Entwicklung

FIFA-Engagement in Afghanistan zahlt sich aus

Afghanistan football development
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Eine beeindruckende Verbesserung um 48 Plätze in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auf Platz 141, stetig steigende Spielerzahlen, eine neue Fussballliga mit Mannschaften aus allen Landesteilen und mehr Anerkennung für den Frauenfussball - das sind die wichtigsten Erfolge der vielversprechenden Entwicklung des Fussballs in Afghanistan.

Bei der großen Statistik-Erhebung der FIFA im Jahr 2006 waren in Afghanistan offiziell 19.781 Spieler registriert. Diese Zahl hat sich seitdem fast verdreifacht und beträgt jetzt nach den Unterlagen des afghanischen Fussballverbandes (AFF) ca. 54.000.

Die afghanische Premier League (APL), die in der vergangenen Saison an den Start ging, ist ein großer Erfolg. Acht Mannschaften aus allen Landesteilen spielten die erste Meisterschaft aus. Im Finale vor 5.000 Zuschauern im ausverkauften AFF-Stadion in Kabul siegte Toofan Harirod mit 2:1 gegen Simorgh Alborz und holte damit den ersten Titel. Alle Spiele wurden von Tolo TV übertragen und machten die Liga im ganzen Land bekannt.

"Vor acht Jahren lag der afghanische Fussball am Boden und war so gut wie tot. Doch durch strategische Planung im Bereich der Infrastruktur ist es uns gelungen, das Fundament für die Zukunft zu legen. Das erste Goal-Projekt der FIFA war dabei von grundlegender Bedeutung. Wir bekamen einen Kunstrasenplatz, der auch heute noch für die Ligaspiele in Kabul genutzt wird. Wir haben um den Platz herum ein Stadion mit 4.000 Plätzen gebaut, das derzeit auf 6.000 Plätze erweitert wird", so AFF-Präsident Keramuddin Karim.

Zwar müssen aus Sicherheitsgründen weiterhin alle Ligaspiele in Kabul ausgetragen werden, doch die allgemeine Situation bessert sich allmählich. "Fussball ist bei den Afghanen sehr beliebt. Wir sehen den Fussball daher nicht als vorrangiges Ziel für potenzielle Angriffe, denn das wäre ein direkter Angriff auf die Herzen und die Stimmung der Menschen", so Karim weiter.

In der Taliban-Hochburg Kandahar gab es kürzlich ermutigende Anzeichen für die einende Kraft des Fussballs, als bis zu 20.000 Zuschauer in friedlicher Atmosphäre zu den Spielen des regionalen Turniers kamen.

Auch der Frauenfussball profitiert vom Start der afghanischen Premier League. "Wir beobachten einen Anstieg der Zahl der Mädchen, die daran interessiert sind, in Fussballklubs einzutreten. Die allgemeine Situation der Frauen in unserem Land hat sich zwar verbessert, doch es bleibt noch eine Menge zu tun. Das gilt insbesondere für den Bereich des Kompetenzerwerbs. Wir haben derzeit nur eine einzige Trainerin mit einer C-Lizenz und nur vier internationale Schiedsrichterinnen", erläutert Zahra Mahmoodi, die Spielführerin der afghanischen Frauen-Nationalmannschaft.

Offiziell sind beim afghanischen Verband in Kabul 224 Frauen und Mädchen registriert. 16 Klubs in der Hauptstadt und weitere sieben in anderen Landesteilen haben sich auch für Frauen geöffnet. Allein in der Ortschaft Sar-e-pol in der Provinz Helmand sind in letzter Zeit 60 weitere Spielerinnen zum aktiven Fussball gekommen - und das in einer Region, in der es nicht einmal selbstverständlich ist, dass Mädchen zur Schule gehen.

Angesichts der besonders komplexen Sicherheitsfragen im Bereich des Frauenfussballs sind bei den Spielen nur Familienangehörige als Zuschauer zugelassen.

"Natürlich spielt die Sicherheit eine sehr große Rolle. Wir sind den Medien und dem afghanischen Fussballverband sehr dankbar dafür, dass sie unsere Familien ermutigen, uns Fussball spielen zu lassen. Unser Ziel ist der Aufbau einer starken Frauen-Nationalmannschaft, die auf internationalem Niveau mithalten kann. Wir wollen der Welt ein anderes Gesicht Afghanistans zeigen", so Mahmoodi.

*Die FIFA unterstützt die langfristigen Planungen des Verbandes *"Afghanistan ist ein wirklich bemerkenswerter Fall der fussballerischen Entwicklung. Trotz der extrem schwierigen Situation des Landes in den vergangenen Jahren stellen wir konkrete Verbesserungen fest, sowohl was die Organisation als auch was die aktive Teilnahme der Menschen angeht. Wir wollen den afghanischen Verband auch weiterhin unterstützen, insbesondere in den Bereichen Verwaltung und IT", so Thierry Regenass, FIFA-Direktor für Mitgliedsverbände und Entwicklung.

In den vergangenen zehn Jahren hat die FIFA USD 1,5 Mio. in die ersten zwei Goal-Projekte in Kabul investiert, nämlich den Bau eines Kunstrasenplatzes im AFF-Komplex sowie den Bau des Verbandsgebäudes.

"Fussball ist das Lebensblut der Afghanen. Wir beim afghanischen Fussballverband sind überzeugt, dass Fussball das beste Mittel ist, um unser Land voranzubringen. Unsere Nationalmannschaft, die kürzlich am AFC Challenge Cup in Laos teilgenommen hat, besteht aus 13 in Afghanistan aktiven Spielern und zwölf weiteren, die in Ländern wie Deutschland, USA und Iran aktiv sind. Sie alle sind stolz darauf, für die Nationalmannschaft zu spielen und wollen keinerlei Bezahlung. Wenn wir auf diese Weise weiter arbeiten, dann bin ich zuversichtlich, dass wir uns für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar qualifizieren können," so der 22-jährige Generalsekretär des afghanischen Fussballverbandes, der jüngste Mann auf einem derartigen Posten bei einem FIFA-Mitgliedsverband.

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