Eigentlich ist Fussball ein ganz simples Spiel: Es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore erzielt. Und doch gibt es jede Woche, in jeder Liga und bei jedem einzelnen Spiel verblüffende statistische Details, die das schönste aller Spiele zu einem fantastischen Spektakel machen.
Daher wirft FIFA.com wöchentlich einen Blick auf die Zahlen, die sich hinter den Ergebnissen verbergen, und nimmt die größten Gewinner und Verlierer der vergangenen Woche eingehend unter die Lupe. In der neuesten Folge des statistischen Wochenrückblicks erfahren Sie etwas über die Leistungen von Santiago Canizares, Landon Donovan und Filippo Inzaghi, aber auch über die verpassten Rekorde von Standard Lüttich und Scott McDonald von Celtic Glasgow.
Ligaspiele in Spanien schienen noch vor kurzem für Santiago Canizares unerreichbar zu bleiben. Denn der 38-jährige Torhüter war von Trainer Ronald Koeman auf das Abstellgleis verbannt worden, und auch Miguel Angulo und David Albelda spielten zuletzt unter dem Niederländer nicht mehr. Doch der Weggang von Koeman bedeutete für den langjährigen spanischen Nationaltorhüter den Weg zurück ins Team - und er feierte seinen Rekord mit einer weißen Weste in seinem 500. Ligaspiel (1. und 2. Liga). Auch Angulo konnte bei seiner Rückkehr in die Mannschaft einen Rekord feiern, nämlich seinen 300. Ligaeinsatz für Valencia. Am Ende feierten Los Che einen ungefährdeten 3:0-Sieg gegen Osasuna und beendeten damit die längste Niederlagenserie des Klubs seit 1997.
Mal trafen in der höchsten englischen Spielklasse bereits die Teams von Everton und Aston Villa aufeinander - damit gab es diese Paarung öfter als alle anderen. Das mag für Fans, die erst seit der Einführung der Premier League 1992 den Fussball verfolgen, sehr überraschend sein. Doch die Statistik zeigt, dass Manchester United, Liverpool und Chelsea es nicht mit dem Rekord der Toffees und Villains aufnehmen können, die es zusammen auf 203 Spielzeiten in der jeweils höchsten Liga des Landes bringen. Noch bemerkenswerter ist vielleicht sogar die Tatsache, dass die Bilanz aus diesen 186 Duellen völlig ausgeglichen ist: beide Traditionsvereine bringen es exakt auf 70 Siege. In der laufenden Saison stehen Everton und Aston Villa so eng beieinander wie selten. Nach dem 2:2-Unentschieden im Goodison Park am Sonntag (das 46. Remis zwischen den beiden Teams) stehen beide weiterhin im äußerst knappen Kampf um das Erreichen des fünften Tabellenplatzes.
Jahre ist es her (genau am 3. Januar 1966), dass Stevie Chalmers beim 5:1-Derbysieg von Celtic Glasgow gegen den Erzrivalen Glasgow Rangers einen Hattrick erzielte. Seitdem gelang keinem Spieler der beiden Mannschaften mehr in einem Ligaderby ein Hattrick. Als Scott McDonald, der bereits zwei Treffer erzielt hatte, am Sonntag im Old-Firm-Derby im Celtic Park einen Strafstoß bekam, erwarteten alle ein historisches Tor. Das Problem dabei? Der Australier hatte gerade einmal zwei Wochen zuvor an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner einen Elfmeter verschossen. Beim Stande von 2:2 hätte ein Treffer die Titelhoffnungen Celtics beflügelt - doch der Druck wäre wohl zu hoch gewesen. Eigentlich waren Jan Vennegoor of Hesselink und Shunsuke Nakamura als erster und zweiter Elfmeterschütze der Bhoys ausgemacht, doch dann schnappte sich Barry Robson den Ball und jagte ihn in die Maschen, so dass Celtic nun fünf Punkte Vorsprung vor die Rangers hat, die allerdings noch ein Spiel mehr zu absolvieren haben.
Spiele in Folge ohne Niederlage des zypriotischen Klubs Anorthosis Famagusta sind die längste ungeschlagene Serie im Welfussball. Die Zyprioten können sich darüber freuen, nachdem die Hoffnungen von Standard Lüttich, als erste Mannschaft seit 74 Jahren eine gesamte Saison in der belgischen Liga ohne Niederlage zu überstehen, am Sonntag im wallonischen Derby zerplatzten. Charleroi gelang, was seit Excelsior Mouscron am 19. Mai 2007 keinem anderen Konkurrenten mehr gelungen war: ein Sieg gegen den frisch gebackenen belgischen Meister. Anorthosis hatte unterdessen spielfrei, wobei der 13. zypriotische Meistertitel bereits unter Dach und Fach ist. Die Mannschaft, die vom ehemaligen georgischen Nationalspieler Temuri Ketsbaia trainiert wird, entthronte APOEL Nikosia und ist nur noch 180 Minuten davon entfernt, die Saison ohne eine einzige Niederlage abzuschließen.
Jahre ohne nationalen Titel endeten für Feyenoord Rotterdam am Sonntag, als man zum elften Mal den niederländischen Pokal gewann. Die neunjährige Durststrecke war die längste, die Feyenoord seit Einführung des Profifussballs in den Niederlanden 1954 durchstehen musste. Der letzte Titel war der niederländische Supercup, den man im August 1999 gewonnen hatte. Lediglich der Gewinn des UEFA-Pokals 2002 hatte den Fans in dieser langen Zeit Grund zum Jubeln gegeben. Feyenoord hofft nun, dass der 2:0-Sieg vom Sonntag gegen Roda JC Kerkrade als Sprungbrett dient, durch das man wieder zu den traditionell beherrschenden Mannschaften PSV Eindhoven und Ajax Amsterdam aufschließen kann.
Tore in einer Saison stellen für einige Stürmer schon das höchste der Gefühle dar. Landon Donovan und Filippo Inzaghi hingegen haben diese Anzahl von Treffern allein in ihren letzten vier Spielen erzielt und dafür beide wohlverdiente Anerkennung geerntet. Nach Donovans Hattrick beim 5:2-Sieg von Los Angeles Galaxy gegen Chivas USA am Samstag sparte sein Mannschaftskamerad David Beckham nicht mit Lob: "Landon ist ein ganz besonderer Spieler. Heute hat er wieder gezeigt, dass er keineswegs ein reiner Strafraumstürmer ist." Carlo Ancelotti war ebenfalls voll des Lobes über Superpippo, der beim 4:1-Sieg bei Livorno in typischer Abstaubermanier drei Mal traf. "Er ist derzeit in Bestform, genau wie Kaká", so der Trainer des AC Mailand. "Im Moment bilden die beiden eine fantastische Partnerschaft."
