Dass niederländische Fussballtrainer derzeit in aller Munde sind, ist nicht erst seit der UEFA EURO 2008 bekannt. Damals saßen neben Bondscoach Marco van Basten auch dessen Landsleute Leo Beenhakker bei Polen und Guus Hiddink bei Russland auf der Bank. Längst haben sich die Qualitäten der Coaches aus dem Land, das wie kein anderes für ein offensiv ausgerichtetes Kurzpassspiel steht, bis nach Albanien herumgesprochen. Dort hat Arie Haan seit Anfang des Jahres das Sagen - mit durchaus bemerkenswertem Erfolg.

Als erster Nationaltrainer überhaupt hat es der 59-Jährige geschafft, die Auswahl des rund 3,2 Millionen Einwohner zählenden Landes zu zwei Spielen infolge ohne Niederlage beim Auftakt einer Qualifikation für ein großes Turnier zu führen. Und wer glaubte, dass es auf dem Weg zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ in der Europa-Gruppe 1 nach einem torlosen Remis im heimischem Tirana gegen Schweden und einem 3:0-Sieg an gleicher Stelle gegen Malta gar nicht besser laufen könnte, hatte sich schwer getäuscht. Einer schmerzhaften 0:2-Niederlage bei den Ungarn ließ Haans Ensemble ein torloses Remis in Portugal folgen, um ein deutliches Ausrufezeichen zu setzen.

Rückkehr in die "Top 100"
Die Botschaft liegt auf der Hand: Albanien hat das ewige Image, ein europäischer Fussballzwerg zu sein, endgültig abgeschüttelt. "Das ist nur der Anfang, aber hoffentlich können wir darauf aufbauen", blickt Haan voller Zuversicht in die Zukunft. Der Blick auf die jüngste Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste gibt ihm dabei Recht: Dank der zuletzt errungenen Achtungserfolge kletterte seine Mannschaft um 19 Plätze bis auf Rang 83, um selbst ein Team wie Togo, immerhin Teilnehmer an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™, hinter sich zu lassen.

Die nicht gerade erfolgsverwöhnten Albaner konnten im Vergleich zum September 64 Punkte hinzugewinnen, um sich in den "Top 100" zurückzumelden, nachdem sie im Juli von Platz 82 bis auf Rang 100 zurückgefallen waren und ihre größte Verschlechterung aller Zeiten hinnehmen mussten, um in den beiden darauffolgenden Monaten sogar mit den Positionen 101 bzw. 102 Vorlieb zu nehmen. Nun sind die Haan-Schützlinge nicht nur exzessiv Achterbahn gefahren, sondern verpassten sogar ihre beste Veränderung aller Zeiten nur haarscharf, denn im Juli 2006 gelang ihnen sogar ein Sprung um 20 Plätze.

Außenseiterrolle als Wohlfühlfaktor
Die Qualifikation für ein großes Turnier wie etwa der weltweite Showdown in Südafrika 2010 befindet sich für Albanien aber nach wie vor in weiter Ferne. So zumindest denkt Mittelfeld-Regisseur Ervin Skela, der kürzlich im Exklusiv-Interview mit FIFA.com erklärte: "Natürlich fehlt uns Erfahrung und Qualität. International zu bestehen und sich für ein großes Turnier zu qualifizieren, sind zwei Paar Schuhe. Von uns spielen nicht sehr viele Auswahlspieler in den besten Ligen. Das Messen mit den Besten gehört aber zwingend dazu."

Er selbst gehört zu jenen, die im Ausland die Chance haben, sich Woche für Woche auf Topniveau zu messen. Der 31 Jahre alte Filigrantechniker trägt aktuell das Trikot von Bundesligist Energie Cottbus und hat zuvor bereits in Diensten von so renommierten Klubs wie Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Kaiserslautern und Ascoli Calcio gestanden. Skela verfügt also über ausreichend Erfahrung, um zu wissen, dass die aktuelle WM-Qualifikation eine große Chance für sein Heimatland ist, sich auf der Fussball-Landkarte bemerkbar zu machen: "Wir sind Außenseiter. Und wir fühlen uns sehr wohl in dieser Rolle", so der 55-fache Internationale mit einem Augenzwinkern.

Auch Skela sieht Haan als den idealen Nationalcoach für die Albaner: "Er hat große Routine und gibt uns Selbstvertrauen." Wer weiß, vielleicht gelingt dem Trainerfuchs ja doch noch die eine oder andere weitere Überraschung auf dem Weg nach Südafrika. Aktuell jedenfalls haben sie nicht weniger Punkte als Portugal auf dem Konto. Haan wäre nicht der erste Niederländer, der von der Seitenlinie aus für Sensationen sorgt.