Ein "Homerun" für Kubas Fussball

Traumstrände, Musik und Baseball gehören zu den Dingen, für die Kuba weithin bekannt ist. Das fussballerische Niveau der Karibiknation ist hingegen nicht besonders beeindruckend. Doch nach dem erstmaligen Gewinn des Caribbean Cup im Dezember in Antigua und Barbuda keimt die Hoffnung auf, dass dem Team in nicht allzu ferner Zukunft weitere fussballerische Erfolge gelingen könnten.

Jamaikas Teilnahme an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™ begeisterte die Fussballfans rund um die Welt. Doch dies war keineswegs der erste Auftritt einer Mannschaft aus der Karibik auf der größten Fussballbühne der Welt, wie oft fälschlich angenommen wird. Diese Ehre gebührt Kuba, einem Land, das eigentlich eher als Domäne des Baseball- und Boxsports gilt. Doch im Mai 1938 ging eine Mannschaft aus unerschrockenen Spielern, die ihre geliebte Insel bis dahin noch nie verlassen hatten, an Bord eines Schiffes nach Frankreich, um dort an der dritten Endrunde einer FIFA Fussball-WM teilzunehmen.

Die Mannschaft war zum Turnier eingeladen worden und hatte daher kein einziges Qualifikationsspiel bestritten. Entsprechend gering waren die Erwartungen an das Team aus der Karibik. Nach einem Unentschieden gegen Rumänien setzte sich Kuba im Wiederholungsspiel durch und zog in die zweite Runde ein. Hier gab es auf einem vom Regen völlig durchweichten Platz eine 0:8-Niederlage gegen Schweden. "Wir waren an derartige Bedingungen nicht gewöhnt und rutschten ständig aus", erinnerte sich Juan Tunas, der beste Torschütze Kubas bei dem Turnier, in einem Interview mit FIFA.com im Jahre 2010. Der Stürmer war damals der letzte noch lebende Spieler aus jenem kubanischen Team. Er starb 2011 im Alter von 98 Jahren.

In den 75 Jahren seit jener historischen WM-Teilnahme gab es allerdings für den kubanischen Fussball kaum noch Grund zum Jubeln. Das Vereinswesen blieb unter dem sozialistischen Regime, das 1959 an die Macht kam, größtenteils im Amateurbereich verhaftet. Junge Spieler haben meist keine Möglichkeit, ihr Können im Ausland zu verfeinern. Die Fussball-Nationalmannschaft blieb in der WM-Qualifikation stets blass. Auch in der aktuell laufenden Qualifikation für Brasilien 2014 ist Kuba bereits ausgeschieden. In der vorletzten Runde konnten die Kubaner keines ihrer sechs Spiele gewinnen. Mit nur einem Unentschieden und fünf Niederlagen und einem Torverhältnis von 1:10 landeten sie weit abgeschlagen auf dem letzten Platz der Gruppe.

Die zweiten Plätze beim Caribbean Cup 1996, 1999 und 2005 waren somit bis vor kurzem die einzigen Erfolge Kubas auf internationaler Ebene.

Doch bei der Endrunde des Caribbean Cup 2012 in St John's, der Hauptstadt Antiguas, wendete sich das Blatt. Unter dem neuen Trainer Walter Benitez, der das Team nach dem Scheitern in der WM-Qualifikation übernommen hatte, startete Kuba am 8. Dezember zunächst mit einer Niederlage gegen Martinique ins Turnier. Doch dann meldeten sich die Kubaner mit einem 2:1-Sieg gegen Französisch-Guyana wieder zurück und feierten anschließend einen überraschenden 1:0-Sieg gegen den fünffachen Titelträger Jamaika, das weithin als derzeit beste karibische Mannschaft gilt. Nicht zuletzt dank der Inspiration von Torjäger Ariel Martinez, der es beim Turnier auf insgesamt drei Treffer brachte, setzten sich die Kubaner auch im Halbfinale gegen Haiti, den Titelträger von 2007, mit 1:0 durch.

Und auch im Finale gegen Trinidad und Tobago, WM-Teilnehmer 2006 und achtfacher Titelträger beim Caribbean Cup, hatte Kuba mit 1:0 in der Verlängerung das bessere Ende für sich. "Wir spielen mit flüssigem, schnellen Fussball Chancen für unsere Stürmer heraus und vertrauen uns absolut", so Trainer Benitez, der innerhalb kürzester Zeit den Umschwung schaffte.

Dank dieser Erfolge machte Kuba in der aktuellen Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste einen Sprung um zwölf Plätze nach vorn und liegt nun auf Rang 88. In der CONCACAF-Zone belegt das Team jetzt Platz elf. Damit liegt man zwar noch weit hinter den Topteams USA, Mexiko und Costa Rica, aber dennoch ein gutes Stück weiter vorn.

Neben dem Prestige und der verbesserten Weltranglistenposition kann sich Kuba nun auch auf die Teilnahme am CONCACAF Gold Cup freuen, der alle zwei Jahre ausgetragenen Meisterschaft der Konföderation, die im Juli in den USA stattfindet. Ihr bislang bestes Resultat bei diesem Turnier erreichten die Kubaner 2003, als sie bis ins Viertelfinale vorstießen.

Als Überraschungssieger der Karibikmeisterschaft kann Kuba mit gestärktem Selbstvertrauen in dieses Turnier gehen und darauf hoffen, dieses Mal eher aus sportlichen Gründen Schlagzeilen zu machen, und nicht weil sich Spieler von der Mannschaft absetzen, so wie es bei den Teilnahmen 2002, 2005, 2007 und 2011 der Fall war. "Wir machen fussballerische Fortschritte und müssen diesen Weg weiter gehen", so Trainer Benitez, der fest davon überzeugt ist, dass dem Team weitere Erfolge gelingen werden.