Eigentlich ist Fussball ein ganz simples Spiel: Es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore erzielt. Und doch gibt es jede Woche, in jeder Liga und bei jedem einzelnen Spiel verblüffende statistische Details, die das schönste aller Spiele zu einem fantastischen Spektakel machen.
Daher wirft FIFA.com wöchentlich einen Blick auf die Zahlen, die sich hinter den Ergebnissen verbergen, und nimmt die größten Gewinner und Verlierer der vergangenen Woche eingehend unter die Lupe. In der neuesten Folge des statistischen Wochenrückblicks bedauern wir Crvena Zvezda und freuen uns mit Marco van Basten und John Fleck, und wir erklären Ihnen, wie sich das lange Warten für Lyon und Hull City schließlich doch noch auszahlte.
Jahre sind eine lange Wartezeit. Für Olympique Lyon war es schon mehr als ärgerlich, dass der letzte Gewinn des französischen Pokals tatsächlich länger als ein Dritteljahrhundert zurück lag. Schließlich hat der Klub in seiner Geschichte schon 14-mal das Double aus Meisterschaft und Pokal gefeiert. Doch der Verein, der nun zum siebten Mal in Folge die französische Meisterschaft gewonnen hat, lief dem Pokalsieg schon seit Jahrzehnten hinterher. Am Samstag war es dann endlich soweit: der Treffer von Sidney Govou im Stade de France bescherte dem Serienmeister einen knappen 1:0-Sieg über Paris St. Germain. "35 Jahre lang musste die Mannschaft auf den Pokalgewinn warten", so Mittelfeldspieler Mathieu Bodmer nach der Partie. "Das ist jetzt endlich vorbei!" Der Pokalsieg stellt einen würdigen Schlusspunkt für die glanzvolle Karriere von Torhüter Gregory Coupet bei Lyon dar. Für Trainer Alain Perrin, der wegen des knappen Ausgangs der Meisterschaft in der Kritik stand, ist es der zweite Pokalsieg in Folge, nachdem er im vergangenen Jahr mit Sochaux den Coup de France gewonnen hatte.
Spiele ohne Niederlage sind die derzeit längste Erfolgserie im Weltfussball, doch Crvena Zvezda hat trotz dieser außerordentlichen Leistung keinen einzigen Titel gewonnen. Es klingt unglaublich, doch obwohl der Verein, der früher unter dem Namen Roter Stern Belgrad antrat, die gesamte Saison der serbischen Superliga ohne Niederlage absolvierte, musste die Mannschaft am Sonntag miterleben, wie auch die letzte Hoffnung auf den Titel verschwand, als Lokalrivale Partizan Belgrad sich mit 1:0 gegen FK Napredak durchsetzte. Partizan hatte vor wenigen Wochen bereits den serbischen Pokal gewonnen und sicherte sich den 20. Meistertitel seiner Geschichte letztlich mit einem überraschend komfortablen Vorsprung von fünf Punkten.
Siege als niederländischer Nationaltrainer sind ein Nachkriegsrekord, den sich Dick Advocaat jetzt mit Marco van Basten teilt, nachdem die Niederländer am Samstag zu einem klaren 3:0-Sieg in einem Freundschaftsspiel gegen die Ukraine kamen. Den Gesamtrekord hält Bob Glendenning, der von 1923 bis 1940 nicht weniger als 37 Siege für Oranje feiern konnte. Van Basten benötigte im Übrigen nur 45 Spiele, um die 31 Siege zu erreichen, während es bei Advocaat immerhin 55 Partien waren. Auch sonst gab es für die Niederländer Grund zur Freude: Edwin van der Sar hielt in Moskau den entscheidenden Elfmeter und wurde dabei außerdem zum fünftältesten Spieler und zweitältesten Torhüter (hinter Dino Zoff), der in einem Europapokal- bzw. UEFA Champions League-Finale spielte. 13 Jahre zuvor hatte Van der Sar mit Ajax Amsterdam zum ersten Mal die Champions League gewonnen - auch das ist ein Rekord. Einen größeren Abstand zwischen zwei Champions League-Siegen gab es bislang bei keinem anderen Akteur.
Jahre und 274 Tage, so alt war Einwechselspieler John Fleck am Samstag beim 3:2-Sieg der Glasgow Rangers gegen den Zweitligisten Queen of the South im Hampden Park, als er zum jüngsten Spieler wurde, der je in einem schottischen Pokalfinale eingesetzt wurde. Der junge Stürmer, dessen Onkel Robert in den 80er Jahren für die Rangers spielte und vier Mal in der schottischen Nationalmannschaft stand, war im vergangenen Sommer erstmals in der A-Mannschaft der Rangers eingesetzt worden. Immer wieder wird er hinsichtlich seiner Statur und seines Stils mit Wayne Rooney verglichen. Der jüngste Torschütze der Woche war indes Jozy Altidore (18 Jahre und 201 Tage). Allerdings dürfte der U.S.-Nationalspieler sich nicht besonders über seinen Ehrentreffer bei der desaströsen 1:5-Heimniederlage der New York Red Bulls am Sonntag gegen Chicago Fire gefreut haben.
Jahre - länger brauchte der englische Klub Hull City nicht, um sich aus den Niederungen des englischen Fussballs bis in die höchste Spielklasse hochzuarbeiten. Der Klub hatte in seiner 104-jährigen Geschichte noch nie das Oberhaus des englischen Fussballs erreicht. Doch am Samstag gelang ein 1:0-Sieg gegen Bristol City im Playoff-Finale der zweiten Liga, Championship genannt. Dabei war die Person des Torschützen das Tüpfelchen auf dem i in diesem Fussballmärchen: Es war der 39-jährige Dean Windass, eine in Hull geborene Kultfigur, der sich früher seinen Lebensunterhalt in einer Fabrik mit dem Verpacken gefrorener Erbsen verdiente. Der Durchmarsch von Hull aus der vierten in die erste Liga ist jedoch nicht der schnellste aller Zeiten. Diesen Rekord teilen sich Swansea (1977-1981) und Wimbledon (1982-1986). Die große Herausforderung für die Schützlinge von Phil Brown besteht nun im Klassenerhalt - und den haben von den letzten 16 Playoff-Siegern nur sechs geschafft.
