Capello lässt Russland in Schwung kommen
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Hohe Ambitionen waren schon immer ein täglicher Begleiter der Sbornaja. Rund fünfeinhalb Jahre vor der Ausrichtung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ im eigenen Land sind die Erwartungen an die russische Nationalmannschaft jedoch noch einmal um eine weitere Dimension angestiegen. Unter Coach Fabio Capello scheint die Auswahl diesem Druck bislang jedoch in hervorragender Manier standhalten zu können. Der schon oft und viel zitierte schlafende Fussball-Riese erweckt den Eindruck, wieder zu erwachen. Und er steckt offensichtlich voller Tatendrang.

Auf phänomenale Manier hat Russland in der Qualifikation für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien jüngst die Muskeln spielen lassen. Vier Spiele, zwölf Punkte und ein Torverhältnis von 8:0 machen deutlich, dass die Capello-Schützlinge in der Europa-Gruppe F ohne Zweifel der ultimative Maßstab sind. Bei ihren Siegen gegen Aserbaidschan (1:0), in Israel (4:0) und gegen Nordirland (2:0) präsentierte sich die Sbornaja souverän. Beim 1:0-Heimsieg gegen das ebenfalls mit großen Zielen ausgestattete Portugal setzte man ein Ausrufezeichen.

Rückkehr in die "Top Ten"
Neben den Niederländern sind die Russen das noch einzige punktverlustfreie Ensemble in der europäischen WM-Qualifikation. Doch damit nicht genug. Dank der Serie von vier Siegen in Folge kletterte man erstmals seit über drei Jahren wieder in die "Top Ten" der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. Nachdem die Sbornaja im Oktober 2009 vom sechsten auf den zwölften Rang abgerutscht war und sich seitdem zwischen der elften und 25. Position hin- und her bewegte, kann Russland in der jüngsten Ausgabe des Rankings (November 2012) auf Platz neun verweisen.

Das aus russischer Sicht enttäuschende 2:2-Unentschieden in einem Freundschaftsspiel Mitte November vor heimischer Kulisse gegen die USA zeigte zwar, dass auch beim Team um den neuen Kapitän Igor Denisov die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Dennoch weiß man im flächenmäßig größten Land der Erde nur zu gut, dass man sich nun endlich auf dem besten Weg befindet, wieder zur Crème de la Crème des Weltfussballs zu gehören. Und möglichst schon in Brasilien 2014, nicht erst in Russland 2018 eine gute Rolle zu spielen - vielleicht auch mehr.

Neuer Coach, neue Linie
Capello selbst hat den Umschwung eingeleitet. Der 66 Jahre alte Italiener übernahm das Amt des russischen Nationaltrainers nach der für die Sbornaja ernüchternd verlaufenen UEFA EURO 2012, bei der man bereits nach der Gruppenphase die Segel streichen musste, und ließ fortan frischen Wind wehen.

"Er legt großen Wert auf Disziplin", sagt etwa Nationalspieler Alexander Samedov von Lokomotive Moskau. Darunter zu leiden haben vor allem die Ex-Stars. Namen wie Andrei Arshavin, Roman Pavlyuchenko und Yury Zhirkov kamen bislang in der Qualifikation für die FIFA WM 2014 nicht zum Einsatz.

Brasilien im Fokus - und danach?
Dass Capello vor den vermeintlich "Unantastbaren" keinen Halt macht, bewies er bereits in seiner Zeit als englischer Nationalcoach. Nicht zuletzt David Beckham musste dies schmerzvoll erfahren. Nun also soll sein Kurs dafür sorgen, dass Russland nach den beiden verpassten WM-Teilnahmen für Deutschland 2006 und Südafrika 2010 auf der ganz großen Bühne wieder für Furore sorgt. Das Motto des erfahrenen Trainers ist klar: Wer für die Sbornaja auflaufen will, muss sich anstrengen.

"Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren an der WM in Brasilien teilnehmen. Danach werde ich aufhören. Sollte mir ein wirklich interessantes Angebot vorgelegt werden, könnte ich diesen Entschluss allerdings nochmals überdenken, doch ich sehe nichts dieser Art", so Capello kürzlich im Interview mit dem italienischen TV-Kanal Mediaset Italia 2. Bis dahin, und vor allem im Hinblick auf die FIFA WM 2018 in Russland, wird noch viel Wasser die Wolga herunter fließen.