"Beständigkeit erreicht man durch die richtige Mischung aus Jugend und Erfahrung."

Das waren die Worte von Vladimir Bessonov nach dem beeindruckenden Einzug der Sowjetunion ins Finale der Europameisterschaft 1988. Der damals 30-jährige Rechtsverteidiger gehörte zu der Mehrheit der Spieler des Silbermedaillenteams, die innerhalb der Grenzen der heutigen Ukraine geboren wurden.

Zu diesen gehörte auch Alexei Mikhailichenko, der - im Gegensatz zu seinem eben genannten Mannschaftskameraden - zu den Nachwuchsstars des Teams zählte. Er hatte erst im Vorjahr sein Länderspieldebüt gefeiert. Der ehemalige Mittelfeldspieler teilt ganz offensichtlich die Einstellung Bessonovs.

Seit er im Januar das Amt des Nationaltrainers der Ukraine übernahm, hat Mikhailichenko alles getan, um im Team für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Routiniers und Nachwuchstalenten zu sorgen. Im Augenblick deutet alles darauf hin, dass der 45-Jährige aus Kiev sein Ziel erreicht hat.

Die Ukraine, die von Februar bis Mai, als Mikhailichenko noch mit seiner Startelf experimentierte, auf Platz 32 der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste rangierte, hat seitdem ein Erfolgsrezept gefunden. Mit den jüngsten Siegen gegen Belarus und Kasachstan (1:0 zu Hause und 3:1 auswärts) hat das Team nicht nur einen perfekten Start in die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ hingelegt, sondern ist in der Oktoberausgabe der Weltrangliste auch sieben Plätze nach oben geklettert - bis auf Rang 19.

Die Ukraine steht damit erstmals seit September 2007 wieder unter den ersten 20. Nun hofft man darauf, die bisher höchste Platzierung aller Zeiten (Platz elf) demnächst noch übertrumpfen zu können. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres hatte man sich vier Monate in Folge auf diesem Platz halten können.

Beständigkeit könnte eine Schlüsselrolle spielen, wenn die Ukrainer ihren Aufwärtstrend fortsetzen wollen, denn damit haben viele Spitzenmannschaften der Welt ihre Probleme. Immerhin hat das Team seine letzten vier Spiele gewonnen. Das ist unter den ersten 20 Mannschaften der Weltrangliste sonst nur noch den führenden Spaniern gelungen [La Roja hat sogar fünf Siege in Folge vorzuweisen].

Jugend und Erfahrung
Mikhailichenko ist es gelungen, in eine ausgesprochen erfahrene Mannschaft eine ganze Reihe von internationalen Newcomern zu integrieren. Andriy Pyatov hat beispielsweise die Torwarthandschuhe vom langjährigen Stammtorhüter Oleksandr Shovkovskiy übernommen, und der 24-Jährige musste in den letzten vier Spielen nur ein einziges Mal hinter sich greifen. Der noch ein Jahr jüngere Grygoriy Yarmash hat sich in der Abwehr ebenfalls behaupten können und Oleksandr Aliyev (ebenso 23) kam gegen Belarus und Kasachstan zu seinen ersten Länderspieleinsätzen und wusste in der Schaltzentrale des Mittelfelds zu überzeugen.

Trotzdem ist Erfahrung natürlich immer noch entscheidend für den Erfolg des Teams. Anatoliy Tymoschuk, Mittelfeldspieler bei Zenit Sankt Petersburg, hat bereits 80 Länderspieleinsätze auf dem Buckel, und der 28-jährige Serhiy Nazarenko hat sich in jüngster Zeit in Hochform präsentiert. Beim Sieg gegen Schweden in Stockholm erzielte er das einzige Tor und gegen Kasachstan konnte er sogar zwei Treffer beitragen. Und dann ist da natürlich noch der 32-jährige Andriy Shevchenko, der nach seiner Einwechslung gegen Belarus kurz vor Spielende einen entscheidenden Elfmeter verwandelte und auch gegen die Kasachen wieder traf.

"Wir verfügen jetzt über eine gute Mischung aus Jugend und Erfahrung. Das ist uns zugute gekommen", meint Mikhailichenko nach dem erfolgreichen Auftakt seiner Mannschaft in der Qualifikation für Südafrika 2010. "Ich bin sehr zufrieden mit diesen Ergebnissen."

Jetzt stehen die Ukrainer allerdings gegen den Weltranglistensechsten Kroatien vor einem Härtetest. Die Kroaten treten am Samstag die Reise nach Kharkov an und wollen ihre 1:4-Heimniederlage gegen England im vorherigen Gruppenspiel so schnell wie möglich vergessen. "Die Kroaten haben eine sehr gute Mannschaft, aber ich glaube, gegen England sind sie hinter ihrem Potenzial zurückgeblieben", erklärt Mikhailichenko.

"Sie werden alles daran setzen, so schnell wie möglich zurückzuschlagen und gegen uns deshalb mit vollem Einsatz spielen. Andererseits macht es für mich keinen Unterschied, ob wir nun gegen Kasachstan oder Kroatien spielen - unser Ziel ist immer gleich: Die maximale Punkteausbeute mitnehmen."