Es ist noch gar nicht so lange her, dass Jamaika den Boden unter den Füßen zu verlieren schien. Man war in der Qualifikation für den CONCACAF Gold-Cup gescheitert und in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste aus den Top 100 gerutscht. Die Reggae Boyz hatten anerkannte Trainer wie Bora Milutinovic und René Simoes verpflichtet, um wieder auf Kurs zu kommen, doch alles ohne Erfolg.

Wer hätte gedacht, dass die Jamaikaner nur zwei Jahre später gerade einmal eine Partie davon entfernt sind, zwei der Fussballgroßmächte der Region in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 zu überraschen? Unter Interimstrainer Theodore Whitmore gelangen dem Team aus der Karibik zwei unvergessliche Siege gegen Mexiko und Honduras. Am nächsten Mittwoch wird man versuchen, gegen Kanada erneut einen Dreier einzufahren. Damit könnte einer der beiden Kolosse auf der Strecke bleiben.

Mit den zwei Siegen holte Jamaika 126 Punkte und wurde damit zu dem Team, das in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste in diesem Monat den größten Sprung nach oben machte, und zwar um 33 Plätze, von Rang 116 - der schlechtesten Position in der Verbandsgeschichte - auf Rang 83. Natürlich ist Jamaika noch weit von jenem 27. Platz entfernt, den das Team im August 1998 innehatte, aber immerhin liegt man nur noch zwei Plätze hinter den Kanadiern, die man in Kingston besiegen möchte, um weiter auf Qualifikationskurs zu bleiben.

Zwei Spiele für die Ewigkeit
Die Aufgabe des neuen Trainers John Barnes ist klar: Die unter Whitmores Regie erzielten Fortschritte seiner Schützlinge fortsetzen und die begehrte Qualifikation für die abschließende Qualifikationsrunde der CONCACAF-Zone mit sechs Teilnehmern zu schaffen. Das ehemalige Idol des FC Liverpool und der englischen Nationalelf sollte dafür noch einmal die beiden Husarenstreiche seines Teams im vergangenen Monat genau analysieren.

Der erste Paukenschlag war die Partie gegen Mexiko, das von Jamaika zuvor erst ein einziges Mal geschlagen worden war. Im Hexenkessel des Nationalstadions von Kingston landete ein beeindruckender Schuss von Ricardo Fuller aus 25 Metern in der 34. Minute im Winkel des von Oswaldo Sánchez gehüteten Tores. Anschließend folgte ein wahres Musterbeispiel an diszipliniertem und geordnetem Spiel. Mit einer taktischen Meisterleistung gelang es Whitmores Schützlingen, die wichtigsten Spieler der Mexikaner zu neutralisieren und den historischen Triumph zu sichern.

Nur wenige Tage später bot sich das gleiche Bild. Dieses Mal war Honduras zu Gast. Den goldenen Treffer in diesem Spiel erzielte Luton Shelton in der 16. Minute. Erneut waren daraufhin die lautstarke Unterstützung der heimischen Fans und die jamaikanische Spielintelligenz Garanten für den zweiten Überraschungssieg in Folge.

Die Situation stellt sich nun wie folgt dar: Nachdem Jamaika die ersten drei Begegnungen nicht gewinnen konnte, liegt das Team nun, nach den zwei Siegen, in der CONCACAF-Gruppe 2 mit sieben Zählern auf dem dritten Platz, und zwar zwei Punkte hinter Honduras und drei hinter Mexiko, die nun gegeneinander antreten müssen. Ein Sieg ist damit auf jeden Fall erforderlich, um weiter im Rennen zu bleiben, denn die Tordifferenz spricht im Augenblick noch für die beiden besser platzierten Teams. Jamaika ist jedoch schon oft totgesagt worden und jedes Mal wie ein Phönix aus der Asche wieder aufgestiegen. Am nächsten Mittwoch werden die Reggae Boyz die Gelegenheit haben, Geschichte zu schreiben, und Kingston macht sich schon für ein neues Wunder bereit.