Eigentlich ist Fussball ein ganz simples Spiel: Es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore erzielt. Und doch gibt es jede Woche, in jeder Liga und bei jedem einzelnen Spiel verblüffende statistische Details, die das schönste aller Spiele zu einem fantastischen Spektakel machen.
Daher wirft FIFA.com wöchentlich einen Blick auf die Zahlen, die sich hinter den Ergebnissen verbergen, und nimmt die größten Gewinner und Verlierer der vergangenen Woche eingehend unter die Lupe. In dieser Woche nehmen wir Abschied von der UEFA EURO 2008 und werfen noch einmal einen Blick auf zwei ihrer größten Protagonisten: Xavi and Michael Ballack. Zudem machen wir Station in Brasilien, Italien und der Republik Irland.
Siege in der brasilianischen Landesmeisterschaft Brasileiro sind ein Meilenstein, den bislang lediglich drei brasilianische Mannschaften erreicht hatten. Am Wochenende durchbrachen nun auch Flamengo und Palmeiras die magische Marke. Flamengo hatte besonderen Grund zu feiern, schließlich siegte der Klub aus Rio auswärts mit 2:1 bei Sport Club do Recife und genießt nun einen Vorsprung von zwei Punkten in der Tabelle. Für Recife war es hingegen die erste Heimniederlage nach 23 Spielen. Cruzeiro Belo Horizonte, das zusammen mit Grêmio Porto Alegre den zweiten Platz belegt, hat an Boden verloren, nachdem das Team vor heimischer Kulisse den ersten Gegentreffer und Punktverluste beim 1:1-Unentschieden gegen São Paulo hinnehmen musste. A Raposa und Grêmio liegen nun zwei Punkte hinter Flamengo, während Palmeiras durch den 400. Sieg im Brasileiro zwei Punkte hinter diesem Verfolgerduo und drei Punkte hinter dem Tabellenführer in Lauerstellung gegangen ist. Santos hat indes die Chance auf den 400. Sieg ungenutzt gelassen und musste sich am Samstag mit einem torlosen Unentschieden gegen Portuguesa zufrieden geben. O Peixe ist noch nie so schlecht in den Brasileiro gestartet. Nach acht Spieltagen stehen lediglich sechs Punkte zu Buche. Hinzu kommt, dass die Mannschaft in den letzten sechs Begegnungen nur einen Treffer erzielt hat.
Minuten nur hat Mark Quigley vom irischen Klub St. Patrick's Athletic gebraucht, um seinen Verein zu einem nie gefährdeten 3:0-Auswärtssieg bei Derry City zu führen und ganz nebenbei auch noch den schnellsten Hattrick der Woche zu erzielen. Der in Dublin geborene Stürmer traf zwischen der 51. und 88. Spielminute gleich drei Mal im Brandywell-Stadion, wodurch seine Mannschaft bis auf zwei Punkte an den Tabellenführer Bohemians herangerückt ist. Da Cork City und Derry nun bereits fünf Punkte hinter der Tabellenspitze zurückliegen, hat St. Patrick's Athletic die besten Chancen, den Bohemians Paroli zu bieten und den ersten Titel seit 1999 zu holen. Der 22-jährige Quigley hat zudem beste Aussichten, für die A-Nationalmannschaft nominiert zu werden, nachdem er Giovanni Trapattoni jüngst bei der U-23 überzeugen konnte. Nicht umsonst wurde er zweitbester Torjäger in der vergangenen Saison und zum besten Nachwuchsspieler des Jahres gewählt.
Fouls gingen bei der UEFA EURO 2008 auf das Konto von Michael Ballack, doch er wurde auch 16 Mal gelegt. Kein anderer Spieler bei der kontinentalen Meisterschaft in Österreich und der Schweiz musste mehr einstecken. Aber keiner hat auch mehr ausgeteilt. Kein anderer Spieler wurde so oft ermahnt wie der Kapitän der DFB-Auswahl während seiner 564 Spielminuten bei der UEFA EURO 2008. Damit liegt er deutlich vor dem spanischen Trio David Villa, Marcos Senna und Sergio Ramos, die mit 15 Fouls den zweiten Platz in der "Kriminalstatistik" belegen. Gleichzeitig war Ballack aber auch der meistgefoulte Spieler des Turniers. Durch die 16 Fouls, die er einstecken musste, lag er am Ende zwei Foulspiele vor Valon Behrami aus der Schweiz. Zweifelhaft ist, ob der Mittelfeldakteur des FC Chelsea, der den Ruf des ewigen Zweiten endlich abstreifen wollte, in dieser Statistik Trost finden kann, nachdem er in der englischen Premier League, der UEFA Champions League und der UEFA EURO 2008 jeweils kurz vor dem Ziel gescheitert ist.
Kilometer legte Xavi während des EM-Finales zurück und stellte damit die anderen Spieler deutlich in den Schatten. Die Laufbereitschaft des spanischen Spielmachers hat sicherlich dazu beigetragen, dass Xavi, wie schon im gesamten Turnierverlauf auch im Finale dem Spiel seinen Stempel aufdrückte. Während 90 unvergesslicher Minuten, die ganz im Zeichen der Spanier standen, hat die spanische Mittelfeldarmada die Fäden in einem einseitigen Spiel gezogen und 62 Pässe gespielt bzw. Flanken geschlagen, wovon beeindruckende 87 Prozent ihr Ziel fanden. Der 28-jährige Xavi, der bereits 63 Länderspiele hinter sich hat, genoss lange Zeit nicht die Anerkennung, die ihm zustand. Nach seiner Ernennung zum besten Spieler des Turniers am Tag nach dem Titelgewinn der Furia Roja, der einer 44-jährigen Durststrecke ein Ende setzte, wurde der Mittelfeldspieler des FC Barcelona endlich für seine Klasse und Übersicht ausgezeichnet, die ihn sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft auszeichnen.
Niederlagen in 29 Spielen war die beeindruckende Bilanz, die Marcello Lippi hinterließ, als er nach dem WM-Titelgewinn 2006 das Ruder der Squadra Azzurra an Roberto Donadoni übergab. Die wenigen Niederlagen (6,9 Prozent), die weder einer seiner Vorgänger noch sein Nachfolger vorzuweisen hat, haben die Führungsriege des italienischen Fussballs dazu bewogen, der 60-jährigen Trainerlegende nach dem erfolglosen und viel kritisierten Auftritt bei der EURO 2008 wieder die Verantwortung zu übertragen. Lippis Rekord zwischen 2004 und 2006 ist umso beeindruckender, da Donadoni mit 21,74 Prozent Niederlagen startete, während Arrigo Sacchi 1996 nach acht Niederlagen in 53 Spielen (15,09 Prozent) abtrat. Sogar der große Vittorio Pozzo, den alle italienischen Nationaltrainer bewundern, hat 17,53 Prozent seiner 97 Spiele verloren. Allerdings holte er zwischen 1912 und 1948 auch so manchen Titel.
