Im Rahmen eines Informationsgesprächs mit über 40 Journalisten aus aller Welt stand FIFA-Präsident Joseph S. Blatter Rede und Antwort zu Themen rund um die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ und die FIFA.

Zur WM in Deutschland
Man muss den Deutschen ein Kompliment machen. Was in Deutschland geleistet wurde, von den Stadien über Logistik bis zur Telekommunikation ist einfach super. Ein Dauerthema werden bis zum 9. Juli die Tickets sein. Es werden alle Tickets verkauft werden. Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit Innenminister Wolfgang Schäuble, der sagte: "Man muss sich überlegen, ob man das strikte Sicherheitssystem bis zum Schluss aufrecht erhalten kann. Es ist ein Problem der Sicherheit und der Einlasskontrolle, damit es keine Rückstaus gibt."

Zu der Kader-Bekanntgabe am 15. Mai
Alle Verbände habe Ihre Kader-Liste am 15. Mai eingereicht - ohne Verzögerung. Es gab nur ein oder zwei Fälle, in denen die Rückennummern nicht klar waren.

Zum Thema Schiedsrichter bei der WM
Wir wollten dieses Mal Schiedsrichtergespanne haben, die aufeinander eingespielt sind. Die Schiedsrichter müssen das Spiel fördern und die Spieler schützen. Deshalb gab es im Vorfeld der WM Tests für alle Gespanne. Der Hauptschiedsrichter durfte drei Assistenten benennen, zwei davon mussten die Tests erfolgreich bestehen. Das waren ein körperlicher und ein Wissens-Test. Wir sind sehr hart geblieben bei diesen Tests. Und wenn zwei Assistenten diese Tests nicht bestehen, dann gibt es Probleme für das ganze Team. Die Disziplinarkommission der FIFA wird sich alle WM-Spiele anschauen, analysieren und eingreifen, wenn ein Schiedsrichter etwas nicht gesehen hat. Schiedsrichter, die nicht die Weisungen des International F.A. Board und der FIFA und die Regeln zum Schutz der Spieler nicht strikte anwenden, werden nach Hause geschickt.

Zum zurückgezogenen italienischen Schiedsrichter de Santis
Der Italienische Verband hat die Initiative ergriffen und das Schiedsrichter-Trio sowie die beiden Mitglieder des Schiedsrichterausschusses zurückgezogen. Wir werden das Gespann nicht ersetzen. Wir haben noch 22 Teams und fünf Reserve-Teams für die WM. Zurzeit laufen in Italien die Untersuchungen, und solange es keine Verurteilung gibt, gilt er als unschuldig. Wir sind mit allen Beteiligten in engem Kontakt und über die Vorkommnisse jederzeit informiert.

Auf die Frage, warum nur zwei Schiedsrichter-Teams aus Afrika an der WM teilnehmen
Wir haben zwei Schiedsrichter-Gespanne und zwei Reserve-Teams aus Afrika, es sind also insgesamt vier Teams. Wir mussten eine Auswahl treffen von 45 auf 23, nun 22. Die Evaluation hat gezeigt, dass wir die gleichen Quoten haben wie in Asien. Für Mexiko, das zwei Gespanne stellt, ist das ein anderes Thema, weil Mexiko einen sehr hohen Schiedsrichterstandard hat. Die Entwicklung des Schiedsrichterwesens in Afrika ist schwieriger, unter anderem deshalb, weil wir für 2006 nicht Gespanne aus einem einzigen Land rekrutieren konnten

Zu den Problemen im italienischen Fussball
Calcio ist das Größte, stärker als jede Religion. Wir haben vom italienischen Verband alle zweckdienlichen Auskünfte bekommen. Verbandspräsident Franco Carraro hat uns gefragt, ob er auch aus den UEFA- und FIFA-Gremien austreten solle, aber wir haben ihm gesagt, dass er seine Aufgaben in diesen Instanzen weiter ausüben solle.

Zum Thema Wetten während der WM
Alle Beteiligten an der WM werden eine Deklaration unterzeichnen zum Fairplay, gegen Rassismus, das Doping, sowie erklären, dass sie und ihre Familienangehörigen in keinster Weise in Wettangelegenheiten involviert sind.

Erklärung zur Unterlassung von Wettgeschäften

Zu rassistischen Vorfällen während der WM
Das Exekutivkomitee hat einen  Disziplinarcode  verabschiedet, der in einem Dokument zusammengefasst ist, das auf FIFA.com abrufbar ist. Hiernach können drei Punkte oder sechs Punkte im Wiederholungsfall dem jeweiligen Team abgezogen werden, wenn es zu rassistischen Vorfällen auf dem Spielfeld kommt. Dies wird zum 1. Juli eingeführt, soll aber schon bei der WM in Deutschland Anwendung finden. Wir müssen mit großer Sorgfalt an diese Sache herangehen. Bei der WM können wir die Zuschauer nicht einem Fanblock zuordnen. Deshalb werden nur rassistische Aktivitäten betraft, die auf dem Spielfeld vorkommen, also alles, was wir kontrollieren können, Spieler, Trainer, Betreuer usw.

Zur sozialen Verantwortung
250 Millionen Menschen auf der Welt sind direkt im Fussball involviert, als Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Offizielle. Jeder und jede hat vier oder fünf Familienmitglieder oder Freunde, die sie dabei begleiten. Das heißt, dass die weltweite Fussballbewegung über eine Milliarde Menschen umfasst, ein Sechstel der Weltbevölkerung. Deshalb hat der Fussball eine soziale Verantwortung und wir müssen diese ernst nehmen. Darum gibt es bei der FIFA neu eine spezielle Abteilung "Soziale Verantwortung". Zudem wird beim Kongress in München die Kommission für Ethik und Fairplay neu als Kommission für "Soziale Verantwortung und Fairplay" umgestaltet. Für Ethikbelange soll eine neue unabhängige Ethik-Kommission geschaffen werden.

Zum Thema Übersättigung des Fussballs im Fernsehen
Es ist ein Fakt, dass in Italien und England die Zuschauerzahlen zurückgehen. Wenn zuviel Fussball im TV zu sehen ist, lässt das Interesse nach. Es heißt immer, dass die FIFA Lösungen haben sollte und das festlegen soll. Wir sollten die Anzahl der Teams in den professionellen Ligen verkleinern. Das Maximum sind 18 Mannschaften. Das werden wir beim Kongress diskutieren. Ein weiteres Problem ist auch, dass kaum noch Spieler aus dem eigenen Land in den Teams spielen. Junge Spieler haben keine Chance mehr, in die Profi-Ligen zu kommen, weil die Trainer meist ausländische Spieler einkaufen.

Zum Thema Eigentumsverhältnisse im Fussball
Das ist ein schwieriges Thema, das wir in der Task Force "For the Good of the Game" eingehend erörtert haben. Wenn man sieht, dass es eine internationale Gruppe gibt, die zum Beispiel auf den British Virgin Islands oder auf Gibraltar angesiedelt ist und Miteigentümer an einem Klub ist, wird das schwierig. Es gibt eine FIFA-Satzung, dass man nicht mehrere Vereine besitzen kann. Dieses Thema wird ebenfalls auf dem Kongress besprochen.

Zum Thema FIFA Weltpokal 2014
2008 wird das Exekutiv-Komitee entscheiden, wo die WM 2014 gespielt wird. Das Exekutivkomitee hat den Beschluss der Rotation gefasst und festgelegt, dass die WM 2010 in Afrika und 2014 in Südamerika stattfinden soll. Alle CONMEBOL-Mitglieder haben gesagt, dass sie Brasilien als Ausrichter sehen wollen. Brasilien ist ein Kandidat, aber das Land muss die Anforderungen des Pflichtenhefts erfüllen. Mit dieser Liste werden wir die Kandidaten genau überprüfen. Auf ein Co-Hosting werden wir uns nicht einlassen, solange ein Bewerber da ist, der die Vorgaben erfüllt.

Zum Buch von Andrew Jennings
Es werden alte Geschichten wieder aufgewärmt. Das Buch müsste "Revanche-Foul" heißen. Auf dem Spielfeld gäbe es dafür die Rote Karte.

Zur Wahl zum FIFA Präsidenten 2007
Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, und diese will ich wahrnehmen. Ich werde am Ende des Kongresses in München sagen, das ich ab 2007 zur Verfügung stehe, wenn die Verbände mich wollen. Ich bin gesund, habe gerade einen Check-up gemacht und es ist alles in Ordnung.

Zum Thema WADA
Was Dopingkontrollen angeht, werden wir die Fälle einzeln behandeln, das so genannte "Individual Case Management". Das war das Ziel der FIFA. Wir werden unsere Satzungen ein bisschen anpassen müssen, und nach dem Kongress sind wir dann WADA-kompatibel und die WADA ist FIFA-kompatibel.

Zum Urteil von Charleroi
Die G14 ist abgewiesen worden in Charleroi. 800 Millionen sind vom Tisch. Der Richter hat den Antrag abgeschmettert. Im besonderen Fall hat der Richter festgehalten, dass die Entscheidung über die Abstellung der Spieler dem OGH in Luxemburg vorgelegt werden soll. Das dauert zwei Jahre.
Aber es gibt einen Lösungsansatz. Das wichtigste ist die Unfallversicherung der Spieler. Die Spieler müssen von ihren Vereinen versichert werden, wenn sie ins Nationalteam berufen werden. Die Verbände müssen dies kontrollieren. Wir haben für die FIFA-WM 2006 einen Versicherungsfonds, für den Fall dass sich Spieler bei der WM ernsthaft verletzten. Entschädigungen in solchen Fällen würden dann an die Vereine gehen.

FIFA-Kommunikationsdirektor Markus Siegler zum Engagement einzelner Spieler für spezielle Medien während der WM
Ein Spieler kann Verträge haben, aber er muss mit allen anwesenden Medien zusammenarbeiten. Wenn wir sehen, dass sich ein Spieler nicht daran hält, werden wir intervenieren. Es ist wichtig, dass keine Exklusivität entsteht.