Eigentlich ist Fussball ein ganz simples Spiel: Es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore erzielt. Und doch gibt es jede Woche, in jeder Liga und bei jedem einzelnen Spiel verblüffende statistische Details, die das schönste aller Spiele zu einem fantastischen Spektakel machen.
Daher wirft FIFA.com wöchentlich einen Blick auf die Zahlen, die sich hinter den Ergebnissen verbergen, und nimmt die größten Gewinner und Verlierer der vergangenen Woche eingehend unter die Lupe. In dieser neuesten Ausgabe unseres statistischen Wochenrückblicks stehen die Erfolge von Luis Aragones, Luciano Emilio und Philipp Lahm sowie eine weitere knifflige Herausforderung für Sir Alex Ferguson durch einen seiner ehemaligen Schützlinge im Mittelpunkt.
Pässe, mehr als jeder andere Spieler bei der UEFA EURO 2008 - dies erklärt, warum Philipp Lahm ein so einflussreicher und beeindruckender Akteur im Nationalteam Deutschlands ist, das beim aktuellen kontinentalen Kräftemessen nach der EM-Krone greift. Der stets offensivgefährliche Außenverteidiger war der einzige deutsche Spieler, der bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™ alle 690 Minuten auf dem Feld stand, und auch in der EM-Mannschaft von Joachim Löw, die den ersten europäischen Titel seit 1996 holen möchte, steht er erneut für Kontinuität und Zuverlässigkeit auf beiden Außenbahnen. Am heutigen Abend könnte Lahm im ersten Halbfinale der EURO gegen die Türkei auf einen seiner Klubkameraden treffen. Doch Hamit Altintop sollte sich besser nicht darauf verlassen, dass ihm sein Mitstreiter bei Bayern München irgendeinen Gefallen erweisen könnte - denn der stets siegeshungrige und sportlich vielseitige Lahm beendete sogar das teaminterne Tischtennisturnier der deutschen Mannschaft als Gewinner.
Jahre und 334 Tage - wenn Luis Aragones am Donnerstagabend seine Schützlinge auf den Rasen und in den Kampf gegen Russland schickt, ist er der älteste Trainer, der jemals das Halbfinale einer UEFA Europameisterschaft erreichte. Der erfahrene spanische Coach wird hoffen, dass seine Weisheit und Erfahrung für seine Furia Roja eben so wertvoll sein werden, wie sie es für das Team waren, das unter der Leitung jenes Mannes stand, dessen Rekord Aragones jetzt bricht: Otto Rehhagel. Damals gelang dem deutschen Trainer Griechenlands 38 Tage vor seinem 66. Geburtstag der Halbfinal-Coup gegen die Tschechische Republik. Diese wiederum wurde bei diesem 0:1 vom drittältesten Trainer der EM-Historie, Karel Brückner, gecoacht, damals 64. Aragones wurde für die Auftritte seiner Mannschaft allenthalben gelobt, und es sagt viel über die historische Bedeutung des Viertelfinalsiegs der Spanier aus, dass nicht einmal er selbst, dessen Karriere als Spieler vor 51 Jahren begann, den letzten Sieg Spaniens gegen Italien bei einem großen Turnier miterlebte - bei den Olympischen Spielen 1920.
Treffer in 5 Spielen machen Luciano Emilio von DC United zum heißen Anwärter auf den erneuten Gewinn des Goldenen Schuhs der MLS als bester Torschütze. 2007 eroberte der 29-jährige Brasilianer die höchste U.S.-amerikanische Spielklasse im Sturm, erzielte mit 20 Toren einen Ligarekord und wurde gleich mit vier Auszeichnungen geehrt, unter anderem als wertvollster Spieler und bester Newcomer der MLS, außerdem wurde er in die beste Elf der Saison gewählt. Diese Saison scheint für Emilio schwieriger zu werden, aber seine jüngste Erfolgssträhne, die er am 14. Juni mit dem ersten Hattrick der MLS-Geschichte gegen die New York Red Bulls abrundete, brachte ihn wieder bis auf drei Tore an den führenden Torschützen der Liga, Landon Donovan, heran. Dafür, dass Emilio nach Engagements in Deutschland, Honduras, seiner brasilianischen Heimat und Mexikos zweiter Liga mit dem Ruf eines Weltenbummlers in Washington anheuerte, hat er gewiss einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
von Sir Alex Fergusons ehemaligen Schützlingen werden in der kommenden Saison der englischen Premier League als Trainer gegen ihren Mentor antreten, nachdem Paul Ince als Nachfolger von Mark Hughes bei den Blackburn Rovers verpflichtet wurde. Hughes selbst wird, nachdem er sich auf einen Wechsel zu Manchester City verständigt hat, im Stadtderby auf Ferguson treffen. Die zwei ehemaligen Kapitäne des Team-Managers von Manchester United, Roy Keane und Steve Bruce, bleiben beim FC Sunderland beziehungsweise bei Wigan Athletic als Trainer tätig. Die Liste wäre sogar noch länger ausgefallen, wenn Alex McLeish mit Birmingham City nicht am letzten Saisonspieltag abgestiegen wäre. Auch in der UEFA Champions League kommt es zu einem Aufeinandertreffen von Sir Alex Ferguson mit einem ehemaligen Spieler: Celtic Glasgow-Trainer Gordon Strachan spielte in Aberdeen und Manchester unter der schottischen Trainerlegende. Und doch ist das Wiedersehen mit Paul Ince besonders pikant. Berühmt die Passage in Fergusons Autobiografie, in der er den selbsternannten 'Chef' des ManU-Mittelfelds als "egozentrisch und arrogant" bezeichnete. Doch gestern betonte Ince, dass sich die Beziehung der beiden längst entspannt habe. "Erst vor einem Jahr saß er in meinem Büro und wir tranken ein Glas Rotwein", sagte der neue Team-Manager von Blackburn. "Als Fussballer war es fantastisch, für diesen Mann zu arbeiten, seine Ansprüche sind unglaublich hoch, und es ist kein Zufall, dass seine ehemaligen Spieler als Team-Manager so viel Erfolg haben."
Siege in 6 Begegnungen sowie gerade einmal 8 Tore ergeben den schlechtesten Start, den Brasilien jemals in der Qualifikation für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft hingelegt hat, seit die CONMEBOL 1998 die Vorausscheidung in Ligaform einführte. Die Mannschaft von Carlos Dunga wurde nach dem 0:0 gegen Argentinien vor heimischem Publikum mit Hohn und Spott verabschiedet - der negative Höhepunkt einer miserablen Serie, in deren Verlauf die Seleção in Paraguay mit 0:2 unterging und kürzlich auch erstmalig in ihrer Geschichte gegen Venezuela verlor. Das Nationalteam Perus hingegen hätte diese Probleme sicherlich gerne, denn ihre Bilanz in derselben Qualifikation lautet: sechs Spiele, sechs Niederlagen. Dies ist mit Abstand die schlechteste Leistung, die das Land in dieser Phase der Qualifikation jemals gezeigt hat. Letzter Nutznießer dieser Schwächeperiode war Uruguay, das den Peruanern beim letzten Aufeinandertreffen ohne nennenswerte Gegenwehr sechs Tore einschenkte und damit den höchsten Sieg in der Geschichte der WM-Qualifikation feierte.
