Nach der Niederlage in der letzten Begegnung der zweiten Qualifikationsrunde zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ tröstet zumindest ein Blick auf die FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste im Oktober über das Ausscheiden Kongos in der WM-Qualifikation hinweg. Die Roten Teufel können mit Stolz behaupten, die beste Platzierung in ihrer Geschichte aufzuweisen. Das Team verbesserte sich um 181 Punkte (jetzt 536) und kletterte um ganze 43 Plätze von Rang 100 auf die 57. Position. Die Kongolesen belegen zudem Platz 12 unter den afrikanischen Teams und zeugen von der deutlich aufsteigenden Tendenz, die der afrikanische Fussball diesen Monat erfährt.
Der Aufbruch im kongolesischen Fussball ist in vielerlei Hinsicht spürbar. Die U-20-Auswahl hat sich als erstes Team des Landes ins Rampenlicht gespielt und vor heimischer Kulisse beim Afrikanischen Nationen-Pokal 2007 in ihrer Altersklasse einen historischen Titelgewinn gefeiert. Die Leistung verdeutlicht das Potenzial des Landes im Nachwuchsbereich. Mittelfeldspieler Harris Tchilimbou oder auch Rechtsaußen Fabrice N'Guessi Ondama lassen die ganze Nation von einer Goldenen Generation träumen.
Entscheidungsspiel in Sudan
Die kombinierte Qualifikation für die WM 2010 und den Afrikanischen Nationen-Pokal, der im selben Jahr in Angola stattfinden soll, schien einem spannenden Drehbuch zu folgen. Doch am letzten Spieltag wurde der Krimi für die Mannschaftskameraden von Oscar Ewolo noch zur Tragödie. Die Gruppe 10 mit Mali, Sudan und Tschad gestaltete sich ausgeglichen, schließlich machten sich alle Länder berechtigte Hoffnungen auf den Einzug in die nächste Runde - darunter auch die Roten Teufel. Drei Heimsiege (1:0 gegen Sudan und Mali sowie ein 2:0 gegen Tschad) und zwei Auswärtsniederlagen (2:4 in Mali und 1:2 in Tschad) reichten nicht aus, um vor dem letzten Spieltag den Einzug in die nächste Runde perfekt zu machen. Das Auswärtsspiel in Sudan musste folglich die Entscheidung bringen.
Mit neun Punkten und drei Zählern Vorsprung auf Sudan hätte den Kongolesen ein Unentschieden genügt, um einen der ersten beiden Plätze zu belegen und die Qualifikation für die nächste Runde unter Dach und Fach zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen und an die Leistungen der glorreichen Vergangenheit anknüpfen zu können, hatte sich der Verband im vergangenen Februar die Dienste von Ivica Todorov gesichert. Der ehemalige Akteur von Roter Stern Belgrad krempelte die Mannschaft gehörig um und setzte, mit Ausnahme von Ersatztorhüter Chancel Massa, vordergründig auf Auslandslegionäre.
Seine Vorgehensweise begründete der Trainer der Roten Teufel mit der Situation vor Ort: "Ich habe bei allen meinen Trainerstationen versucht, ortsansässige Spieler zu integrieren. Das beste Team des Landes ist allerdings 2007 schon früh in der Champions League gescheitert. Ich glaube, dass die Spieler einfach noch nicht so weit waren. So wie die Dinge stehen, haben wir uns entschlossen, auf Spieler zu setzen, die im Ausland ihre Brötchen verdienen." Todorov holte einige ehemalige Auswahlspieler wie Rolf-Christel Guie-Mien, der die letzten vier Jahre nicht zum Kreis der Nationalelf gehörte, sowie Perspektivspieler wie Chris Malonga-Nsayi, der das Fussballinternat von AS Nancy Lorraine in der ersten französischen Liga besucht, in die Nationalmannschaft.
Die warnenden Worte des Kapitäns Ewolo kamen für die kongolesische Auswahl indes zu spät. Der Spieler vom FC Lorient hatte gesagt, dass "neben der großartigen Fussballergeneration auch eine gewisse Kaltschnäuzigkeit und Durchsetzungskraft nötig sind. Wenn wir die Sache richtig angehen, können wir die ganz großen Ziele erreichen. Wenn wir aber nicht alles geben, werden wir das am Ende bitter bereuen." Vom Auswärtsspiel in Omdurman am 11. Oktober haben sich die Roten Teufel noch nicht erholt. Die 0:2-Niederlage und der dritte Platz in der Abschlusstabelle aufgrund des schlechteren Torverhältnisses im direkten Vergleich mit den Sudanesen (-1 gegenüber 0) stürzten ein ganzes Land in die Krise.
Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Voraussetzungen da sind, damit Kongo in den kommenden Jahren zu einer der stärksten Fussballnationen des afrikanischen Kontinents avanciert.
