
Das Jahr 2011 war für das indische Nationalteam überwiegend von enttäuschenden Ergebnissen geprägt. Bei der AFC Asienmeisterschaft im Januar kam es nicht über die Gruppenphase hinaus, und in der Asien-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ schied Indien gegen die Vereinigten Arabischen Emirate aus. Doch trotz dieser Rückschläge befinden sich die Südasiaten wieder im Aufwind, nachdem am Jahresende die SAFF südostasiatische Meisterschaft auf heimischem Boden gewonnen werden konnte.
Der regionale Erfolg sorgte nicht nur für ein Happy End nach einem enttäuschenden Jahr für die Blue Tigers, er brachte auch zusätzliche Motivation für das eben begonnene 2012 – dank der jüngsten Ergebnisse kletterte Indien in der Januar-Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste um vier Ränge auf Platz 158.
Bei seinem Rückblick auf eine gute Gesamtleistung wollte Trainer Savio Medeira seine Freude über den sechsten Titel in der neunten Auflage des Turniers denn auch nicht verbergen: "Wir haben in fünf Spielen nur zwei Gegentore zugelassen", sagte der 46-Jährige, der letzten Oktober Armando Colaco als Nationaltrainer Indiens ersetzte. "Ich denke, unsere Spieler waren sehr gut und haben großartige Arbeit geleistet."
Chetri als Garant des Erfolgs
Indien wollte sich bei dem regionalen Wettbewerb seinen Fans im eigenen Land von der besten Seite zeigen, doch im Vorfeld des Turniers waren Zweifel laut geworden. Der neu verpflichtete Coach hatte lediglich wenige Monate zur Vorbereitung seiner Mannschaft gehabt. Vielleicht sogar noch schlimmer wog, dass der legendäre Torjäger Baichung Bhutia im vergangenen August seine Nationalmannschaftskarriere beendete.
Die indische Fussballgemeinde bedauerte das Fehlen des 35-Jährigen, fand aber glücklicherweise in Sunil Chetri, der mit sieben Treffern zum Torschützenkönig avancierte, einen neuen Hoffnungsträger. Der 27-Jährige hatte bereits bei der Asienmeisterschaft mit zwei Toren gegen Korea Republik und Bahrain seine Fähigkeiten angedeutet. Nun knüpfte er beim regionalen Acht-Nationen-Turnier nahtlos an diese Leistungen an.
Der Torjäger von Mohun Bagan eröffnete sein Konto mit einem Treffer beim 1:1-Unentschieden gegen Afghanistan, bevor er zwei Tore zum 5:0-Kantersieg gegen Bhutan beisteuerte. Nachdem er beim 3:0-Erfolg gegen Sri Lanka zum dritten Mal zugeschlagen hatte, gelang Chetri im Halbfinale gegen die Malediven erneut ein Doppelpack. Nach dem 3:1 kam es somit zu einem erneuten Aufeinandertreffen mit dem Überraschungsteam Afghanistans.
Das Finale erwies sich für Indien als echter Härtetest, denn der Außenseiter gab sich gegen den Gastgeber in der ersten Hälfte keine Blöße. Doch erneut war Chetri der entscheidende Akteur, als er einen Strafstoß in der 71. Minute zum 1:0 verwandelte und damit den Weg zum Sieg ebnete. Am Ende setzte sich Indien mit 4:0 durch.
Optimismus im Vorfeld des nächsten Turniers
Nach der erfolgreichen Titelverteidigung bei der südostasiatischen Meisterschaft, seinem ersten Wettbewerb im Amt, hat Trainer Medeira allen Grund, optimistisch auf den AFC Challenge Cup 2012 zu blicken, der vom 8. bis 19. März in Nepal stattfindet. Angesichts der Tatsache, dass die direkte Qualifikation für die AFC Asienmeisterschaft 2015 winkt, ist die Motivation in der Mannschaft hoch. Doch den Indern steht in der Gruppenphase gegen Titelverteidiger Korea DVR, Tadschikistan, dem Sieger von 2002, sowie den Philippinen, deren Team große Fortschritte macht, ein hartes Stück Arbeit bevor, wenn sie ihren Turniersieg von 2008 unter dem englischen Trainer Bob Houghton wiederholen wollen.
Doch trotz dieser großen Herausforderung haben Chetri und seine Mitstreiter die Wiedereroberung des Titels in Asiens zweitwichtigsten Wettbewerb fest im Visier, und damit die zweite Teilnahme an der kontinentalen Endrunde in Folge. "Es ist ein wichtiges Ereignis für den indischen Fussball", sagte Chetri. "Wir haben uns durch den Gewinn dieses Turniers 2008 für die Asienmeisterschaft 2011 qualifiziert. Wenn wir uns erneut qualifizieren, würde uns das einen großen Schub geben, denn wir werden uns als Fussballnation weiterentwickeln können. Ich selbst bin stolz darauf, mein Land zu vertreten, und will für mich als Spieler die Messlatte höher setzen."




