Wer hätte das gedacht? Nicht die Tschechische Republik führt nach vier Spielen die Gruppe 3 in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ an, und auch nicht Polen. Das Nationalteam der Slowakei ist es, das die "Pole Position" inne hat und den Topfavoriten das Fürchten lehrt. Ohne Zweifel ist der weltweit beliebteste Sport in dem 5,4 Millionen Einwohner zählenden Land wieder mächtig auf dem Vormarsch. Nicht zuletzt auch dank eines Mannes, der erst im vergangenen Juli das Amt des Nationaltrainers übernahm.
Nahezu perfekter Einstand für Weiss
Die jüngsten Erfolge der Slowaken sind ohne Zweifel mit dem Namen Vladimir Weiss verbunden. Der ehemalige Nationalspieler der Tschechoslowakei, der unter anderem beim FIFA Weltpokal 1990 in Italien dabei war, sammelte zunächst acht Jahre als Chefcoach beim FC Artmedia Petržalka in seiner Heimat sowie beim FK Saturn Ramenskoje in Russland Erfahrung, ehe er seine Mission begann, die Slowakei zum weltweiten Gipfeltreffen nach Südafrika zu führen.
Seither läuft fast alles nach Plan. Einem 2:1-Auftaktsieg in Bratislava gegen Nordirland folgte zwar eine 1:2-Niederlage in Maribor gegen Slowenien, doch ein 3:1-Triumph in Serravalle gegen San Marino sollte den Weiss-Schützlingen genug Selbstvertrauen geben, um zum ersten großen Coup auszuholen: Mitte Oktober behielt man vor heimischer Kulisse - abermals in der Hauptstadt Bratislava - mit 2:1 gegen jene Polen die Oberhand, die wenige Monate zuvor noch bei der UEFA EURO 2008 am Start waren und auch bei der FIFA WM 2006 zum Teilnehmerfeld zählten.
Sestak träumt von Südafrika 2010
Zum großen Hoffnungsträger dieser neuen Generation slowakischer Fussballer avancierte jüngst Stanislav Sestak. Der Stürmer des deutschen Bundesligisten VfL Bochum, der am kommenden Dienstag seines 26. Geburtstag feiert, hat bereits drei Treffer in der WM-Qualifikation geschossen - darunter auch ein Doppelpack, der zwischen der 84. und 86. Spielmninute aus einem 0:1 das besagte 2:1 gegen Polen machte.
"Wir sind auf einem guten Weg. Unsere Jugendarbeit entwickelt sich und auch die slowakische Liga wird stärker werden. Zudem spielen immer mehr Slowaken in stärkeren Ligen. Wenn wir uns hier etabliert haben, dann werden wir es auch schaffen, uns für ein Turnier zu qualifizieren, denn das Potential haben wir", erklärte Sestak vor einigen Monaten im Exklusiv-Interview mit FIFA.com. Der Torjäger ist offenbar hungrig und glaubt fest an sein Ziel: "Ich wünsche mir sehr, dass die Slowakei 2010 zum ersten Mal bei einer WM dabei ist. Wenn es nicht klappen sollte, dann müssen wir es beim nächsten Turnier versuchen. Wir Slowaken sind hartnäckige Leute - wir lassen nicht locker, bis wir es geschafft haben."
Rückkehr in die Top 50 der Welt
Mit dieser Einstellung gelang es den Slowaken jüngst auch, wieder in die Top 50 der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste zurückzukehren. Nachdem man in der Oktober-Ausgabe noch den 60. Rang inne hatte, kletterte die Auswahl von Vladimir Weiss im November um 15 Plätze bis auf Position 45. Zuletzt hatte man exakt ein Jahr zuvor zu den 50 besten Nationalteams des Globus gezählt. Den Zuwachs um 106 Punkte auf insgesamt 627 Zähler hatte die Slowakei selbstverständlich in erster Linie dem dreifachen Punktgewinn gegen Polen zu verdanken.
Die höchste Platzierung aller Zeiten verbuchten die Slowaken im Mai 1997 mit Platz 17. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, doch zuzutrauen ist es dem Weiss-Ensemble in der momentanen Verfassung durchaus, sich selbst in diesen Spheren zurückzumelden. Nur ein Team aus der aktuellen Qualifikationsgruppe der Slowaken steht übrigens höher als Rang 17: die Tschechen liegen auf Position neun. Und gegen die müssen Sestak und Co. auf dem Weg nach Südafrika noch zweimal ran. Die Früchte hängen hoch, aber sie sind greifbar.
