern", so Ozus Einschätzung. "Wir spielen in ihrem Land und der Gegner hat sehr leidenschaftliche Fans im Rücken. Und mit Guga haben sie auch einen großartigen Trainer. Für mich ist Paraguay einer der Favoriten auf den Titelgewinn.

Das wird ein wirklich schweres Spiel für uns, aber das ist gut, denn wir spielen in einem voll besetzten Stadion, vor den Augen des Fernsehens und der Medien aus aller Welt. Das begeistert uns.

Die Schweiz ist insbesondere im Angriff sehr stark, und gegen die USA ist es immer schwierig. Es ist sicher keine Hammergruppe wie die mit Brasilien und Portugal, aber es ist durchaus eine schwere Gruppe. Ich glaube aber fest an unser Nationalteam. Unser Ziel ist es, eine Medaille zu holen.

Brasilien ist der Topfavorit. Sie haben die beste Mannschaft der Welt. Alle zwölf Spieler sind herausragend. Man könnte die gesamte Startformation auswechseln und das Team wäre immer noch genau so stark. Gilberto ist zudem der beste Trainer der Welt.

Dann wären da ja auch noch Russland, Portugal und Tahiti. Und nicht zu vergessen Paraguay, das den Heimvorteil hat."

Der heute 33-Jährige verfolgte als Heranwachsender Beach Soccer so intensiv wie kaum jemand und spielte während seiner Karriere an der Seite und gegen die besten Akteure der Welt.

"Benjamin ist der kompletteste Beach-Soccer-Spieler, den ich je gesehen habe", so Ozu. "Er ist unglaublich talentiert und gleichzeitig überaus zielgerichtet. Der spektakulärste von allen war Jorginho 'Bicicleta'. Er wusste wirklich, wie man aus dem Spiel eine Show macht. Und auch Junior Negao sehe ich ganz weit oben.

Bruno Xavier gehört ebenfalls zu meinen Top 5. Auch er ist sehr komplett. Ich sehe ihm zu und denke mir, dass ich viel von ihm lernen kann. Xavier, Rodrigo und Mao sind aktuell drei der besten Spieler der Welt.

Brasilien wird kaum zu schlagen sein, aber ich würde den Japanern gern etwas zurückgeben für all das, was sie für mich getan haben, und Japan zum Gewinn des Weltmeistertitels verhelfen."

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