FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Tahiti 2013

FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Tahiti 2013

18 September - 28 September

FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft 2013

Beach Soccer: Ein Sport in konstanter Entwicklung

Ramon Raya, Madjer and Henri Emile during the FIFA Beach Soccer World Cup Tahiti 2013 Semi Final match between Russia and Tahiti at the Tahua To'ata stadium on September 27, 2013 in Papeete, French Polynesia
© Getty Images

Ein Luxus. So haben die Protagonisten des Turniers selbst die Technische Studiengruppe der FIFA genannt, die zur FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Tahiti 2013 entsandt wurde. Sie besteht aus dem Franzosen Henri Emile (70 Jahre), zwischen 2006 und 2008 Mitglied des Trainerstabs der französischen Beach-Soccer-Nationalmannschaft und seitdem FIFA-Instrukteur, Ramón Raya (45), Nationaltrainer Mexikos, Vize-Weltmeister von 2007 und ebenfalls FIFA-Instrukteur, und dem Portugiesen Madjer (36), Vize-Weltmeister von 2005, Rekordtorschütze des Wettbewerbs und immer noch aktiv.

FIFA.com sprach mit den Dreien, um ihre Meinung zum laufenden Wettbewerb sowie zur Gegenwart und Zukunft der Disziplin zu erfahren.

Jeder von Ihnen ist seit den ersten FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaften im Strandfussball involviert. Wie sehr hat sich das Spiel seitdem verändert?Madjer: Früher war das Spiel spektakulärer. Doch die Länder, die noch nicht so lange dabei sind, haben auf die Taktik und die körperliche Kraft gesetzt, um jene mit den größeren technischen Fähigkeiten zu bremsen. Es wird enger gedeckt, es gibt weniger Räume und weniger Klasse...

Raya: Es ist wahr, dass sich das Spektakel wandelte, da wir Mannschaften waren, die keine spektakulären Spielzüge realisieren konnten. Und um mitzuhalten, mussten wir den athletischen Bereich verbessern. Heute haben alle ein taktisches System, kennen die Gegner, wissen, wie sie gefährlich sein können oder sich zu verteidigen haben.

Emile: Meiner Ansicht nach ist der große Unterschied, dass die Mannschaften heute über Kader mit höherer Qualität verfügen und sich besser auf die Endrunden der Wettbewerbe vorbereiten. Alle Kontinente sind dabei, den Strandfussball weiterzuentwickeln und konkurrenzfähig zu werden.

Wie sehen Sie diesen Bedeutungszuwachs des taktischen Aspekts?Raya: Diese Entwicklung war logisch, wie ich schon sagte, um den Wettkampf mit den Großmächten auszugleichen. Auch wenn sich heute sogar Portugal und Brasilien in diesem Aspekt verbessern mussten. Brasilien zum Beispiel bindet heute den Torhüter mit ein und tat das früher nicht. Ein anderes Beispiel ist Russland, das Dinge aus dem Futsal praktiziert, die auf Sand schwer zu machen sind, doch die Technik seiner Spieler ermöglicht das.

Emile: Ich stelle aktuell einen Fortschritt in den grundlegenden Funktionen fest: Die Aufstellungen verändern sich im Verlauf des Spiels und die Spieler erfüllen bis zum Ende eines Spielzugs eine bestimmte Funktion, sei es defensiv oder offensiv. Der Stürmer beispielsweise bleibt nicht nur in der Spitze, sondern ist auch am defensiven Spiel beteiligt.

Diese Auflage hat unter anderem die Rückkehr Spaniens auf das höchste Niveau erlebt, auch ohne ein Beach-Soccer-Idol wie Amarelle. Was denken Sie darüber?Madjer: Man merkt, dass mit den neuen Jungs in der Mannschaft viel gearbeitet wurde. Einige von ihnen waren noch nie bei einer WM dabei. Wichtig ist, dass andere Trainer sehen, wie sie es machen: Mit einer Gruppe von Spielern, die anfingen, mit ihnen zu arbeiten, ohne so sehr davon abzuhängen, ob man sich für eine WM qualifiziert oder nicht. Später kommen auch die Ergebnisse und das Selbstvertrauen.

Raya: Der Fussball-"Boom" in Spanien hat auch auf den Beach Soccer abgefärbt. Man sieht Spieler, die exzellente Technik, Schnelligkeit und Intelligenz vereinen. Es sind Qualitäten, die eher der Futsal-Tradition als dem Strandfussball angehören. Sie haben bewiesen, dass sie eine Mannschaft sein können, die nicht von einem oder zwei Einzelkönnern abhängig ist.

Was sagen Sie zur Leistung Tahitis. Es ist ein Phänomen, das über den bloßen Status des Gastgebers hinausreicht?Emile: Für mich sind sie die angenehme Überraschung dieser WM. Man merkt, dass es ein gut vorbereitetes Team ist. Es besteht aus Fussballern von hoher Qualität, die keine Komplexe haben und permanent angreifen.

Raya: Schon in Ravenna war ihre außergewöhnliche körperliche Kraft zu sehen und wie gut sie den Ball in der Luft hielten. Es fehlte ihnen ein wenig an taktischer Ordnung und dem Wissen, wie man einige Bewegungen der Gegner aufhält. Tahiti hat einen Trainer, der schon einmal Vize-Weltmeister war (Anm. d. Red.: der Schweizer Angelo Schirinzi) und viel über Taktik weiß. Er kombinierte beide Sachen. Und man sieht das Ergebnis.

Zum Abschluss: Glauben Sie, dass die Technik in diesem Sport wieder die Oberhand gewinnen wird?Emile: Die Entwicklung des Strandfussballs, zum Beispiel in den afrikanischen Ländern, hat dazu geführt, dass das Spiel körperbetonter und die Kraft wichtiger geworden ist. Doch die Spieler werden mehr an der Technik arbeiten müssen, um dieser Kraft zu entgehen. Die Mannschaft, die die Technik des Spielers in den Dienst des Kollektivs stellt, wird immer stärker sein.

Madjer: Ich denke, dass die Technik am Ende immer den Unterschied ausmachen wird. Es wird eine Zeit dauern, bis wir wieder viele spektakuläre Spiele wie früher sehen, doch die Zukunft ist vielversprechend.

Raya: Wenn alle die Taktik, die Physis und den Biotypus verstanden haben, die man auf Sand braucht, werden diejenigen Mannschaften und Spieler, die eine bessere Technik haben, wieder die Oberhand gewinnen. Es ist ein großes Glück, dass es im Strandfussball heute eine größere Konkurrenz gibt. Denn das ist ein Anreiz für die Länder, die früher normalerweise verloren, weiterzuarbeiten. Wenn alle arbeiten, ist die Folge ein besserer Strandfussball für alle.

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