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Präsident Blatter lobt Olympische Erfolge

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FIFA‑Präsident Joseph S. Blatter sprach mit FIFA.com über das überaus beliebte und erfolgreiche Fussballturnier im Rahmen der Olympischen Spiele von London 2012.

Präsident Blatter, Sie sind sicher sehr zufrieden damit, dass die Olympischen Fussballturniere der Frauen und der Männer in ganz Großbritannien solch große Zuschauermassen angezogen haben.Die Zuschauerzahlen bei den Spielen von London 2012 haben eine Menge Rekorde gebrochen. Bei den Männern waren es über 1,5 Millionen Zuschauer und bei den Frauen rund 660.000. Das bedeutet, dass der Fussball für ein Viertel aller Ticketverkäufe von London 2012 verantwortlich war. Es war eine fantastische Erfahrung, durch das Land zu reisen und bei den Spielen so große Zuschauermengen zu sehen.

Große Arenen wie Wembley und Old Trafford beim Olympischen Fussballturnier ausverkauft zu sehen, ist fantastisch für den Fussball. Außerdem wurden die Spiele im richtigen Geist bestritten: Respekt für den Gegner, Selbstdisziplin im Verhalten der Spieler auf dem Feld und stets mit großem Siegeswillen.

Die britischen Fans gehören seit jeher zu den sachkundigsten und leidenschaftlichsten der Welt. Dies haben sie auch während der Olympischen Spiele bewiesen, bei denen sie gemeinsam mit Fans aus all den anderen Ländern den Fussball gefeiert haben. Sie waren freundlich und respektvoll und haben gemeinsam die Leidenschaft für das schönste aller Spiele genossen.

Damit haben sie auch in den anderen Stadien in Cardiff, Glasgow, Newcastle und Coventry eine wundervolle Atmosphäre geschaffen. Es hat mir und meinen Kollegen von der FIFA sehr viel Freude bereitet. Wir sind stolz, dass wir ein solch erfolgreiches Turnier miterlebt haben.

Es gab Zweifel daran, dass auch gestandene und gut verdienende Fussballer bei den Olympischen Spielen mit von der Partie sind. Die Altersgrenze beim Männerturnier lenke zudem von der Qualität der Spiele ab, hieß es. Sind derartige Bedenken jetzt endgültig ausgeräumt?Ich denke, dass wir eine gute Balance gefunden haben. Die talentiertesten jungen Spieler der Welt haben eine perfekte Bühne zur Verfügung, und zusätzlich sind ein paar ältere Spieler zulässig, die den Teams Reife und Autorität verleihen.

Die Spieler haben in jeder Partie bewiesen, dass sie bei den Olympischen Spielen dabei sein wollen und dass ihnen das Streben nach einer Medaille sehr viel bedeutet. Ich denke, dass sich die U‑23-Altersgrenze sehr gut bewährt hat. Sie verschafft jüngeren Talenten die Gelegenheit, bei einem großen Sportereignis dabei zu sein. Diese Erfahrung ist für ihre weitere Entwicklung unendlich wichtig.

Meiner Meinung nach hat sich das Format bewährt und wird Bestand haben. Ich möchte allerdings alle nationalen Verbände auffordern, die Bedeutung der Olympischen Spiele für junge Akteure zu berücksichtigen und alles ihnen mögliche dafür zu tun, dass die besten Spieler für dieses Turnier freigegeben werden. Das betrifft auch mein Heimatland, die Schweiz.

Was sagen Sie zum fussballerischen Niveau beim Frauen- und Männerturnier?Wir haben einige überaus talentierte Akteure gesehen, und eine ganze Reihe der Stars vom Männerturnier werden bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014 eine wichtige Rolle spielen.

Das fussballerische Niveau war sowohl beim Frauen- wie auch beim Männerturnier sehr hoch. Bei den Frauen sind enorme technische Fortschritte erzielt worden. Dies ist maßgeblich dem Engagement und der Leidenschaft der Trainerinnen und Trainer sowie der weltweiten fussballerischen Entwicklung zu verdanken.

Über 71.000 Fans kamen ins Wembley-Stadion, um Brasilien gegen Großbritannien zu sehen - und dann sogar über 80.000 für das Finale zwischen den USA und Japan. Fantastisch! So etwas passiert nicht zufällig. Es passiert, weil die Fans wissen, dass sie ein hochklassiges Fussballspiel zu sehen bekommen, geprägt durch Leidenschaft und Können.

Sie waren von Anfang an bei den Spielen dabei. Was waren für Sie persönlich die Höhepunkte?Es ist sehr schwer, ein bestimmtes Spiel oder einen Akteur herauszustellen. Für mich waren zwei Aspekte ganz besonders beeindruckend: die riesigen Zuschauermengen und die Tatsache, dass sich der Frauenfussball zu einer solchen Attraktion gemausert hat. Frauenfussball ist keineswegs mehr das Stiefkind des Fussballs. In vielerlei Hinsicht können die Männer sogar von den Frauen lernen, beispielsweise was Fairplay und Einstellung angeht. Zudem waren viele Spiele von großer Dramatik und packenden Szenen geprägt.

Das Turnier bot außerdem eine großartige Gelegenheit, alte Freunde wiederzusehen und neue Bekanntschaften zu schließen. Mit großer Freude habe ich beispielsweise das gemeinsame Projekt der FIFA und der Organisation Kick It Out von Lord Ouseley gestartet. Dieses Projekt wird eine weitere Plattform für die FIFA und ihre Partner im Kampf gegen jede Form der Diskriminierung.

Sie haben an allen Olympischen Spielorten Partien verfolgt. Sind Sie von den Anlagen in Großbritannien beeindruckt?Ja, natürlich! Ich war ja auch schon vorher in den meisten der Stadien, in Wembley, im Millennium Stadium in Cardiff und im Old Trafford. Dies sind fantastische Anlagen zum Fussballspielen und zum Zuschauen. Die Fans sind immer voller Leidenschaft dabei, und nun kam noch der ansteckende Olympische Geist dazu.

Im Stadion von Coventry war ich zuvor noch nie. Auch dieses Stadion hat mich sehr beeindruckt. Ich war bei zwei gleich aufeinander folgenden Spielen der Männer dort. Es war fast ausverkauft, und die Stimmung war wunderbar.

Was sagen Sie zu London 2012 allgemein? Waren es gut organisierte Spiele?Es war jedenfalls ein riesiger Erfolg. Meinem alten Freund Lord Coe und seinen Kollegen vom LOCOG gebührt die Ehre, ein solch fantastisches Spektakel auf die Beine gestellt zu haben. London ist eine der großartigsten Städte der Welt. Die Veranstaltungsorte waren durchweg erstklassig, und einige von ihnen waren zudem an wichtigen historischen Stätten untergebracht.

Diese Kombination war einfach unschlagbar. Und selbst das berüchtigte Wetter hat mitgespielt!

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