Eigentlich ist Fussball ein ganz simples Spiel: Es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore erzielt. Und doch gibt es jede Woche, in jeder Liga und bei jedem einzelnen Spiel verblüffende statistische Details, die das schönste aller Spiele zu einem fantastischen Spektakel machen.
Daher wirft FIFA.com wöchentlich einen Blick auf die Zahlen, die sich hinter den Ergebnissen verbergen, und nimmt die größten Gewinner und Verlierer der vergangenen Woche eingehend unter die Lupe. In der jüngsten Ausgabe unserer statistischen Zusammenfassung blicken wir zufrieden auf das Olympische Fussballturnier mit den höchsten Zuschauerzahlen der Geschichte zurück. Außerdem drücken wir einem Team auf Barbados unser Mitgefühl aus, das innerhalb von nur fünf Tagen 29 Treffer kassierte.
Tage nach seinem 38. Geburtstag zeigte der routinierte Innenverteidiger David Weir allen, dass er noch längst nicht zum alten Eisen gehört. Er erzielte am Samstag im Auswärtsspiel gegen den FC Aberdeen den Führungstreffer für die Glasgow Rangers. Mit diesem Treffer avancierte er zum ältesten Torschützen und feierte in derselben Woche seinen 61. Länderspieleinsatz für Schottland. Allerdings brachte sein Tor nicht den erhofften Sieg gegen Aberdeen, sondern man gab am Ende im Pittodrie-Stadion noch zwei Punkte ab. Am Sonntag steht dann das erste Old Firm-Derby der aktuellen schottischen Saison an. Am anderen Ende des Altersspektrums steht Admir Mehmedi, seines Zeichens Stürmer beim FC Zürich. Der Nachwuchsstar, der volle 21 Jahre jünger ist als Weir, erzielte am Samstag beim 3:1-Auswärtssieg seines Teams gegen Sion den letzten Treffer und wurde damit jüngster Torschütze der Woche. Der schweizerische Junioren-Nationalspieler, der ursprünglich aus Mazedonien stammt, zog im April zum ersten Mal die Aufmerksamkeit der Fussballwelt auf sich, als er im Finale des Blue Stars/FIFA Youth Cup alle drei Tore für sein Team erzielte. Seither gilt er in seiner Wahlheimat als einer der vielversprechendsten Nachwuchsspieler.
Jahre nachdem Ungarn als drittes und bis vergangenen Samstag letztes Land seinen Olympiasieg erfolgreich verteidigt hatte, schrieb Argentinien ein eigenes Kapitel olympischer Geschichte. Nach dem ersten Titelgewinn 2004 in Athen errangen die Südamerikaner auch vier Jahre später in Peking wieder die Goldmedaille. Vor den Ungarn war diese Meisterleistung bereits Großbritannien (1908/12) und Uruguay (1924/28) gelungen, die Ungarn sicherten sich 1968 den zweiten Titel in Folge. Im modernen Fussball ist Argentiniens Erfolg jedoch einzigartig, ebenso wie die Errungenschaft des Mittelfeldregisseurs Javier Mascherano. Der Mittelfeldregisseur des FC Liverpool war sowohl in Athen als auch in Peking dabei und sicherte sich damit als erster argentinischer Sportler (in allen Sportarten) zwei Olympische Goldmedaillen. Außerdem war sein selbstloser Arbeitseinsatz wieder einmal der Schlüssel zum Erfolg der Argentinier. Argentinien hat jetzt elf seiner insgesamt 18 Endspiele bei FIFA-Wettbewerben gewonnen. Mit dem Sieg gegen die tapfer kämpfenden Nigerianer haben die Südamerikaner außerdem ihren eigenen Olympischen Rekord gebrochen und in diesem Wettbewerb zwölf Siege in Folge eingefahren.
Gegentore in nur zwei Spielen fing sich Tudor Bridge ein, das in Barbados am Tabellenende rangiert. Die Kellerkinder mussten damit eine besonders katastrophale Woche hinnehmen. Es fing am Dienstag mit einer 0:11-Niederlage gegen Maxwell schon schlecht an, aber wenn man beim Tabellenschlusslicht der Premier League gedacht hatte, schlimmer könne es nicht kommen, dann hatte man sich getäuscht. Am Sonntag kehrte die Truppe nämlich mit einer blamablen 1:18-Niederlage im Gepäck von Tabellenführer Notre Dame zurück. Trotz dieser hohen Niederlagen und einer Tordifferenz von minus 49 rangiert Tudor Bridge jedoch keinesfalls abgeschlagen am Tabellenende. Der Vorletzte, Youth Milan, hat gerade einmal drei Punkte Vorsprung.
Heimsiege in Folge hat der FC Liverpool auf dem Konto, wenn es heute Abend in das wichtige Qualifikationsspiel für die UEFA Champions League gegen Standard Lüttich geht. Das ist Vereinsrekord in der Premier League. Rafael Benitez' Startruppe hat es im Hinspiel in Belgien gerade einmal auf ein glückliches torloses Unentschieden gebracht. Allerdings fehlte damals auch Steven Gerrard im Startaufgebot, der sich am Samstag einmal wieder als spielentscheidend erwies. Es war nicht das erste Mal, dass der Kapitän der Reds in der Nachspielzeit plötzlich goldrichtig stand und die Fans mit einem brillanten Siegtreffer zum Jubeln brachte. Damit stellte er den Rekord von 1990 ein. Damals hatte das Team von April bis November ebenfalls neun Heimspiele in Folge gewonnen. Gerrard will das Stadion an der Anfield Road jetzt zu einer uneinnehmbaren Festung machen: "In der vergangenen Saison haben wir nur ein Heimspiel verloren, aber zu oft unentschieden gespielt", meinte er am Samstag. "Zu Hause muss man sich in absoluter Top-Form präsentieren."
Millionen Fans strömten bei den Olympischen Fussballturnieren der Männer und Frauen durch die Eingangstore der Stadien. Damit halten die Olympischen Spiele 2008 in Peking nun den Zuschauerrekord. Mit dieser fantastischen Unterstützung wurde der vorherige Rekord von 1,82 Millionen Zuschauern bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau um Längen übertroffen. Das zeigt einmal mehr, wie fussballbegeistert die Chinesen sind. Obwohl die Fans sicherlich brillanten Fussball geboten bekamen, blieb die durchschnittliche Anzahl der Tore pro Spiel sowohl im Männer- als auch im Frauenturnier hinter den letzten Auflagen zurück. Bei den Frauen fielen durchschnittlich nur 2,54 Tore pro Partie im Vergleich zu 2,75 im Jahr 2004. Das ist die niedrigste Trefferzahl aller Zeiten. Bei den Männern war die Ausbeute sogar noch magerer. Während in Athen noch durchschnittlich 3,16 Treffer pro Spiel zu Buche standen, brachte man es bei der aktuellen Auflage gerade einmal auf 2,33.
