Entwicklung

Südafrikas Klubs heben die Standards

Als den Mitgliedern der südafrikanischen Premier Soccer League (PSL) bei einem Seminar im November 2013 erstmals die Idee einer "Klublizenzierung" vorgestellt wurde, gab es viele neue Verfahren und Konzepte zu erfassen und zu verstehen. Doch der Leiter der Nachwuchsabteilung bei den Mamelodi Sundowns, Shawn Bishop, erkannte auf Anhieb die praktischen Vorteile: Er würde die Gelegenheit nutzen, um den Jugendbereich seines Vereins auszubauen und zu entwickeln.

Die Sundowns sind mit sechs Titeln der Rekordmeister seit der Gründung der PSL, dennoch führte der Klub bisher nur eine U-21-Mannschaft als einziges Nachwuchsteam. Als Bishop vom Umsetzungsprojekt für das Klublizenzierungssystem in Südafrika erfuhr – die Vereine müssen eine Reihe von Kriterien erfüllen, um an offiziellen Wettbewerben teilzunehmen – und diese Kriterien ein Programm zur Nachwuchsentwicklung beinhalteten, begrüßte er diese Idee schnell.

"Kurz nachdem das Konzept vorgestellt wurde und noch bevor die Anforderungen für die PSL-Klubs überhaupt festgelegt wurden, begannen wir, das zu verwirklichen", erklärt Bishop im Gespräch mit FIFA.com. "Wir haben unsere Fussballakademie bis zur Alterskategorie U-15 gegründet und arbeiten nun an einem Grundlagenprogramm für noch jüngere Altersklassen."

*Standards anpassen *Der Umsetzungsprozess von Mindestanforderungen, die von den Vereinen eingehalten werden müssen, um an offiziellen Turnieren teilnehmen zu können, beginnt auf weltweiter Ebene mit dem FIFA Klublizenzierungssystem. Dieses wird anschließend in konföderationsweite Prinzipien und schließlich in nationale Kriterien überführt. Dabei werden die Besonderheiten des Vereinsfussballs in jeder Region berücksichtigt.

Diese Standards, welche die FIFA bis Ende 2016 weltweit eingeführt haben will, betreffen verschiedene Bereiche, die von den Trainingseinrichtungen und der Nachwuchsentwicklung bis hin zur Stadionqualität und zu professionellen und geschulten Mitarbeitern reichen.

Als alle sechs Konföderationen in dieser Woche in Zürich zusammenkamen, um erstmals an dem weltweiten Programm zu arbeiten, hob der Klublizenzierungsmanager der CAF, Ahmed Harraz, das Beispiel Südafrikas als Vorbild für die Region hervor, da das Land bereits an der vollständigen Umsetzung eigener Kriterien arbeitet. "Wir haben gesehen, dass Südafrika ein sehr starkes Lizenzierungssystem entwickelt hat", sagt Harraz. "Die PSL leistet großartige Arbeit bei der Organisation der Liga und der Steigerung des Niveaus der Vereine."

Tatsächlich reisten die Offiziellen der PSL bereits über zwei Wochen vor Beginn der Saison 2015/16 durch das ganze Land, um Vereinsvertreter zu treffen und ihnen Unterstützung anzubieten bei der Bewertung aller Elemente, die von der Liga in den Kriterienkatalog aufgenommen wurden. Dies reichte von der Besprechung der Vereinsstatuten und der rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zur Überprüfung der Qualifikationen der Trainer und des medizinischen Stabs. Auch die Klubeinrichtungen wurden inspiziert und vermessen.

"Wir gingen sowohl die Anforderungen der FIFA und der CAF durch und ergänzten sie je nach unseren spezifischen Bedürfnissen. Wir begannen also mit der Aussendung der Formulare und den Besuchen bei den Vereinen, damit in der Saison 2016/17 erstmals ein vollständiges Lizenzierungssystem vorhanden ist", erklärt der Generaldirektor für Fussball der PSL, Derek Blanckensee. "Es gibt verschiedene Anforderungskategorien innerhalb unserer Ligen, die von A bis C reichen und von uns entsprechend verteilt werden. Zum Glück sind in Südafrika als Vermächtnis der Austragung der WM 2010 einige Standards sehr hoch. Bei der Klublizenzierung geht es für mich letztlich genauso sehr darum, die Kriterien zu vereinheitlichen wie darum, sie an die Besonderheiten anzupassen. Doch zum Wohle Aller sollten wir wissen, auf was wir abzielen."

*Entwicklung über die Vereinsebene hinaus *Eines der wichtigsten Elemente des Klublizenzierungssystems liegt genau in seinem Wert nicht nur für jeden einzelnen Klub, sondern für den gesamten Fussball einer Region. Dies ist auch die Begründung dafür, dass ein Verein wie Ajax Cape Town das Klublizenzierungsprojekt in Südafrika voll unterstützt, obgleich er die Prinzipien der PSL bereits erfüllte, als diese vorgestellt wurden.

"Letztlich haben wir nur bestätigt, dass wir tatsächlich alle Anforderungen erfüllen", sagt der Geschäftsführer Ari Efstathiou. "Ich kann durchaus behaupten, dass Ajax ein Vorbild ist, insbesondere durch unser Konzept einer starken Jugendakademie – mit sehr viel Unterstützung durch die Tatsache, dass wir einem europäischen Verein [Ajax Amsterdam] angegliedert sind, der nach dieser Philosophie arbeitet. Ich freue mich zu sehen, dass alle Klubs diesen Weg verfolgen, denn dies kommt dem südafrikanischen Fussball zugute. Eine Klublizenzierung sollte nicht vorhanden sein, weil wir sie haben müssen, sondern weil wir sie haben sollten. Wenn dem alle nachkommen, kann es ein fantastisches Entwicklungsinstrument sein und sogar einen direkten Einfluss auf das Nationalteam haben."

Diese Auswirkungen sind am Beispiel des Nachwuchsfussballs bereits jetzt fassbar, noch bevor das Lizenzierungssystem im Land einsatzfähig ist. "Man muss sich nur den südafrikanischen Kader ansehen, der sich für die diesjährige U-17-WM qualifiziert hat", sagt Shawn Bishop von den Mamelodi Sundowns, der die Auswahl bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft im Oktober in Chile als Assistenztrainer betreuen wird. "Die meisten unserer Spieler kommen aus vier Vereinen in der Provinz Gauteng, die an ihren Jugendakademien gearbeitet haben: SuperSport, Wits, School of Excellence und nun die Sundowns. Wenn wir es als nationales Kriterium etablieren, dass die Klubs in die Jugendentwicklung investieren müssen, werden mit Sicherheit Fortschritte und Ergebnisse zu sehen sein. Es kommt darauf an, die Klubs dafür verantwortlich zu machen, und das ist nur zu ihrem eigenen Wohl."

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