
Costa Rica betrat 1990 erstmals die weltweite Bühne, als Trainer Bora Milutinovic das Team nicht nur zur erstmaligen Teilnahme an einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, sondern gleich bis ins Achtelfinale der Endrunde führte. Seit jenen berauschenden Tagen auf italienischem Boden konnten sich die Ticos hinter den regionalen Supermächten USA und Mexiko als dritte Kraft in der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone etablieren.
Auf jenes denkwürdige Debüt folgten weitere Auftritte beim weltweiten Kräftemessen 2002 und 2006. Doch seitdem musste der sechsmalige mittelamerikanische Meister im Kampf um weltweite Anerkennung kleinere Brötchen backen. In der Qualifikation für Südafrika 2010 hatte das Team in einem dramatischen Zweikampf um das letzte direkte WM-Ticket mit dem Nachbarn Honduras das Nachsehen. In der anschließenden interkontinentalen Playoff-Runde unterlag Costa Rica dem südamerikanischen Vertreter Uruguay.
Gute Auftritte in der WM-Qualifikation
Doch die Aussichten sind wieder rosig für Costa Rica. Unter der Leitung des Kolumbianers Jorge Luis Pinto stehen die Chancen gut, die Endrunde in Brasilien 2014 zu erreichen. Die zuletzt gezeigte gute Form schlug sich für den Finalisten des CONCACAF Gold Cup 2002 auch in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste nieder. Zwischen Juni und Juli 2012 kletterten die Ticos dank der starken Auftritte in der dritten Qualifikationsrunde um acht Plätze nach oben.
Dadurch rangiert Costa Rica innerhalb der CONCACAF auf dem vierten Platz hinter dem regionalen Spitzenreiter Mexiko, den USA und dem Überraschungsteam Panama, das für die nächste Phase der Entwicklung des Fussballs in Mittelamerika steht.
Costa Rica startete mit einem 2:2 gegen den Nachbarn El Salvador, der in der vorherigen Runde alle Partien gewonnen hatte, in diese vorletzte Gruppenphase auf dem Weg nach Brasilien 2014. Auch wenn sich die Fans in San José bei diesem Heimspiel mehr erhofft hatten, war es immer noch ein weit besseres Ergebnis als die knappe 0:1-Niederlage gegen Guatemala einige Wochen zuvor. In der zweiten Partie schließlich gegen den großen Außenseiter der Gruppe, Guayana, gelang den Ticos ein 4:0-Kantersieg.
Starkes Sturm-Duo
Costa Rica liegt in Gruppe B der dritten Runde nun mit zwei Zählern Rückstand auf den haushohen Favoriten Mexiko auf dem zweiten Platz. Die ersten beiden Teams jeder Gruppe qualifizieren sich für die letzte Phase, in der die Mannschaften die traditionelle Sechser-Runde bestreiten. Costa Rica befindet sich momentan also in einer glänzenden Ausgangslage. Ein weiterer Grund für den Optimismus in der Mannschaft und unter den fussballverrückten Fans in den Kneipen und Cafés des Landes ist die Formstärke des Angreifer-Duos Joel Campbell und Alvaro Saborio. Die beiden Torjäger zeichnen für alle bisher sechs Treffer dieser Runde verantwortlich.
"Wir sind bereit. Wir träumen von der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien", sagte der 20-jährige Campbell, der erst kürzlich auf Leihbasis vom Londoner Topklub Arsenal an den spanischen Erstliga-Aufsteiger Real Betis Sevilla wechselte.
"Alle vier Mannschaften [in Gruppe B] kämpfen für die Qualifikation. Jedes Spiel wird sehr hart werden und ich würde nicht ausschließen, dass es Überraschungen gibt", fuhr er fort. "Ich denke, dass die mittelamerikanischen Teams uns respektieren, und wir müssen beweisen, dass wir das verdienen. Und Mexiko ist natürlich ein sehr starker Gegner, doch ich denke, dass auch sie schlagbar sind."
Camp
bell auf den Spuren Saborios
Campbell wird als der vielversprechendste Stürmer gehandelt, den Costa Rica seit dem großartigen Paulo Wanchope hervorgebracht hat. Wanchope kann auf eine lange Karriere in Englands besten Mannschaften zurückblicken und war ein wichtiger Führungsspieler der Nationalmannschaft in den WM-Endrunden 2002 und 2006. Doch im Moment muss sich Campbell noch hinter Saborio einordnen, der beim MLS-Klub Real Salt Lake Rekordtorschütze des Teams ist. Der 30-jährige Routinier erzielte in den ersten beiden Partien vier Tore, gegen Guayana gelang ihm ein Hattrick. Damit führt er die Torschützenliste der CONCACAF-Qualifikation an.
Das aufstrebende Team wird versuchen, die Form der letzten Partien in die nächsten Duelle zu retten, andererseits werden sie im September auf weit größere Gegenwehr als bisher stoßen, wenn es zwei Mal in Folge gegen den mächtigen CONCACAF-Meister Mexiko geht. "Die Fans wissen, dass wir genauso gerne bei der WM dabei wären wie sie, und es herrscht eine gute Atmosphäre in der Mannschaft", sagte Campbell zum Abschluss, der wie kein Zweiter die zurzeit brodelnde Stimmung im costa-ricanischen Fussball verkörpert.




