FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Portugal 2015

FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Portugal 2015

9 Juli - 19 Juli

FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft 2015

Entwicklungstraum wird für Madagaskar wahr

Senegal vs. Madagascar (1-1, PEN 1-2) at the African Beach Soccer Championship
© Others

Es ist allgemein bekannt, dass die FIFA weltweit umfassende Entwicklungsprogramme auflegt, und Madagaskars Teilnahme an der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Portugal 2015 zeugt davon, wie mit zielgerichteter Arbeit und finanzieller Unterstützung in relativ kurzer Zeit viel erreicht werden kann. "Alles begann mit einem Schulungskurs der FIFA während der Landesmeisterschaft im Jahr 2009. Der Kurs fand in der Stadt Toamasina an der Ostküste der Insel statt. Einige FIFA-Instruktoren, darunter auch Claude Barrabé, kamen nach Madagaskar, um Trainer und Schiedsrichter zu schulen", erklärt Solofo Tsihavanana, Assistenztrainer der Nationalmannschaft.

Die Investition sollte sich bereits zwei Jahre später auszahlen, als der Inselstaat 2011 in Marokko zum ersten Mal an der Beach-Soccer-Afrikameisterschaft teilnahm. Der Neuling kam gut aus den Startblöcken, unterlag zwar in der Gruppenphase gegen Nigeria, konnte sich jedoch gegen Südafrika durchsetzen und zog ins Halbfinale ein. In der Runde der letzten Vier mussten die Madagassen sich dann zwar gegen Nigeria geschlagen geben und unterlagen im Spiel um Platz drei nach Neunmeterschießen gegen Ägypten, aber sie waren zweifellos auf der kontinentalen Bühne angekommen. Zwei Jahre später nahm Madagaskar erneut an der Afrikameisterschaft teil, kam dieses Mal jedoch nicht über die Gruppenphase hinaus.

"Nach dem ersten Schulungskurs im Jahr 2009 wurden wir zu einem Turnier auf der Insel La Réunion eingeladen, an dem auch Länder wie Spanien und Frankreich teilnahmen. Seitdem hat die madagassische Nationalmannschaft kontinuierlich Fortschritte gemacht. Außerdem gab es nach 2009 noch zwei weitere Schulungskurse der FIFA", meint Tsihavanana rückblickend.

Nachdem man sich 2011 und 2013 nicht für das Weltturnier qualifizieren konnte, wollten die Madagassen es dieses Jahr unbedingt besser machen, als Afrikas Elite sich zum Kontinentalturnier auf den Seychellen einfand. Da die Sportart in Afrika auf dem Vormarsch ist, mussten die Teams sich für die Endrunde qualifizieren. Vor dem Qualifikationswettbewerb beschloss die Führungsriege des madagassischen Fussballs, dass ein neuer Trainer her sollte und wandte ihre Aufmerksamkeit der Nachbarinsel Réunion zu, auf der FIFA-Instruktor Barrabé lebte. Die Verantwortlichen überzeugten ihn, beim Qualifikationsturnier das Amt des Nationaltrainers zu übernehmen. In der Qualifikation wurde den Barea, wie das Team auch genannt wird, Südafrika zugelost, das als Anwärter auf einen Startplatz in Portugal galt. Obwohl beide Partien in Südafrika stattfanden, erwies sich Madagaskar jedoch als zu stark und setzte sich mit 5:1 und 4:2 durch.

Schritt für Schritt
Als Vorbereitung auf die Endrunde nahm das Team am COSAFA Beach Soccer Cup teil, der im neu errichteten Stadion in Roche Caiman auf den Seychellen stattfand. Im selben Stadion sollte nur wenige Tage später die Afrikameisterschaft ausgetragen werden. Madagaskar gewann die erste Auflage des Pokals mit einem Sieg im Finale gegen Malawi. Der Triumph war bereits ein Hinweis auf zukünftige Erfolge, denn das Team stand nach Siegen gegen Senegal, Ghana und Marokko an der Tabellenspitze seiner Gruppe. Im Halbfinale setzte man sich nach Neunmeterschießen gegen die Elfenbeinküste durch und musste nun im Finale gegen den amtierenden Afrikameister Senegal antreten.

Obwohl Madagaskar mit dem Einzug ins Endspiel das Hauptziel, die Qualifikation für Portugal, bereits erreicht hatte, wollte das aufstrebende Team mehr und konnte sich schließlich im Neunmeterschießen gegen Senegal durchsetzen. Damit hatte man den ersten kontinentalen Titel in der Tasche. "Dies ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sehr die Beach-Soccer-Entwicklungsprogramme der FIFA Madagaskar zugutegekommen sind. Nach der Krönung in Afrika wird das Land nun an seiner ersten FIFA-WM teilnehmen", so Brent Rahim, Koordinator für Beach Soccer und Futsal bei der FIFA.

Tianasoa Rabeasimbola, der erfahrene Kapitän des Teams, weiß, worin der Unterschied zwischen den vorherigen Afrikameisterschaften und dem Turnier auf den Seychellen bestand: "Ich habe von Anfang an für die Nationalmannschaft gespielt. Wir haben uns Schritt für Schritt weiterentwickelt und immer an unsere Fähigkeiten geglaubt, auch wenn es manchmal schwer war, nach Tiefschlägen wieder zurückzukommen. Mit Claude Barrabé hat sich 2015 alles geändert. Er ist ein hervorragender Trainer mit einer sehr guten Taktik. Er hat exzellente Beziehungen zu allen Teammitgliedern aufgebaut."

Der Erfolg inspiriert
Barrabé, der als fehlendes Teilchen im madagassischen Beach-Soccer-Puzzle beschrieben wurde, möchte keinesfalls alle Lorbeeren für den Erfolg einheimsen. "Ich leiste meinen Beitrag auf taktischer Ebene und gebe auch meine Erfahrung weiter. Ich war schon viele Male auf Madagaskar, um dem Land bei der Entwicklung des Beach Soccer zu helfen, daher kannte ich die Akteure bereits. Mit dem Präsidenten des madagassischen Verbands, Ahmad , bin ich seit vielen Jahren befreundet. Er rief mich vor einigen Monaten an und fragte mich, ob ich die madagassische Nationalmannschaft trainieren wolle. Ich nahm die Herausforderung an. Wir haben viele Monate lang sehr hart gearbeitet und jetzt zeigen sich die Ergebnisse unserer Bemühungen."

Laut Rahim kann der Erfolg des Teams durchaus auch auf andere Mannschaften abfärben. Der Prozess wurde bei einem Entwicklungs-Workshop, der in Zusammenarbeit der FIFA, des CAF, des Fussballverbands der Seychellen und Beach Soccer Worldwide abgehalten wurde, deutlich. Bei diesen Treffen sollten das Verständnis von Trainern und Schiedsrichtern verbessert, sowie verwaltungsmäßige Veränderungen auf dem Kontinent angesprochen werden. "Wir sind davon überzeugt, dass der Erfolg Madagaskars eine Inspiration für andere Mitgliedsverbände sein kann und ihnen verdeutlicht, dass mit einem strategischen Ansatz und mit der Unterstützung der FIFA große Dinge möglich sind."

Wie weit das Beach-Soccer-Märchen noch gehen kann, werden wir in Portugal sehen, wo die Barea in Gruppe D gegen Russland, Paraguay und Tahiti antreten müssen.

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