Eigentlich ist Fussball ein ganz simples Spiel: Es gewinnt die Mannschaft, die die meisten Tore erzielt. Und doch gibt es bei jedem einzelnen Spiel verblüffende statistische Details, die das schönste aller Spiele zu einem fantastischen Spektakel machen. Daher wirft FIFA.com wöchentlich einen Blick auf die Zahlen, die sich hinter den Ergebnissen verbergen.
Da sich viele nationale Meisterschaften ihrem Ende zuneigen, befasst sich der Rückblick dieser Woche mit dem dramatischen Saisonfinale in Belgien und Deutschland, zollt aber auch den starken Leistungen von Porto, Guingamp und Nilmar bei Internacional de Porto Alegre Tribut.
Jahre nachdem Le Havre der letzte und bislang einzige Zweitligist war, der den französischen Pokal holte, wurde im Stade de France ein neues Fussballmärchen wahr. Sein Verfasser: das kleine Guingamp, 13. in der zweiten Liga und aus einer Gemeinde in der Bretagne mit gerade etwas mehr als 8.000 Einwohnern stammend. Dem bretonischen Rivalen Stade Rennes kam die Rolle des gestürzten Favoriten zu, denn Eduardo besiegelte mit einem Doppelschlag spät im Spiel den unvergesslichen 2:1-Sieg und damit einen Platz in der UEFA Europa League in der kommenden Saison. Darüber hinaus sicherte der Doppelpack des Brasilianers den ersten Gewinn eines Titels in der 98-jährigen Geschichte von Guingamp und ließ die schmerzliche Niederlage von 1997 vergessen, als man im Finale um den französischen Pokal erst im Elfmeterschießen unterlag.
Siege, fünf Unentschieden und fünf Niederlagen: so lautet die Bilanz von RSC Anderlecht und Standard Lüttich vor dem dramatischen letzten Wochenende in Belgiens Jupiler League. Da beide Teams somit 74 Zähler auf dem Konto haben, könnte, falls beide am letzten Spieltag gegen KRC Genk beziehungsweise KAA Gent dasselbe Ergebnis erzielen, der Meister in einem Playoff mit Hin- und Rückspiel entschieden werden. Seit der Einführung der Liga in Belgien im Jahr 1900, sind erst fünf belgische Meisterschaften auf diese Weise entschieden worden, zuletzt durch Anderlecht im Jahr 1986.
Ballberührungen in ebenso vielen Sekunden benötigte Nilmar am Sonntag für eines der spektakulärsten Tore des Jahres 2009. Der frühere Angreifer von Olympique Lyon, mittlerweile bei Internacional de Porto Alegre in Brasilien unter Vertrag, überwand dabei fünf Spieler der Corinthians auf dem Weg zu einem denkwürdigen Treffer gegen seinen früheren Verein. Das Tor, mit dem O Timaos Serie von 26 Spielen ohne Niederlage im eigenen Pacaembu-Stadion endete, war etwas ganz Besonderes für Nilmar, da dieser zwei Jahre bei den Corinthians gespielt hatte, bevor man ihm 2007 auf unschöne Weise den Laufpass gab. Für den heiß umworbenen 24-Jährigen hatte der Treffer noch eine weitere zusätzliche Bedeutung, denn schließlich wurde er am brasilianischen Muttertag erzielt. "Dieses Tor widme ich natürlich meiner Mutter", erklärte er später. "Es ist eigentlich witzig, denn sie hatte mich noch nie gebeten, ein Tor für sie zu schießen. Aber dieses Mal, als wir uns vor dem Spiel darüber unterhielten, hat sie mich darum gebeten."
Titel holte Porto in den ersten 50 Jahren der portugiesischen Liga. Doch während diese Bilanz gegenüber den 26 Meisterschaften von Benfica Lissabon während desselben Zeitraums äußerst mager scheint, hat es doch in den Jahren seitdem erhebliche Änderungen gegeben. Mit dem Gewinn des Ligatitels der Saison 2008/09 am Sonntag feierte Porto die vierte Meisterschaft in Folge und die 17. in den vergangenen 24 Spielzeiten. Mit dem letzten Erfolg haben die Dragões Sporting Lissabon als zweiterfolgreichsten Verein der Liga mittlerweile klar hinter sich gelassen (24 gegenüber 18 Meisterschaften). Jetzt liegt man nur noch sieben Titel hinter Benfica.
Tore gegen den VfL Wolfsburg erzielte Mario Gomez am Samstag, stellte damit einen neuen Vereinsrekord auf und arbeitete sich in der deutschen Torjägerliste weit nach vorn. Noch nie hat ein Spieler vom VfB Stuttgart es auf 23 Tore in einer Saison gebracht. Bislang hielt Fritz Walter mit 22 Treffern aus der Saison 1991/92 den Rekord. Gomez hat damit nun nicht nur die legendären Stuttgarter Fritz Walter, Jürgen Klinsmann und Giovane Elber hinter sich gelassen, sondern ist auch der erst fünfte Bundesligaspieler seit 2000, dem das Kunststück gelang, vier Tore in einem Spiel zu schießen. Er gehört jetzt zusammen mit Bart Goor, Giovane Elber, Martin Petrov und Kevin Kuranyi diesem exklusiven Kreis an. Der 23-Jährige, der bereits mit dem FC Barcelona, Inter Mailand und verschiedenen Vereinen aus der englischen Premier League in Verbindung gebracht wurde, hat für ein spannendes Saisonfinale gesorgt, und zwar nicht nur im Titelrennen, sondern auch bei der Jagd nach der Torjägerkrone. Wolfsburg hat ebenso wie der FC Bayern München zwei Spieltage vor Schluss 63 Punkte auf dem Konto, während Gomez mit 23 Treffern bis auf ein Tor zum führenden Grafite aufgeschlossen hat.
