FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Rio de Janeiro 2006

FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Rio de Janeiro 2006

2 November - 12 November

;

Das Jahr der Bestätigungen

FIFA Beach Soccer World Cup Rio de Janeiro 2006
© FIFA.com

Auf brasilianischer Seite wird man sich jetzt sicher sagen, dass das Jahr 2005 nur ein Ausrutscher war. Eine Überraschung, wie sie eben von Zeit zu Zeit vorkommt. 2001 von Portugal und im Vorjahr von Frankreich des Weltmeisterpokals beraubt, ist die Welt der Auriverdes seit Sonntag wieder im Lot: Der November 2006 bescherte ihnen den zehnten WM-Titel im Beach Soccer. Dabei zeigten sich die Schützlinge von Trainer Alexandre Soares während der zehn intensiven Tage an der Copacabana so souverän, dass sie auf dem Weg zum Titel nie aufzuhalten waren.

Wenn es an der Gesamtvorstellung der Gastgeber überhaupt etwas zu bemängeln gibt, dann allenfalls die ungewöhnlich hohe Zahl an Gegentoren im allerdings bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen die USA (10:6), und dass die Siege im Halbfinale gegen Portugal (7:4) und im Endspiel gegen Uruguay (4:1) erst recht spät zustande kamen.

"Ich weiß, dass unsere Fans zu Beginn der WM nicht unbedingt zuversichtlich waren", so Trainer Alexandre Soares gegenüber FIFA.com. "Aber ich habe nur eines erwartet: Dass die von mir nominierten Spieler auf dem Platz ihr Können zeigen. Wir waren zwar Favorit, mussten diese Rolle aber noch bestätigen. Meine Mannschaft hat letztlich noch mehr als das getan. Ich bin sehr stolz auf sie. Der Titel gehört der Mannschaft, auf keinen Fall mir."

*Uruguay mit perfektem Defensivspiel *
Das so gelobte Kollektiv war es letztlich auch, das den Ausschlag gegen die Überraschungsmannschaft aus Uruguay gab. In Gruppe C mit den Salomon-Inseln, Kamerun und Portugal hatte die Celeste das Viertelfinale mit Sicherheit eingeplant - aber wohl kaum mehr. Dann aber überstanden die Uruguayer auch das historische Spiel gegen Argentinien und ein Neunmeterschießen gegen Frankreich, sahen sich unversehens im Endspiel dem Gastgeber gegenüber und hielten auch in dieser Partie lange Zeit mit.

"Wir waren schon ungeheuer glücklich, das Finale erreicht zu haben. In diesem haben wir dann unser Ziel gut erreicht, die Brasilianer von der ersten Minute an in Schach zu halten. Aber mit zunehmender Spieldauer haben wir ihnen dann immer mehr Raum gelassen. Das Ergebnis geht in Ordnung. Brasilien war besser als alle anderen." Uruguays Charrúas glänzten auf ihrem Weg ins Endspiel dabei nicht mit südamerikanischer Finesse, sondern vielmehr mit fast perfekter Defensivleistung.

Und das in einem Turnier, dessen Niveau im Vergleich zum Vorjahr insgesamt noch einmal gestiegen ist. Den Zuschauern an der Copacabana dürften beispielsweise auch die jungen Spieler Nigerias bestens im Gedächtnis geblieben sein, die um ein Haar ins Viertelfinale gekommen wären. Selbiges gilt für Polen, die drittbeste Mannschaft Europas, mit seinem Star Jacek Ziober. Im entscheidenden Spiel gegen Japan gaben die Osteuropäer bis zur letzten Sekunde alles.

Zu den erfrischenden Entdeckungen der Vorrunde gehörten auch die Neulinge aus Kamerun und von den Salomon-Inseln, denen der unbedingte Wille jederzeit anzumerken war. Beide verließen Rio mit einem Sieg im Gepäck und könnten schon im kommenden Jahr stärker zurückkommen.

Portugal und Frankreich dominieren Europa

Dieses Ziel haben sich definitiv auch die beiden Enttäuschten des Turniers gesetzt. Für Spanien und Italien war nämlich schon in der Vorrunde Endstation - und beide Teams weckten dabei nicht den Eindruck, Besseres verdient zu haben. Bei den Zuschauern in Rio dürfte sich einzig Spaniens Star Amarelle mit seinen Kabinettstückchen beliebt gemacht haben. Wie schon im Vorjahr vergoss der iberische Kapitän nach dem Ausscheiden Spaniens bittere Tränen.

Hinsichtlich der weltweiten Hierarchie muss auch festgehalten werden, dass Bahrain und Japan in Asien das Maß aller Dinge sind. Angesichts von Talenten wie Abdulla Ismaeel Omar und Takeshi Kawaharazuka in ihren Reihen stehen diese beide Mannschaften vor einer erfolgreichen Zukunft. Die knappen Niederlagen im Viertelfinale gegen Portugal (2:6) bzw. Frankreich (2:3) sagen viel über das Vermögen dieser Mannschaften aus.

Überhaupt gilt es festzustellen, dass die vermeintlich "Kleinen" zwar mächtig aufgeholt haben, die weltweite Hierarchie aber noch nicht auf den Kopf stellen können. Frankreich wurde Dritter, Portugal Vierter. Insgesamt bestätigt das die Ausnahmestellung dieser beiden europäischen Teams in der Beach-Soccer-Welt. Groß war die Enttäuschung vor allem bei Frankreich nach dem Verlust des zum Greifen nahen Titels. "Wir wollten auf den ersten Podiumsplatz, nicht auf den letzten", gab Trainer Eric Cantona unumwunden zu. "Deshalb ist es bei allen menschlichen Qualitäten, die meine Spieler gezeigt haben, trotzdem eine immense Enttäuschung. Die Mannschaft hätte Besseres verdient gehabt."

Portugals Trainer Zé Miguel musste sich am Ende gar mit dem viel besungenen "undankbaren vierten Platz" bescheiden. "Wir wollten all unsere Begegnungen gewinnen. Daher kann ich mit dem vierten Platz nicht zufrieden sein", so der Coach. "Meine Spieler können sich nur an die eigene Nase fassen und künftig noch eine Schippe drauflegen. Ich weiß noch nicht, wie es weiter geht. Ich fliege jetzt erst mal zurück nach Portugal, nehme mir eine Auszeit und entscheide dann, ob ich weiter mache." Für die jungen Spieler Ricardo Loja, Gustavo und Andrezinho war es ihre erste WM. Sie werden den November 2006 sicher in guter Erinnerung behalten.

Madjer nicht zu halten

Bester Spieler des Turniers war erneut der Portugiese Madjer. Mit 21 Toren sicherte er sich erneut den Goldenen Ball und den Goldenen Schuh von adidas. Die Nummer 7 der Selecçao bestach durch individuelle Klasse. Wie kein zweiter Spieler auf der Welt vereinigt Madjer Geschicklichkeit, Kaltschnäuzigkeit und sportliche Fairness auf sich.

Aber auch der neue Weltmeister Brasilien geizt nicht mit Talenten. In seinen Reihen stehen immerhin Spieler wie Benjamín (Gewinner des Silbernen Balls und des Silbernen Schuhs von adidas), Burú, Torhüter Mão oder auch Routinier Junior Negão. Letztlich durchgesetzt aber haben sich die Brasilianer nicht ob des gebotenen tollen Spektakels, sondern weil sie kein Spiel auf die leichte Schulter genommen haben. Und die Zuschauer, die zu Beginn noch den ausgemusterten Jorginho vermissten, waren rasch verzaubert vom langen Bruno im Sturm. Dieser erzielte insgesamt zehn Tore und heimste dafür auch gleich den Bronzenen Ball und den Bronzenen Schuh von adidas ein.

Zu den Entdeckungen des Turniers zählten auch der Franzose Jérémy Basquaise und der Pole Boguslaw Saganowski mit ihren je sieben Toren, der Kanadier Sipho Sibyia sowie James Naka von den Salomon-Inseln.

Der Zuschauerzuspruch an der Copacabana war ausgesprochen groß. Auch unter der Woche waren die 10.000 Plätze des Stadions für die FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft bereits morgens meistens voll besetzt. Angeführt von "Edelfan" Bola Siete, verliehen die Trocedores dem Turnier eine großartige Partyatmosphäre. Und im kommenden Jahr, wenn Brasilien zur Titelverteidigung antritt, dürfte die Stimmung sogar noch besser werden. Da kommt jetzt schon Freude auf!

Teilnehmer
Brasilien, Polen, USA, Japan, Spanien, Frankreich, Kanada, Iran, Solomoninseln, Kamerun, Portugal, Uruguay, Italien, Bahrain, Nigeria, Argentinien

Abschlusstabelle

  1. Brasilien

  2. Uruguay

  3. Frankreich

  4. Portugal

Ausgeschieden im Viertelfinale: Argentinien, Bahrain, Kanada, Japan
Ausgeschieden in der Vorrunde: Kamerun, Spanien, USA, Salomon-Inseln, Iran, Italien, Nigeria, Polen

Tore (gesamt)
286 (Schnitt 8,94)

Beste Torschützen

  1. Madjer (POR) 21 Tore
  2. Benjamín (BRA) 12 Tore
  3. Bruno (BRA) 10 Tore
;

K.-o.-Runde

;

FIFA BEACH-SOCCER-WELTMEISTERSCHAFT