Eigentlich ist Fussball ein ganz simples Spiel: es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore erzielt. Und doch gibt es jede Woche, in jeder Liga und bei jedem einzelnen Spiel verblüffende statistische Details, die das schönste aller Spiele zu einem fantastischen Spektakel machen. Daher wirft FIFA.com wöchentlich einen Blick auf die Zahlen, die sich hinter den Ergebnissen verbergen.
In der heutigen Ausgabe stehen die wichtigen Duelle zwischen Brasilien und Venezuela, Deutschland und Russland sowie Rumänien und Frankreich im Rahmen der WM-Qualifikation im Mittelpunkt. Überdies werden die Leistungen von Wayne Rooney und Reuben Noble-Lazarus gewürdigt.
Minuten ohne Gegentreffer lautet der Rekord, mit dem das Nationalteam Brasiliens um Torhüter Julio Cesar zum WM-Qualifikationsspiel am Sonntag nach Venezuela reist. Die Seleção hat auf internationaler Ebene kein Tor mehr zugelassen, seit Salvador Cabanas beim Überraschungssieg Paraguays am 15. Juni mit seinem Treffer in der 49. Minute den 2:0-Endstand besorgte. Doch für Brasilien spricht in San Cristobal weit mehr als nur diese herausragende Defensivleistung. Der Rekordweltmeister hat bisher bei allen sieben Gastspielen in Venezuela den Platz als Sieger verlassen und kann auch bei den bisher zwölf Partien im Rahmen von FIFA WM-Qualifikationen gegen diesen Gegner eine makellose Bilanz aufweisen. Andererseits liegt es nur wenige Monate zurück, dass Carlos Dunga zum ersten brasilianischen Coach wurde, der eine Niederlage gegen Venezuela miterleben musste, als Robinho und Co. bei einem Freundschaftsspiel in Boston überraschend mit 0:2 unterlagen.
Einsätze in der englischen Premier League - diesen Meilenstein erreichte Wayne Rooney am Samstag im Spiel gegen die Blackburn Rovers. Der Stürmerstar von Manchester United feierte dieses Jubiläum auf seine Art, indem er einfach die nächste runde Zahl produzierte: er erzielte sein 70. Tor in der höchsten englischen Spielklasse. Es ist nun fast sechs Jahre her, dass der heute 22-jährige Rooney zum jüngsten Torschützen in der Geschichte der Premier League wurde, als er fünf Tage vor seinem 17. Geburtstag mit einem atemberaubenden Treffer für den FC Everton die Serie von 30 ungeschlagenen Spielen des damaligen Gegners FC Arsenal beendete. Seitdem haben nur vier Spieler in Englands höchster Spielklasse öfter getroffen als Rooney, nämlich Thierry Henry (116 Treffer), Robbie Keane (81), Ruud van Nistelrooij (72) und Aiyegbeni Yakubu (71).
Jahre ist es her, dass beim Olympischen Fussballturnier 1912 in Stockholm die Nationalteams Deutschlands und Russlands erstmalig gegeneinander antraten. Es sollte ein historisches Treffen werden, denn Russlands zweites Länderspiel überhaupt endete mit einer unglücklichen 0:16-Pleite, die bis heute für beide Länder einen Rekord darstellt. An diesem Samstag wird Deutschland, das zum ersten Mal seit der Halbfinalniederlage gegen Italien bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006 ein Länderspiel im Dortmunder Westfalenstadion bestreitet, wohl nicht so leichtes Spiel haben. Das Team unter Leitung von Guus Hiddink gilt allgemein als Deutschlands gefährlichster Rivale auf dem Weg nach Südafrika, obwohl Russland mehr als ein halbes Jahrhundert zurückblicken muss, um auf den letzten Sieg auf deutschem Boden zu stoßen: ein 2:1-Erfolg der ehemaligen UdSSR 1956 in Hannover.
Tage nach seinem 15. Geburtstag in der vergangenen Woche wurde Reuben Noble-Lazarus, Spieler des FC Barnsley, zum jüngsten Spieler in der Geschichte der englischen Football League, der zweithöchsten Spielklasse Englands. Er brach damit einen fast 80 Jahre alten Rekord. Noble-Lazarus löste durch seine Einwechslung bei der 0:3-Niederlage seines Teams gegen Ipswich Town Albert Geldard vom Klub Bradford Park Avenue als bisher jüngsten Spieler ab. Geldard, der es später auf vier Länderspieleinsätze bringen sollte, war 1929 bei seinem Ligadebüt 113 Tage älter als das Jungtalent aus Barnsley. Noble-Lazarus, der noch zu jung ist, um für seinen Einsatz bezahlt zu werden, ging am nächsten Tag wieder normal zur Schule. Dort wurde der junge Fussballer vom Schuldirektor unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, der ihm für Trödeln auf dem Flur "eins hinter die Löffel gab". Um zu verhindern, dass er aufgrund seiner wachsenden Bekanntheit zum Ziel von allzu aggressiver Manndeckung durch gegnerische Teams wird, musste er außerdem aus der Schulmannschaft ausscheiden.
Spiele: 3 Unentschieden und 7 Niederlagen. Das ist vor dem Gastspiel in Rumänien die düstere Bilanz der französischen Nationalmannschaft in osteuropäischen Ländern in der FIFA WM-Qualifikation. Die unerfreuliche Bilanz mit Niederlagen gegen Bulgarien, die DDR, die UdSSR und Jugoslawien ist sicher nicht das, was sich der unter Druck stehende Nationaltrainer Raymond Domenech vor dem erneuten Aufeinandertreffen mit einem starken Gegner gewünscht hat. Rumänien weckt auch durch die jüngste Vergangenheit schlechte Erinnerungen bei den Franzosen: bei der UEFA EURO 2008 erkämpfte das Team ein 0:0 gegen Les Bleus - dieses Unentschieden war der Auftakt des desaströsen Auftritts Frankreichs bei der diesjährigen EM. Wenn es überhaupt ein historisches Ereignis gibt, das den Franzosen Mut machen könnte, dann ist es die Tatsache, dass sie schon einmal an einem 11. Oktober in Rumänien gewannen: 1995 erzielten Christian Karembeu, Youri Djorkaeff und Zinédine Zidane die Treffer zum 3:1-Erfolg.
