Eigentlich ist Fussball ein ganz simples Spiel: Es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore erzielt. Und doch gibt es jede Woche, in jeder Liga und bei jedem einzelnen Spiel verblüffende statistische Details, die das schönste aller Spiele zu einem fantastischen Spektakel machen.
Daher wirft FIFA.com wöchentlich einen Blick auf die Zahlen, die sich hinter den Ergebnissen verbergen, und nimmt die größten Gewinner und Verlierer der vergangenen Woche eingehend unter die Lupe. In der neuesten Ausgabe des statistischen Wochenrückblicks zollen wir den Erfolgen von Standard Lüttich, Steaua Bukarest, Predrag Djordjevic und Kevin Kuranyi Tribut. Auf der anderen Seite beschäftigen wir uns mit den Negativschlagzeilen von Gregoor van Dijk und den erschreckenden Ereignissen im Pride Park und im Mestalla-Stadion.
Jahre ist es her, dass Union Saint-Gilloise während einer gesamten Spielzeit der belgischen Jupiler League nicht eine einzige Niederlage hinnehmen musste - eine bemerkenswerte Leistung. Das Team war zur damaligen Zeit so dominant, dass es von 1932 bis 1935 eine Serie von sage und schreibe 60 Spielen ohne Niederlage hinlegte. Im Vergleich dazu mag sich Standard Lüttichs derzeitige Erfolgsserie von 30 Ligaspielen bescheiden ausnehmen, aber da in der Saison 2007/08 nur noch vier Spieltage ausstehen, steht der designierte belgische Meister zumindest kurz davor, die Saison wie damals Union Saint-Gilloise mit weißer Weste zu beenden. Die Mannschaft von Michel Preud'homme rangiert mit sieben Punkten Vorsprung vor dem RSC Anderlecht an der Tabellenspitze. Standard kam dem Rekord am Freitag mit einem torlosen Unentschieden in Lokeren einen weiteren Schritt näher, und auch der erste Meistertitel seit 1983 ist für die formstarke Truppe zum Greifen nahe.
Minuten brauchte Predrag Djordjevic in den Reihen von Olympiakos Piräus, um den schnellsten Hattrick der Woche zu erzielen und Xanthi im Alleingang zu besiegen. Der erfahrene Leistungsträger von Olympiakos, der bereits seit zwölf Spielzeiten in Diensten des griechischen Spitzenklubs steht, beförderte das Leder von der 38. bis zur 52. Minute drei Mal ins Netz und brachte den Tabellenführer der griechischen Super League damit dem vierten Titelgewinn in Folge einen Schritt näher. Djordjevic (35) wurde bereits zehn Mal griechischer Meister, das ist noch nie zuvor einem ausländischen Spieler gelungen. Er fühlt sich in seiner Wahlheimat ausgesprochen wohl, hat inzwischen die griechische Staatsbürgerschaft angenommen und ist mit einer Griechin verheiratet. Da Olympiakos derzeit mit zwei Punkten Vorsprung vor AEK Athen und vier Punkten vor Panathinaikos an der Tabellenspitze rangiert, liegt der elfte Titel durchaus im Bereich des Möglichen.
Minuten benötigte unterdessen Kevin Kuranyi, um am Dienstagabend beim 5:0-Heimsieg seines Klubs FC Schalke 04 gegen Energie Cottbus den schnellsten Hattrick der laufenden Bundesliga-Saison zu erzielen. Der deutsche Nationalstürmer traf zwischen der 37. und 59. Spielminute drei Mal, um dann in der 80. Minute gar noch einen vierten eigenen Treffer feiern zu dürfen. Im Laufe seiner Karriere hat der 26-Jährige nun bereits vier Hattricks erzielt. Damit konnte Kuranyi mit Miroslav Klose aufschließen, der bislang alleine die Bundesliga-Bestmarke aller noch aktiven Spieler hielt. Vier Tore in einem Spiel gelangen im deutschen Oberhaus zuletzt dem Bulgaren Martin Petrov, der dieses Kunststück am 30. Oktober 2004 beim 4:3-Erfolg des VfL Wolfsburg gegen den FSV Mainz 05 vollbrachte. Petrov spielt heute im Trikot des englischen Premier-League-Klubs Manchester City.
Siege in Folge haben Steaua Bukarest wieder an die Tabellenspitze der ersten rumänischen Liga katapultiert und gleichzeitig die Hoffnungen von CFR Clujs geschmälert, den Hauptstadtvereinen nach langjähriger Dominanz endlich den Titel abspenstig zu machen. Steaua, Rapid und Dinamo Bukarest haben gemeinsam 88 Meistertitel auf dem Konto. Eine Zeit lang schien es jedoch so, als könne es CFR, einem relativ unbekannten Klub aus Transsilvanien, gelingen, den Titel seit 1991 zum ersten Mal wieder aus der Hauptstadt zu entführen. Damals hatte Universitatea Craiova dem dominanten Trio ein Schnippchen geschlagen. Steauas beeindruckende Siegesserie, die am Montag in einem 4:0-Kantersieg gegen die Kellerkinder von Universitatea Cluj-Napoca gipfelte, hat die Roş-Albaştrii wieder an die gewohnte Spitzenposition befördert. Der 24. Erstligatitel rückt damit in greifbare Nähe.
Rote Karten hat sich Gregoor van Dijk eingefangen und damit für einen neuen Negativrekord in der niederländischen Eredivisie gesorgt. Vor der Sonntagspartie bei De Graafschap Doetinchem hatte der defensive Mittelfeldspieler vom FC Utrecht den Platzverweisrekord der ersten niederländischen Liga noch mit sechs anderen Spielern geteilt. Dann wurde der 26-Jährige jedoch beim 1:1-Unentschieden gegen das akut abstiegsbedrohte Team von De Graafschap erneut vom Platz gestellt und hält jetzt einsam und allein den Negativrekord. Obwohl Van Dijk bei Utrecht nach wie vor erste Wahl ist, ist ihm sein ungezügeltes Temperament nicht zum ersten Mal zum Verhängnis geworden. 2006 wurde er schon einmal für fünf Spiele gesperrt, weil er Ajax-Mittelfeldspieler Wesley Sneijder ins Gesicht getreten hatte, als dieser bereits am Boden lag.
Tore ohne einen einzigen Gegentreffer erzielte Aston Villa am Samstag bei Derby County und brachte dem Klub damit die zweithöchste Heimniederlage in der Geschichte der englischen Premier League bei. Seit dem 8:1-Kantersieg von Manchester United gegen Nottingham Forest im Jahr 1999 musste kein Klub der englischen Erstliga auf eigenem Platz eine so hohe Niederlage hinnehmen. Die Treffer für das von Martin O'Neill trainierte Aston Villa erzielten sechs verschiedene Spieler: Ashley Young, John Carew, Stilian Petrov, Gareth Barry, Gabriel Agbonlahor und Marlon Harewood. Das Ergebnis fiel außerdem ebenso hoch aus wie die beiden höchsten Erstliga-Heimniederlagen Derby Countys aller Zeiten: Jeweils 1:7 gegen Manchester City bzw. den FC Liverpool in den Jahren 1938 und 1991. Es ist wohl damit zu rechnen, dass Paul Jewells Mannschaft in naher Zukunft noch weitere Negativrekorde aufstellen wird. Im Moment deutet nämlich alles darauf hin, dass sie die Saison mit der niedrigsten Punktzahl und der schlechtesten Tordifferenz in der Geschichte der Premier League abschließen wird.
Siege aus 16 Spielen: Das ist in dieser Saison die magere Ausbeute des FC Valencia im heimischen Mestalla-Stadion. Bei Los Che mag man vor dem Heimspiel gegen Racing Santander am Samstag vielleicht gedacht haben, dass es wohl kaum noch schlimmer kommen kann. Schließlich hatte der Klub aus den ersten 15 Partien gerade einmal 16 Punkte mitgenommen und in diesem Stadium der Saison die schlechteste Punkteausbeute der Vereinsgeschichte zu verzeichnen. Aber dann zeigte sich einmal mehr, wie verwundbar das Team von Ronald Koeman derzeit auf eigenem Platz ist. Niemand war wirklich überrascht, als Racing sich mit 2:1 durchsetzte und Valencias Vorsprung auf die Abstiegsränge damit auf fünf Punkte zusammenschmolz. Im spanischen Oberhaus hat in dieser Saison nur Tabellenschlusslicht UD Levante eine noch schlechtere Heimbilanz vorzuweisen. Wenn es nicht zu einem entscheidenden Umschwung kommt, könnte der FC Valencia seinen eigenen Negativrekord vor heimischer Kulisse brechen: In der Saison 1984/85 standen fünf Siege, neun Unentschieden und drei Niederlagen zu Buche.
