FIFA World: Wieso sind die Ergebnisse des INEA-Gutachtens so wichtig?
Jérôme Champagne:
Aus mindestens zwei Gründen. Zum einen weil viele das Konzept von 6+5 grundsätzlich gut finden, aber... Das Aber betrifft
immer die Vereinbarkeit der Regel mit EU-Recht. Nun hat zum ersten Mal ein unabhängiges Gutachten gezeigt, dass 6+5 mit Gemeinschaftsrecht vereinbar ist. Zum anderen beweist das Gutachten, dass wir unser Versprechen von Sydney halten und das Konzept zuerst mit der Welt des Fussballs, dann mit dem Internationalen Olympischen Komitee und den anderen Sportverbänden und schließlich auf politischer und rechtlicher Ebene vorantreiben.

Ist mit diesem Gutachten der Weg für 6+5 also frei?
Diejenigen, die glauben wollen, dass die Regel mit EU-Recht nicht vereinbar ist, lassen sich durch nichts undniemanden vom Gegenteil überzeugen. Dieses Gutachten, das von überaus qualifizierten und unabhängigen Professoren erstellt wurde, liefert nun aber den wissenschaftlichen und juristischen Gegenbeweis. Damit hat sich die Front verschoben. Es ist nicht länger ein Kampf zwischen der FIFA und der EU, wie das immer dargestellt wurde. Nun ist es für jeden ersichtlich, dass die FIFA nicht nur vom IOC, den anderen Teamsportverbänden, der Spielergewerkschaft FIFPro und vielen Klubpräsidenten, sondern auch von EU-Abgeordneten und natürlich von den europäischen Sportministern unterstützt wird, die sich bereits beim gemeinsamen Treffen im November in Biarritz hinter die FIFA gestellt haben.

Sollten aber die Trainer nicht in der Lage sein, die besten Spieler aufzustellen, egal, für welches Nationalteam sie spielen?
Einige sind der Meinung, dass mit 6+5 ein paar wenige Teams geringfügig an Qualität verlieren würden. Man kann es aber auch anders sehen: Einige der vielleicht 20-oder 21-jährigen Spieler, die mit der neuen Regel eine Chance erhielten, würden das Niveau in ihren Teams anheben. Kommt hinzu, dass mit 6+5 die Spiele wieder umstrittener würden und wir weniger einseitige Partien zu sehen bekämen, wie wir sie aus der UEFA Champions League kennen. 6+5 belebt die Konkurrenz im Fussball. Von einer allgemeinen Qualitätseinbusse kann deshalb keine Rede sein.

In den Medien dreht sich die Debatte vor allem um die EU, doch weltweit wären bestimmt noch weitere Freihandelszonen von 6+5 betroffen?
Klar, hier geht es nicht nur um die EU, auch wenn Europa bislang im Fokus des Medieninteresses stand, weil hier nun mal die meisten Profis spielen. Als der FIFA-Präsident die Debatte beim Kongress in Sydney eröffnete, meldeten sich zuerst Vertreter von Guatemala und Saudiarabien zu Wort. Sie forderten 6+5 auch für ihre Regionen, in denen auch ein einheitlicher Arbeitsmarkt besteht oder am Entstehen ist. Auch der australische Verbandspräsident Frank Lowy sprach sich für die 6+5-Regel aus, da nur diese die australischen Spieler vor der massiven Einwanderung in die Jahre gekommener europäischer Spieler schützen könne. In Brasilien bat Präsident Lula den FIFA-Präsidenten um Hilfe, um den Exodus junger brasilianischer Spieler zu stoppen. Die politischen und wirtschaftlichen Strukturen mögen regional und kontinental nicht vergleichbar sein, doch die Probleme sind ähnlich, weshalb wir mit 6+5 eine weltweite Lösung anstreben. Zentral ist, dass die Sportbehörden in Sportfragen autonom bleiben und die Universalität des Fussballs nicht durch nationale oder kontinentale Regeln ausgehöhlt wird.