Britische Teams im Aufwind
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Gordon Strachan erklärte, seine Ernennung zum schottischen Nationaltrainer sei "40 Jahre lang in der Mache gewesen", als er den Posten im Januar antrat. Der neue Boss der Tartan Army erwischte den bestmöglichen Start, als er seine erste Partie als Nationaltrainer mit 1:0 gegen Estland gewann. Nach diesem Erfolg kletterte Schottland in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste direkt fünf Plätze nach oben auf Rang 64.

Wales machte einen noch beeindruckenderen Sprung nach vorn. Nach einem 2:1-Sieg gegen Australien, bei dem Gareth Bale, der formstarke Flügelspieler von Tottenham Hotspur, sowie Sam Vokes sich in die Torschützenliste eintrugen, ging es gleich 13 Plätze nach oben auf Rang 68. So nah waren die Waliser seit November 2012 nicht mehr an ihren britischen Kollegen dran, die sich einen Monat zuvor in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ mit 2:1 gegen Schottland durchgesetzt hatten.

Die höchste Platzierung aller Zeiten in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste war im Falle von Wales der 27. Platz [August 1993 und Februar/März 1994], Schottland war im Oktober 2007 gar auf dem 13. Rang anzutreffen. Beide Teams machten dann allerdings eine eher schwierige Phase durch, und in den letzten drei Jahren ist keine der beiden Mannschaften über einen Rang in den 30ern hinausgekommen.

Allerdings war Wales 2011 der beste Aufsteiger in der Weltrangliste, das wurde kurz nach dem tragischen Tod des damaligen walisischen Nationaltrainers Gary Speed bekannt. Das Team kletterte vom 117. Rang, der niedrigsten Positionierung aller Zeiten, bis Mitte 2012 auf den 37. Rang und rangierte dann acht Ausgaben in Folge vor Schottland. Nach einer Reihe von schlechten Ergebnissen in der Qualifikation für Brasilien 2014 ist das Team von Chris Coleman allerdings wieder etwas abgerutscht.

Der Ballzauber von Gareth Bale auf dem Flügel ist für die walisischen Fans jedoch Anlass für Optimismus, denn der Mittelfeldspieler zeigt sich bei Tottenham Hotspur in letzter Zeit in Hochform. Er hat 2013 bisher zehn Tore in elf Spielen erzielt, einschließlich des Treffers im Liberty Stadium gegen Österreich.

Rhodes als Erfolgsgarant
Die Schotten verfügen allerdings ebenfalls über einen gefährlichen Torjäger. Jordan Rhodes hat in diesem Kalenderjahr schon acht Treffer in 13 Partien erzielt. In der gesamten Saison kann der Stürmer der Blackburn Rovers bereits 25 Treffer in 40 Partien für sich verbuchen. Er war nach einer beachtlichen Saison 2011/12 in der dritthöchsten Spielklasse Englands, in deren Verlauf er für Huddersfield Town 40 Treffer in 46 Spielen erzielt hatte, zu den Rovers gewechselt. Rhodes erzielte bei Schottlands Sieg im Freundschaftsspiel gegen Luxemburg Ende 2012 beide Treffer und strahlte nach seiner Einwechslung in Strachans erster Partie als Nationaltrainer gegen Estland viel Gefahr aus.

Rhodes präsentiert sich auf Vereinsebene derzeit in bester Torlaune. Daher kann sich die Tartan Army sicherlich Hoffnungen machen, im Qualifikationswettbewerb, der bisher viel zu wünschen übrig ließ, doch noch die Wende herbeizuführen. Die Schotten sind in Gruppe A der UEFA-Qualifikation derzeit mit zwei Punkten aus vier Spielen Tabellenschlusslicht.

"Ich kann nicht mehr verlangen als das, was wir im Moment leisten", so Strachan bei der Amtsübernahme. "Wir werden versuchen, unsere Spiele zu gewinnen. Meine Philosophie ist es, auf Sieg zu spielen – wie Manchester United. Wir werden einen Versuch starten. Ich weiß auf jeden Fall, dass diese Jungs die besten in ihrem Job sind, wie stark man sie auch kritisieren mag. Sie spielen für Schottland und wir müssen ein System finden, das diese Spieler in die Lage versetzt, Fussballspiele zu gewinnen."

Angesichts des Sieges in der ersten Partie scheint Strachans Schlachtruf erfolgreich gewesen zu sein. Die Waliser werden nun ebenfalls versuchen, ihrem Schicksal nach einem enttäuschenden Start in die Qualifikation die Wende zu geben.

Ich finde, er ist ein fantastischer Spieler, einer der besten, mit denen ich je arbeiten durfte.
Chris Coleman (Trainer, Wales) über Gareth Bale

In Gruppe A konnten sie bisher lediglich einen Sieg gegen Schottland im Cardiff City Stadium verbuchen, alle anderen Partien im Jahr 2012 endeten mit einer Niederlage. Aber solange es einen Bale gibt, gibt es auch Hoffnung für Wales – und für Nationaltrainer Chris Coleman.

"Wenn er Argentinier oder Brasilianer wäre, würden viel mehr Leute ihn als Weltklasse bezeichnen", so Coleman in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. "Ich finde, er ist ein fantastischer Spieler, einer der besten, mit denen ich je arbeiten durfte. Die besten walisischen Spieler, mit denen ich zusammengespielt habe, waren Neville Southall, Ian Rush und Ryan Giggs – Weltklassespieler. Gareth Bale ist für mich auf demselben Niveau."

"Belgien und Kroatien sind die stärksten Mannschaften in einer sehr kniffligen Gruppe", so Coleman weiter. "Da müsste schon etwas ganz Drastisches passieren, um diese beiden zu stoppen, und jemand müsste eine super Serie hinlegen. Ich will nicht sagen, dass wir dazu nicht in der Lage wären, aber wir müssen dieses Mal einfach so gut wie möglich abschließen, damit wir in der Qualifikation für die nächste EURO in einer weniger schweren Gruppe landen."

Da beide Teams sich in jüngster Zeit im Aufschwung befinden, dürfen wir uns bereits auf das direkte Aufeinandertreffen freuen. Die beiden Mannschaften treten im Hampden Park in Glasgow gegeneinander an, nachdem die Waliser sich im Oktober zu Hause dank zweier später Treffer von Bale mit 2:1 durchsetzen konnten. Die Schotten werden nun darauf hoffen, dass es ihnen diesmal mit Strachans Hilfe gelingt, Tottenhams Flügelflitzer im Zaum zu halten.