Die Rückspiele der zweiten Runde in der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ haben der algerischen Mannschaft wohl Flügel verliehen. Noch im Juni dieses Jahres dümpelten die Nordafrikaner in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auf Platz 103 herum und die Anhänger der "Wüstenfüchse" hätten wohl nicht zu träumen gewagt, was für ein Aufschwung dann folgen würde.

Denn im Augenblick sieht es ganz so aus, als sollten die Enttäuschungen ein Ende haben und Algerien wieder an glorreiche Zeiten anknüpfen können. Vergessen sind die Niederlagen gegen Senegal (0:1) am 31. Mai und gegen Gambia am 14. Juni. Algerien ist auf dem Vormarsch - und wie!

Auf dem richtigen Weg
Für Algerien war es in jeder Hinsicht ein besonders sonniger Sommer. Am 20. Juni meldeten sich die Schützlinge von Rabah Saadane zunächst mit einem 1:0 über Gambia in der WM-Qualifikation zurück. Dasselbe Ergebnis gab es zwei Monate später im Rahmen eines Freundschaftsspiels gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Es zeigte sich: da wächst etwas zusammen. In der Weltrangliste war man im Juli auf Platz 93, dann Platz 90 im August und Platz 76 im September, das ist allein ein Sprung von 14 Plätzen zuletzt. Besser war Algerien nur im Februar 2000 mit einem Sprung von 15 Plätzen.

Im Zuge dieses Vormarschs zeigte sich Algerien zuletzt auch spielerisch stark verbessert und gewann am 5. September mit 3:2 gegen Senegal. Trainer Saadane hatte das indes schon nach der Pleite im Hinspiel angekündigt und gesagt: "Wir sind eine Mannschaft im Umbruch. Wir werden weiter an uns arbeiten, und ich bin überzeugt, wenn wir so weitermachen, sind wir auf dem richtigen Weg."

Der Mann bewies Hellsicht. Der Sieg gegen die Löwen von Teranga war für Algerien bereits der dritte Erfolg in Serie. Das hatte es zuletzt 2000 gegeben.

Am 11. Oktober muss Algerien nach Liberia reisen und den jüngsten Aufwärtstrend bestätigen. Schon das Hinspiel endete mit 3:0, und ein weiterer Sieg wäre der sichere Sprung in die dritte Runde. Die WM-Teilnahme ist der Traum ganz Algeriens, und das nicht nur, weil es die erste in Afrika ist, sondern auch, weil das Land seit 24 Jahren darauf wartet.

Zurück zu den Wurzeln
1982 in Spanien nahm das Land zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teil. Die Protagonisten damals gehörten der viel besungenen "Goldenen Generation" an - allen voran die Herren Rabah Madjer, Lakhdar Belloumi und Mustapha Dahleb. Von den Punkten her lag man damals gleichauf mit der Bundesrepublik Deutschland und Österreich. Einzig die schlechtere Tordifferenz verhinderte, dass die Algerier eine Runde weiter kamen. Trotz dieser Enttäuschung ist das Abschneiden Algeriens bei dieser WM aller Ehren wert: Zwei Siege, eine Niederlage, fünf geschossene und fünf kassierte Tore.

Vier Jahre später in Mexiko konnte Algerien an die Erfolge in Spanien nicht mehr anknüpfen. Es gab nur ein Remis gegen Nordirland und zwei Niederlagen gegen Brasilien und Spanien, wobei besonders das 0:3 gegen die Iberer schmerzte. Was damals noch niemand wusste: Es sollte der letzte WM-Auftritt Algeriens für lange Zeit gewesen sein.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten sollte Algerien nicht mehr nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Einzig den Afrikanischen Nationen-Pokal 1990 im eigenen Land konnten die Nordafrikaner noch gewinnen. Es war der letzte Erfolg der "Goldenen Generation". Seitdem hat es fünf FIFA-Weltmeisterschaften gegeben - alle ohne Algerien. Dabei fiebert das ganze Land mit seiner in Grün spielenden Nationalmannschaft mit.

Rachid Mekhloufi, algerische Fussballlegende der 50er und 60er Jahre, glaubt indes fest an die Wiederauferstehung der Mannschaft: "Wir müssen zurück zu den Wurzeln: Ausbilden, fortbilden, Trainingsplätze anlegen, Trainer ausbilden. In fünf Jahren ist der Erfolg garantiert. Denn die jungen Algerier lieben Fussball. Sie spielen, wo immer sie können. Sie sind die Zukunft unseres nationalen Fussballs."