
Simbabwe galt im kontinentalen Wettbewerb lange Zeit als ewiger Zweiter. Fast zwei Jahrzehnte lang waren die Simbabwer im Kampf um die Qualifikation immer an vorderster Front dabei, schafften den Sprung in die Endrunde aber noch nie. Dann nahm das Land zwei Mal in Folge am CAF Afrikanischen Nationen-Pokal teil (2004 und 2006), musste jedoch anschließend wieder einen Einbruch hinnehmen. In den letzten fünf Jahren dümpelte das Team dann immer um den 100. Platz der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste herum, war mal unter den besten 100, dann wieder knapp draußen.
Nach einem beeindruckenden 3:1-Erfolg gegen Angola im September in Harare, in einem Qualifikationsspiel für den Nationen-Pokal 2013, kletterten die Simbabwer dann aber in den letzten beiden Monaten 17 Plätze nach oben und belegen jetzt weltweit Rang 89 und den 21. Platz in der Afrika-Zone. Obwohl es mit dem Team eindeutig bergauf geht, meint der 32 Jahre alte Mannschaftskapitän Esrom Nyandoro, dass ein Startplatz bei der kontinentalen Endrunde im benachbarten Südafrika eine massive Wende bedeuten würde.
"Wenn wir gewinnen, kann das alles verändern", so Nyandoro gegenüber FIFA.com. "In den letzten Jahren hat der Asiagate-Skandal [Anm. d. Red.: Ein Skandal um Spielabsprachen] dem Fussball in Simbabwe sehr geschadet. Aber ich bin froh, dass dieses Thema nun immer weniger im Gespräch sein wird, da unser Team eine Chance hat, in die Endrunde einzuziehen. Außerdem haben wir damit eine hervorragende Möglichkeit, das Land zu einen." Allerdings wird es sicherlich nicht einfach werden, dieses Wochenende in Luanda den Zwei-Tore-Vorsprung zu verteidigen, und sowohl der Kapitän als auch Trainer Rahman Gumbo machen darauf aufmerksam, dass dazu viel Einsatz und mentale Stärke erforderlich sein werden. "Wir bereiten uns auf einen harten Kampf vor – physisch und mental", erklärte Gumbo kürzlich.
Die Möglichkeit einer Endrundenteilnahme hat in ganz Simbabwe eine Welle der Begeisterung ausgelöst, und das ganze Land fiebert der Partie entgegen. "Das ist eine große Chance, aber es wird ein hartes Spiel werden. Das wird mit Sicherheit kein Zuckerschlecken", so Nyandoro. "Die [feuchten] Witterungsbedingungen werden uns zu schaffen machen, und sie haben ein imposantes Stadion. Angola hat eine hervorragende Mannschaft, und wir hatten vielleicht bei unserem 3:1-Sieg auch etwas Glück."
Nyandoro, der bei beiden vorherigen Auftritten Simbabwes im Nationen-Pokal dabei war, wurde vor Kurzem wieder in die Mannschaft zurückgeholt und ist bemüht, allzu enthusiastische Siegesprognosen abzumildern. "Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass wir es mit viel Selbstbewusstsein schaffen können, aber die Chancen stehen 50:50. Wir sind im Vorteil, und nun kommt es darauf an, diese 3:1-Führung zu verteidigen."
Mischung aus Routiniers und Nachwuchstalenten
Auftrieb erhalten die Simbabwer durch die Rückkehr von Knowledge Musona nach einer Verletzungspause. Er ist der einzige Nationalspieler des Landes, der in einer der großen europäischen Ligen unter Vertrag steht. Am letzten Freitag verhalf er dem FC Augsburg zum ersten Sieg in der aktuellen Bundesliga-Saison. Ebenfalls zurück im Team ist Mittelfeldmotor Tinashe Nengomasha, der das Hinspiel verpasst hatte und ebenfalls bereits bei den beiden vorherigen Teilnahmen des Landes am Nationen-Pokal dabei war. Der mittlerweile 30-Jährige ist noch immer mit unermüdlichem Einsatz im Mittelfeld unterwegs.
Aber auch eine neue Spielergeneration sticht ins Auge, vor allem das Ausnahmetalent Khama Billiat. Der Stürmer von Ajax Kapstadt avancierte im Hinspiel in Harare zum Helden der Partie und will seinen guten Ruf nun im Rückspiel in Luanda bestätigen. "Die Simbabwer sind wieder fussballverrückt", so Nyandoro, der vom vorherigen Trainer Norman Mapeza nicht mehr berücksichtigt worden war, nach Gumbos Amtsübernahme aber erneut berufen wurde. "Ich habe mich mit Rahman [Gumbo] zu einem Gespräch zusammengesetzt, und er bat mich, den Nachwuchs anzuleiten. Ich erklärte mich einverstanden und glaube, die jungen Spieler wissen meine Anwesenheit zu schätzen. Ich war drauf und dran, die Nationalmannschaft aufzugeben, aber jetzt bin ich persönlich sehr stolz."
